Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1841)
- Date
- 1841-09-18
- Page
- Seite 543 (sequence 7)
- Language
- German
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543 die Religion Christi gebeten hat, aus dem tiefen feuchten Keller des Rathhauses gehoben, von ihnen gesäubert und abgewaschen, und in die dem heiligen Laurentio geweihte Kapelle des Rathhauses gebracht, und in den aus Eichenholz verfertigten mit kostbarem Sammt ausgezierten Sarg, unter einem ungemein großen Andrang von Menschen vornehmen und niedern Standes gelegt. — Auch an wunderbaren Symptomen, der Heiligkeit fehlte es nicht. Die Leiche, obschon sie am 22. Feber in die Erde gelegt worden und 8 Tage bis zu ihrer Ausgrabung da gelegen und noch überdieß über einen Monat auf einen feuchten Platz aufbewahrt worden ist, war ganz frisch, ohne allen Geruch und hatte ein gesundes Fleisch gleich einem lebendigen Menschen. Aus den auf dem Nacken befindlichen Wunden floß stets und ohne Unterlaß das frischeste und schönste Blut, wie aus einem frisch sprudelnden Quell. Die Anwesenden, unter diesen sogar ein der evangelischen Religion angehörender Arzt,, benetzten ihre Taschentücher mit dem rinnenden Blut. Adelige und andere vornehme Personen zierten die Leiche mit goldenen Ringen und sehr kostbaren Kränzen, und eine Gräfin S... erbat sich vom Erzbischof die Erlaubniß mit zwei kostbaren Kleidungen, einer weißen und einer rochen mit Gold und Silber durchwirkt und einem kostbaren Kranze die Leiche zu ehren, und bekleidete damit die Leiche in eigener Person. Der Zulauf des Volkes zur Leiche dauerte den ganzen Tag. Des Morgens darauf, am 31. März wurde zum Leichenbegängniß geschritten. Früh um 8 Uhr versammelten sich die verordneten Kommissäre in der Kapelle um sich zu berathen, auf welche Weise der Sarg verschlossen und verpetschiert werden sollte. Noch ehe der Sarg verschlossen wurde, erschien der Domdechant des Kapitels zu St. Beit mit zwei andern Domherren als geistlichen Assistenten in gewöhnlichem Jnfule und sonstigen Kirchen-Apparamentis und unter Begleitung aller Pfarrherren und sprach die Antiphon"); worauf die geistlichen Assistenten nebst allen Anwesenden nach Gregorianischer Art den Psalm anstimmten. Innere Wehmuth über das unschuldige Opfer preßte Allen häufige Thränen aus. ") Ein im Rituale vor dem Psalm: Lobet ihr Kinder den Herrn befindliches Gebet. Nach abgesungenem Psalm wurde die Leiche mit Weihwasser besprengt, und mit Weihrauch geräuchert, und hieraus der Sarg verschlossen und mit den Siegeln der drei Kommissäre versiegelt. Um den obern und untern Theil des Sarges fest an einander zu schließen, bedurfte man eines Bandes. Alsogleich rissen in frommem Eifer die anwesenden Frauen ihre Bänder von den Köpfen und Aermeln, ja sogar Kavaliere nahmen die Bänder von ihren Degen und reichten sie dar. Jetzt wurde der Sarg aus der Kapelle zur untersten Pforte des Rathhauses getragen mit einem rothen sammtnen Leichentuche überzogen und mit vielen andern Ornamentin auf die Tragbahre gesetzt. Hierauf begann der Leichenzug. Sechszehn Jünglinge, alle in rothen Mänteln mit Kränzen auf dem Haupte trugen die Bahre und stimmten unter Musikbegleitung den Psalm: Laudate pucri Dominum, an. Der Aelteste aus dem Sechs- Männer-Amt, nebst dem Stadtrichter und noch einer andern untern Gerichtsperson gingen voran, um vor dem in unerhörter Anzahl sich andrängenden Volke den Weg offen zu halten. Ihnen folgten 12 rothe Fähnlein und viele neugetaufte jüdische Knaben, alle mit rothen taffetnen Binden geschmückt, dann die Knaben aus allen christlichen Schulen nach unterschiedlichen Fähnlein vertheilt. Hierauf kamen die Congregationes der Studenten bei den patribus Jesuitis nebst den Congregationsfahnlein und Umbrellen. Die Studenten aus den kleineren Schulen hatten brennende Wachskerzen in Händen. Von den zwei Musikchören ging der eine voran, der zweite hintenher und psallirte im Posaunen, Zinken und mit lauter Stimme den Psalm: Laudate pueri Dominum. Nachher folgten sechszehn Paar Clerici in weißen Chorröcken, die Pfarrherren in ihren rothen Vespermänteln, der Domdechant mit dem Vesperkreuz in der Hand, nebst den beiden geistlichen Assistenten, umgeben von einer zahlreichen Bürgerwache um den Andrang des Volkes zurück zu halten. Neben den 16 die Bahre tragenden Jünglingen, gingen noch andere 12 Jünglinge rothgckleidet mit rothen Wachsfackeln in der Hand, und ihnen schloß sich der übrige Zug aus Personen der verschiedensten Stände, an. Im Zuge befanden sich die Oberstburggrasin und viele andere hochadelige Damen, der Oberstburggraf mit vielen Geheimrathen, der Weihbischof und der Domprobst die unter herrlichem Trompetenschall und