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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-18 · Heft 38 (18.9.1841) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 38 (18.9.1841)
Date
1841-09-18
Page
Seite 540 (sequence 4)
Language
German
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540 unsre Anforderungen bereits mit aller Kraft des Selbstbewußtseins geführt worden sind, können wir jetzt unbeschadet ruhiger unterhandeln, und selbst, wenn's nicht anders geht, Schritt vor Schritt kapituliren. Gutzkow wirft es uns auch vor, daß wir die Befähigung, Staatsbeamte zu werden, so dringend verlangen. Er meint: „Ich muß ihm aber sagen, daß ich glaube, kein demokratisch gesinnter Schriftsteller dürfe mit so besonders lüsternem Auge nach dem Heu in der großen Staatskrippe trachten:" Dies ist in Bezug auf uns wieder recht tüchtig einseitig, und ich glaube, Herr Gutzkow hat da sein offenes Auge wieder einmal zugedrückt, um bequem witzeln zu können, wie es darauf folgt. Wir verlangen die Befähigung, Staatsbeamte zu werden, um jede moralische Ausschließung verschwinden zu sehen. Nicht die Paar untergeordneten Staatsstellen, die auf uns fallen würden, haben wir dabei im Auge, denn wir haben ja nun so lange schon ohne sie gelebt: sondern daß der Jude nicht strikte als solcher, daß der im Judenthum Geborene und es Bekennende nicht ein für allemal für unfähig erklärt sei. Wir wollen einmal annehmen: Herr Gutzkow sei ein Jude. Ich halte mich überzeugt, Herr Gutzkow würde, wenn er es einmal ist, mit Leib und Seele, wie man zu sagen pflegt, es sein, und wenn auch nur als Bekämpfer der Ungerechtigkeit. Ferner nehme ich an:- Herr Gutzkow wird von seinen Mitbürgern zum Stadtverordneten gewählt. Und warum nicht? Herr G. wäre gewiß ein guter und gescheiter Bürger. Als Stadtverordneter arbeitet er wacker für das Heil der Stadt, und giebt sich seinem Amte mit Aufopferung hin. Da werden Landstände gewählt. Plötzlich heißt es in der Versammlung: „Herr Stadtverordneter Gutzkow, entfernen Sie sich, es werden Landstände gewählt, und Sie sind nicht allein nicht wählbar, sondern können auch nicht einmal mit wählen, weil Sie Jude sind!" Wie würde Ihnen da? Und da Ihnen das Gesetz auch nicht erlaubt, das Amt eines Stadtverordneten abzulehnen, wenn nicht gesetzlich bestimmte Entschuldigungsgründe vorhanden sind — wie würden Sie auffahren? Halt, würde man Ihnen zurufen, Sie müssen gar nicht so lüstern nach der Ehre, Landstände mitzuwählen , sein, Sie sind ja ein demokratischer Schriftsteller! Da würden Sie gewiß die Hand ballen, und rufen: Menschen, nach dieser winzigen Ehre bin ich nicht lüstern, aber ein so schmählicher Ausschluß, eine so grundlose Zurücksetzung, ein solcher Widerspruch, die schwersten Pflichten eines Amtes mir aufzubürden, und bei so einem Nichts mich für moralisch unfähig zu erklären — das ist es, was den Grimm im Herzen mir erweckt, und bei Lichte besehen, zürneich nicht wider Euch, sondern für Euch, denn sollte Euch Nichts daran gelegen sein, solcherlei Dinge los zu werden! So würde gewiß Herr Gutzkow sprechen, und jetzt sage ich es zu ihm. Ich balle dabei aber nicht die Hände, sondern reiche sie freundlich mit dem Wunsche dar, Herr Dr. Karl Gutzkow möge nicht mehr ungerecht gegen die Juden sein, denn er braucht es nicht. Magdeburg, 8. September. (Privatmitth.) Lortzing, ein sehr liebenswürdiger und achtungswerther Komponist, ist Schauspieler in Leipzig. Mendelssohn-Bartholdy, ein Christ, aber dessen Großvater bekanntlich ein Jude war, und Meyerbeer, ein Jude, sind nach Berlin berufen worden, um dort musikalische Stühle zu besetzen. Ein Freund Lortzing's, Robert Heller, der Redakt. der „Rosen," ist sehr erboßt, daß nicht auch Lortzing nach Berlin berufen worden. Daß er dies letztere wünscht, wer wird es ihm verargen, denn Lortzing hat Verdienste. Wen beschuldigt aber nun Herr R. H., die beiden genannten M. nach Berlin gebracht zu haben? Zwar „verdienen sie diese Hochschätzung ihrer großartigen Genialität wegen im vollsten Maße," wie Herr R. H. selbst sagt — aber er beginnt doch seine Jeremiade folgendermaßen: „Lortzings Kompositionen haben den einzigen Fehler, daß sie von keinem Juden herrühren. Wir dürfen uns nicht verhehlen, was längst eine ausgemachte Thatsache ist, daß gegenwärtig in der Literatur und Kunst nichts so sehr empfiehlt und vorwärts bringt, als die hebräische Abkunft." — „Des Juden,> der mit irgend einer Leistung öffentlich hervortritt, Lob verkündet man allerorts, die merkwürdige Thätigkeit und Energie jener Nationalität sorgt für Notizen und Hindcutungen in allen möglichen Journalen-sie reißen auch die übrigen Bestandtheile der Gesellschaft mit fort ff." Der Verfasser will selbst die Juden dafür rechtfertigen, er sagt: „Die Juden thun ganz recht, so zu verfahren. Wir haben sie in allen Fächern

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