Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1841)
- Date
- 1841-09-18
- Page
- Seite 539 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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539 als ein geistiger Fortschritt zu betrachtende Neuerung, die weder durch ein Gesetz noch durch einen auf einer andern preußischen Universität herrschenden Gebrauch gerechtfertigt wird, zuzuschreiben sei. (A. Z.) (liebet den letzt erwähnten Gegenstand haben wir früher schon das Weitere berichtet. Red.) Deutschland. Magdeburg, 5. September. (Privatmitth.) In Nr. 34. theilten wir einen Auszug aus Steinheim's Bemerkungen über Dr. K. G.'s Recension der Meditationen u. s. w. Steinheim's mit, indem wir denselben in einigen einleitenden Worten ihren Standpunkt anzuweisen suchten. Diese, so wie über« Haupt unsre frühere Besprechung der Recension vr. K. G.'s veranlaßten nun den letztern, im Telegraphen für Deutschland Nr. 134 u. ff. sich selbst über die gedachte Recension zu erpektoriren. Wir können mit dem Tone, den er hier anschlägt, nur zufrieden sein, und wenn er sich darin alles Judenhasses frei spricht, „seit zehn Jahren für die bürgerliche Gleichstellung in der Hauptsache geschrieben" haben will — nun, so wollen wir dies mit Vergnügen annehmen, um einmal mit dem Vergangnen zu Ende zu kommen. Was er wider uns Persönliches ausspricht, in wie weit er noch immer unsre Tendenz und Bestrebung verkennt, lassen wir um so eher auf sich beruhen, da allerdings bei näherer Prüfung G.'s Ansichten und Zwecke auf dem Gebiete des Positiv-Religiösen sehr von den unseren verschieden sind, so daß eine Uebereinstimmung nicht zu erzielen ist. Nur einige Aussprüche' G.'s mögen beleuchtet werden. Gutzkow beginnt: „Die Sache der Juden gegen den christlichen Staat ist ein Prozeß. Wenn nun bekanntlich die Streitschriften zweier Parteien am passendsten nicht von den Betheiligten selbst geschrieben werden, so glaub' ich wenigstens von Seiten der Juden bemerkt zu haben, daß auch sie mit eigner Feder ihre Sache nicht immer am besten führen. Die unparteiische dritte Klasse, aus der sie die Anwälde ihrer Ansprüche wählen sollten ist ohne Frage diejenige philosophische und literarische Fraktion unsrer Tage, die sich von den gegebenen Bedingungen eines speziellen, politischen oder kirchlichen Glaubensbekenntnisses losgesagt hat, und in einer Restauration der Vernunft und Billigkeit gegen die Unbill der Geschichte ihre Ehre findet." Es ist dies eine Tirade, und weiter Nichts. Denn warum sollten wir nicht unsre eigene Sache führen? Sollten wir Anwälde, wie es sich geziemt, besolden? Und die Anwälde, welche uns G. vorschlägt, was haben diese in irgend einer praktischen Frage genützt, bewirkt? Preßfreiheit, Nachdruck, Verfassung ff. konnten sie diese zu einem Ziele führen, da sie doch in diesen Fragen aufrichtig sind — wie nun erst, wo sie nicht aufrichtig wären, wie in der Judensache? Denn nehmt doch ein Zeitblatt des letztenDecenniums zur Hand, und erweiset, daß es in unsrer Angelegenheit nicht zweideutig geblieben! Nein, wir sind keine Kinder, die mit sich spielen lassen. Auch sind wir Juden schon viel weiter gerückt in unseren Forderungen, als jene Anwälde uns zugestehen wollen. Die Fraktion, die K. G. oben bezeichnet, will die Aufgabe aller positiven Gestaltung unsrer Konfession, und dafür will sie uns eine beschränkte bürgerliche Gleichstellung geben, von der jedoch alle Staatsbeamtenstellen ausgenommen werden sollen. Mein Lieber! da sind unsre anderweitigen Gegner viel aufrichtiger, die sagen: werdet Christen, und ihr sollt sein, wie wir. — Und warum sollte der Mann seine Sache nicht selbst führen? warum sollte er seine eigenen Kräfte nicht an seine eigene Sache setzen? Und gesetzt, er thäte im Eifer für sein Recht einen Schritt zu viel, ist doch selbst der kleinste Schritt viel ehrenvoller und erhebendem Bewußtseins, den zu erreichen man selbst gestritten, als daß man sich von Anderen sortpoussiren ließe? Ueberhaupt, es sind allwege nicht die Einzelnen, sondern der Geist der Allgemeinheit, wodurch man in den Fragen der Zeit vorwärts kömmt — und oft ist es gut, das Aeußerste zu verlangen, um Etwas zu bekommen. In anderm Falle hätten wir wahrscheinlich gar Nichts erreicht. In der jüngsten Zeit hat man z. B. wiederholt behauptet, Rießer hätte wegen seiner Heftigkeit den Juden mehr geschadet, als genützt. Das ist nicht wahr/und wir wollen uns vor dieser Meinung wahren.^ Durch Nichts ward Sachsen, wird Hannover nicht vermocht, einige Schritte wenigstens zu thun. Denn wenn die allgemeine Tendenz nach vorwärts ist, wenn die öffentliche Vernunft, (die aber just nicht in den Zeitblättern steckt,) überwiegend ein Zugeständniß verlangt, so folgen selbst die Langsamsten nach. Gerade weil die Beweise für