Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1841)
- Date
- 1841-09-18
- Page
- Seite 545 (sequence 9)
- Language
- German
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545 sondern auch die subjektive Strafbarkeit keinem Zweifel unterliege. Namentlich wurde die Rechtsgültigkeit des Zeugenbeweises, auf dessen Grundlage der Löbl Kurzhandl verurtheilt wurde, aus den Rechtsquellen und aus den Schriften der Rechtsgelehrten nachzuweisen gesucht. Hierauf wurde das Urtheil -des Appellationstribunals mittelst kaiserlichen Reskripts vom 7. Oktober 1694 bestätigt, und die Vollziehung desselben ohne Gestattung eines weitern Rekurses anbefohlen. — Als diese kaiserliche Decision dem Löbl Kurzhandl publizirt worden war, ließ er nichts anders von sich hören als: „Ich bin am Blute dieses Knabens nicht schul- „dig; Gott dem ich meinen Handel befehle, wird „mir Unschuldigen beistehen. Ist es doch beliebig „denen angeordneten Richtern ihre Hände in meinem Blute zu waschen, so seie es; will darum „nicht dem hochlöblichen Appellations-Collegio die „Schuld ausbürden, sondern denen ungerechten, „lügenhaften und mit Geld bestochenen Zeugen, „welche sich wider mich ausgebäumet und allein „Ursache seind an meiner Verdammniß und mei- „nem also schmählichen Tod." Drei Tage vor dem zur Exekution des Urtheils bestimmten Tage, wurde zu dem Verurtheilten ein Priester aus der Gesellschaft Jesu berufen, der dem verstockten Sünder heilsame Gedanken von dem alleinseligmachenden Glauben einzuflößen und zum wahren Heil zu führen suchte und den Tod mit willigem Herzen zu überstehen ausmunterte. Der Verurtheilte aber antwortete ihm: „Zu größerer Ehr Gottes will ich gerne sterben, dann ich den Tod so viel achte, als dieses Strohhalm (den er gerade in der Hand hatte). Komme der Pater, jetzt wollen wir aus der heiligen Schrift disputiren, wer den wahren Glauben habe. Bishero stellte ich mich als einen Einfältigen und Idioten der ich in der Sach nicht bin, als der ich mich durch elf Jahre beflissen die heilige Schrift und Talmud zu verstehen." — Der Pater ließ sich hierauf mit ihm in einen theologischen Diskurs ein, griff den Talmud mit theologischen Beweisen an, suchte dem Kurzhandl das Geheimniß der ungetheilten heiligen Dreifaltigkeit durch jene von Ewigkeit lebhafte Wirkung sowol des Verstandes als des göttlichen Willens auszulegen, und bemühete sich solches aus der heiligen Schrift zu bekräftigen, indem er sich auf die Autorität der schriftkundigen Männer berief, und solche in hebräischer Sprache zitirte. Ob Kurzhandl nun die Ueberlegenheit des Paters fühlend, oder weil er in seiner Lage überhaupt von einem theologischen Disput kein Heil erwartete, das Gespräch unterbrochen hatte, können wir nicht sagen. Er warf die Bibel von sich weg und sprach: „Ich bleibe, wie ich geboren bin; wann „ich Heid' oder Teufel wäre gebohren worden, wollte „ich Heid' oder Teufel verbleiben." — Und somit endete der Glaubensstreit. Der Pater versuchte wol noch einigemal, das, wie er meinte, verhärtete Gemüth zu erweichen, aber ohne Erfolg. Er wendete sich daher mit seiner Zusprache an die andern Mitgefangenen, suchte ihnen aus der Schrift zu beweisen, wie der Messias, dem Fleische nach schon wirklich gekommen, und zugleich Gott und Mensch gewesen sei; Löbl Kurzhandl hörte mit Stillschweigen zu. Da schon der dritte der ihm bis zum Tode gestatteten Fristtage herangekommen, und keine Hoffnung zur Bekehrung des Unglücklichen vorhanden war, leitete der Pater das Gespräch auf den ermordeten Knaben Simon Abeles, bemerkte, wie dieser Knabe wegen seines Verlangens zum christlichen Glauben nun des ewigen Lebens theilhaftig sei; allein keine andere Antwort erfolgte, als daß er nichts wüßte, und unschuldig sei. Nachmittag verlangte er vom Pater abermals besucht zu werden. Der Pater erschien, redete ihm unaufhörlich zu; hierauf, wird erzählt, habe er, aber nur unter der Bedingung, daß seine Mittheilung nur dem Appellationspräsidenten bekannt gemacht werde, dem Pater und einem andern Mitgefangenen eingestanden, daß er aus Glaubenshaß, und über Anstiftung des Lazar Abeles den Knaben ermordet habe, und daß er herzlich betrübt darüber sei. Der Tag der Hinrichtung, der auf einen Samstag bestimmt war, erschien. Der Pater, der ihn des Morgens besuchte, fand ihn in schöner weißer Kleidung geziert, mit Uebungen des Glaubens beschäftigt und in tiefster Zerknirschung. Der Pater fragte ihn, in welchem Glauben er sterben wolle? „Jn.demselbigen," antwortete er, „in welchem gestorben Abraham, Jsak und Jakob, und gleichwie Abraham seinen Sohn, also werde ich mich Gott aufopfern." Der Pater fragte hierauf: Willst du auch in jenem Glauben sterben, in welchem Abra- 38»