Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-18 · Heft 38 (18.9.1841) · p. Seite 542

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 38 (18.9.1841)
Date
1841-09-18
Page
Seite 542 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225212--03810-3313369
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

542 darauf hin, daß in jenen durch Krieg und Anarchie erschöpften Gegenden keine nur irgend zureichende Hülfe geleistet werden kann. Und doch zählt Man dort unsere obdachlosen, jeder Habe beraubten Mitmenschen nach Tausenden, ja nach Zehntausenden! Am meisten haben die dortigen Juden gelitten, dann die Muhamedaner, die Christen im Verhältniß am wenigsten. Alle diese richten ihre Blicke nach Europa, nach den Ländern des Friedens, der Gesittung, der Menschenliebe, und hoffen auf Unterstützung und Hülfe. So möge denn Hamburg, dessen Flagge in jenen Gegenden so gern gesehen wird, unter den ersten und bereitwilligsten Helfern genannt werden. Die Unterzeichneten haben sich zu einer Collecte für die Abgebrannten in Smyrna vereinigt, zu deren Beförderung sie chiemit auffordern, und sich zur Annahme der milden Gaben bereit erklären. Der Ertrag soll durch ihre Vermittelung auf's Zweckmäßigste angewendet werden, und wie es sich für ein so wohlthätiges und aufgeklärtes Publikum wie das Unsrige geziemt, allen Leidenden ohne Unterschied der Religion zu Gute kommen. John R.Beit, große Theaterstraße No.34. Johs. Greve u. Comp., Hüxter No. 12. Lazarus Gumpel, A.-B.-C.-Straße. H> C. Meyer, Neueburg No. 17. Julius Oppenheimer u. Comp., Herrengraben No. 27. Reimarus u. Comp., holländischer Brook No. 28. München, 10. August. (Fr. I.) Ein gestern erschienenes Regierungsblatt bringt die königliche Genehmigung für verschiedene Testamentsverfügungen. Ein unverheirathet gestorbenes Frauenzimmer hat z. B. ihr ganzes Vermögen von gegen 20,800 fl. frommen Zwecken bestimmt, die größere Hälfte dem Schulfond. Der jüdische Großhändler und Hofbanquier Jakob von Hirsch hat in gleicher Weise 44,100 fl. ausgesetzt; darunter 24,000 fl. zu Stipendien für arme Verwandte, dann besondere Legate für Kandidaten der jüdischen Theologie, für Synagogenbauten, für verschiedene christliche Institute u. s. w. Geschichte. Simele Abeles oder der Märtyrknabe. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden im 16. Jahrhundert. (Schluß.) Für uns hat der ganze Vorfall nur in so fern ein historisches Interesse, als wir dadurch einen Blick in die religiösen Verhältnisse der damaligen Zeit bekommen und den durch Jahrhunderte sich fortgeerbten Kampf religiöser Ueberzeugungen oder vielmehr irreligiöser Jrrthümer in einer neuen Form vor unS sehen. — Und darum wollen wir zwei Momente genauer beschreiben, die gerade wegen der dabei sich manifestirenden Gesinnung in besagter Beziehung unser Interesse in Anspruch nehmen; nähmlich das der Leichenbestattung jenes Märtyrer-Knaben und das der Hinrichtung des Mordes mitangeschuldigten Löbl Kurtzhandl. Je größer das Aergerniß war, das der angeblich ex odio christianae fidei verübte Mord erregte, auf eine desto verherrlichendere Weise erachtete man, müßte auch die Bestattung des Knaben Vorgehen, der schon so jung ill niajorem Dei gloriam sein Leben ausgehaucht, und so in proprio sanguine getauft worden ist. Es wurde ein eigener Concessus zusammenberufen, der über die Zeit und Art des Leichenkondukts so wie über dtn Ort an dem die Leiche beizusetzen wäre, berathen sollte. Demzufolge wurde beschlossen, daß die Leiche an einem in der Theinkirche zur Rechten des Taufsteins befindlichen Orte in einem schönen inwendig mit rothem Sammt ausgefütterten Sarge unter einem Marmorstein mit einem Epitaphio, ruhen sollte. Der Sarg sollte mit einem guten Schlosse und einigen Bändern zum Auf- und Zuschließen verwahrt und dazu drei Schlüssel verfertigt werden, von denen den einen der .Erzbischof, den zweiten die Appellation und den dritten der Magistrat haben sollte. Am 30. März, das ist Tags vorher vor dem zum Leichenbegängniß bestimmten Tag, wurde die Leiche von denjenigen Priestern aus der Gesellschaft Jesu, bei denen der ermordete Knabe um die Aufnahme in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.