Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1841)
- Date
- 1841-09-18
- Page
- Seite 541 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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541 unterdrückt, die mit dem Staate und sogar mit gewissen Arten des gewerblichen Verkehrs in unmittelbarer Verbindung stehen; desto brausender hat sich ihr hochgeschwollener Strom über die Felder ergossen, welche ihnen frei gelassen werden mußten." So fährt Herr R. H. in Nr. 1L7 seiner „Rosen" fort, und spricht geradezu die Behauptung aus, wäre Lortzing ein Jude, so brauchte er längst nicht mehr Schauspieler zu sein. Herr R. H. muß mit Herrn Lortzing vertraut genug sein, um zu wissen, ob nicht Lortzing aus Beruf auch Schauspieler ist, denn man könnte ja nur an Jffland erinnern, der auch Dichter und Schauspieler zugleich war. Und dann haben cs ja die Schauspieler und Sänger in unserer Zeit just nicht so schlecht, daß sie zu bedauern wären. Daß bescheidene Verdienste oft nicht anerkannt werden, ist eine Erfahrung aller Zeiten. Und dann kann man ja auch nicht leugnen, daß der Mann selbst seine Carriere zu machen wissen muß, ulld etwas Trägheit dazu gehört, sich in seinem Schlendrian zu erhalten, wenn man etwas Besseres zu leisten vermag. Gewiß wird man es sehr sonderbar und gewiß unbillig finden, die Juden zu beschuldigen, daß Lortzing ein Schauspieler ist. Man wird aber auch die Ungerechtigkeit nicht verkennen, wenn man Mendelssohn und Meyerbeer durch die Juden nach Berlin kommen läßt. Wo man aber einmal Unbilligkeit und Ungerechtigkeit vorhanden sieht, da wird man das Ganze für Wind, Uebertreibung zu erachten sich bewogen finden. Herrn Rob. Heller fordern wir auf, die Juden aufzuzählen, welche Glück in der Literatur und Kunst gemacht haben. Wir haben sehr wenige Namen: Mendelssohn, Meyerbeer, Bendemann, Börne, Heine — das sind sie Alle. Und merkwürdig, diese sind bis auf Meyerbeer nur getaufte Juden, und dieser einzige Jude ist ein Mann, der außer den Honoraren für seine Kompositionen von der Oeffentlichkeit noch keinen Heller erhalten hat. Und wie zweideutig ist daS Glück Börne's und Heine's! Oder hält der Herr R. H. cs für ein so erstaunliches Glück, daß dort ein Jude Unterbibliothekar, hier ein Jude Privatdocent auf eigne Kosten wird? Er könnte höchstens noch die Rachel und Ernst nennen, aber er wird doch nicht so kühn-sein, zu behaupten, daß Frankreich und England sich verblenden lassen durch eine Handvoll Juden, denn mehr giebt es dort gar nicht. Das sind sie Alle, die aus jüdischem Stamme eine höhere Stelle in der allgemeinen Literatur und Kunst einnehmen, und auch diese Wenige will man nicht gelten lassen, und, wo man das Verdienst nicht leugnen kann, wirft man doch einen schelen Blick des Neides auf sie. Nein! wenden wir das Blättchen. Wir behaupten, und unsere Erfahrung könnte ein langes Register aufstellen, daß es Niemandem in seinen Leistungen so schwer gemacht wird, als einem Juden. Wir wollen von den Schwierigkeiten der Jugend nicht sprechen, wo keine Freistellen, keine Stipendien den Strebenden unterstützen. Wie Wenigen ist es gegeben, durch ausgezeichnete Genialetät hervorzuragen. Und nun die große Zahl derer, die sich nur durch Tüchtigkeit, gewisse Fähigkeit einen Raum für das Leben schaffen können — wo bleiben die, wenn sie Juden sind? Herr R. Heller nenne mir doch 20 Juden mittelmäßiger Anlage, die trotz ihrer Mittelmäßigkeit sich einen hohen Rang in Literatur und Kunst erworben haben — und wir wollen seinen Assertionen Glauben schenken. Denn nur dies entschiede. Müßte aber selbst die Hebung der wenigen Genialen, die unter den Juden sich gerade finden, durch ganz besondere Mittel bewirkt werden — auf wen fiele die Schuld? O, wir kennen eine Menge tüchtiger jüdischer Gelehrten, Aerzte ff., die, weil ihnen gar kein öffentlicher Wirkungskreis offen steht, versauern, sich in sich verzehren, und mit ihren schönen Kräften nicht über den täglichen Erwerb hinausreichen können. Ihr kennt sie nicht, ihr schreitet über sie hinweg, und beschuldigt noch den Staub zu Euren Füßen, daß er Euch am Gehen hindere? Herr R. Heller ist sonst ein recht vernünftiger und parteiloser Mann: hier hat er aber durch eine gelbe Brille gesehen. Hamburg, 3. September. Hier ist folgende Aufforderung erschienen: Die Katastrophe, die einen großen Theil Smyrna's, der blühendsten Handelsstadt der Levante, betroffen hat, ist aus den öffentlichen Zeitungsberichten hinlänglich bekannt. Mittheilungen in Privatbriefen bestätigen und ergänzen jene traurigen Schilderungen und weisen zugleich