Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1841)
- Date
- 1841-09-11
- Page
- Seite 530 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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530 F. Als sie den Buben nach Haus gebracht, was hat der Vater zu ihme gesagt, und wie ists dem Buben ergangen? erzähle Alles mit wahren Umständen, und thue keinem Menschen Unrecht? A. Wie sie ihn gebracht bin ich auch hinauf gangen; sagt der Vater: Warum bist du entloffen! und hast wollen Christ werden? der Bub sagte nichts;! da hat er ihn geschlagen daß ihm das Blut auf die! Hand gespritzt, alsdann sagte ein anderer Jud-, er! sollte ihn in die Kammer einsperren und nichts als j Wasser und Brod geben.! F. Was ist damahls weiter geschehen? > A. Nachdem der Jud weggegangen, hat der i Vater ihn mit einer Scheite Holz geschlagen, daß er > auf dem Rücken blau gewesen; alsdann kamen Ju-! den zusammengeloffen, und fragten, warum er ihn i schlagen thäte; sagte er, weil er ein Christ hät wer-! den wollen; daraus sagten sie: schlag nur fort; ist! kein Schlag verloren. Die Stiefmutter wäre nicht! zu Haus sondern die Köchin. F. Wie heißt die Köchin mit Namen? A. Weiß nicht wie die Köchin heißt, wann ich sie sehete,' würde ich sie wohl kennen. F. Was hast du weiter von diesem Simele des Lazar Sohn gehört? A. Sonsten habe ich weiter darnach nichts gehört? F. Hast du auch gehört, daß er hätte wollen ein Christ werden? und von weme? A. Non seinem Vater selbsten habe gehört, daß er hat wollen Christ werden. F. Hast du dann gesehen, wie der Vater den Buben den Rücken geschlagen, aus was Weis ist dieses geschehen? A. Der Rücken war ganz blau gewesen, ich habe gesehen, wie er ihn bei der Hand gehalten, und immer geschlagen. F. Was weißt du vom Juden Kröß? A. Das Kröß hat der Simele niemahls annehmen wollen. Alles dieses, erklärte dieses abgehörte Mädchen, könne und wolle sie dem Lazar Abeles ins Gesicht sagen. Von einer CoDfrontation desselben mit dem besagten Mädchen erwarteten daher die Untersuchungskommissäre nicht wenig. Aber er erklärte: Gott sollte ihn strafen, wenn er das Mägdlein sein Lebtag gesehen; und obschon das Mädchen ihre früher zu Protokoll gegebene Aussagen ohne alle Scheu ihm ins Gesicht wiederhohlte, so blieb er immer bei seiner Antwort: Wenn das wahr ist, so soll mich der Teufel hohlen; Du leugst, sagte er zum Mädchen, wie ein unehrliches Kind. Mehre mit ihm noch weiter vorgenommene Examina führten eben so wenig als die frühern zu einem Geständniß oder sonst zu einem erheblichen Resultat. Er betheuerte immer unter Schwüren und Flüchen, daß er das ihm zur Last gelegte Verbrechen nicht begangen habe. In diesem Stadium der Untersuchung machte Lazar Abeles seinem Prozesse durch Selbstmord ein Ende. Ob dieser die Folge eines von bitterer Reue und Seelenpein gefolterten Gewissens, oder eines zur Verzweiflung gebrachten Gemüthes, das in dem drückenden Uebermaaß der Beschuldigungen nur einen höchst traurigen und schimpflichen Ausgang ahnte, gewesen ist, möchte wol schwer zu ermitteln gewesen sein, wiewol man damals, wie .es aus den Akten hervorgehet, schon in diesem Selbstmord eine Bestätigung seines begangenen Verbrechens erblickt hatte. Man fand ihn, nachdem man ihn des Abends zuvor mit Ketten an Händen und Füßen belastet, in den Thurm zurückgeführt hatte, am Morgen erdrosselt, indem er sich mit dem Bande, mit welchem die Juden sich zu umgürten pflegen, erhenkt hatte. Doch das traurige Schauspiel endete damit nicht; In gloriam Dei glaubte man, müsse die Sache weiter verfolgt werden, und an die Stelle des Lazar Abeles trat ein anderer tragischer Heros. . Die Untersuchung wurde fortgesetzt. Unter den in Verhaft befindlich gewesenen Personen wurde zuerst die Hennele Köchin examinirt, nachdem ihr zuvor bedeutet wurde, die Wahrheit zu reden, da ihr noch andere Personen conlrontirt werden würden. Diese bestätigte zwar Anfangs die Aussagen des Lazar, als man ihr aber mit der Tortur drohte, und nach verschiedentlichen Konfrontationen mit der Sara ff. war ihr Endverhör folgendes: - F. Was sagst du zu diesem, was. dir dieses Mägdl umständlich vorgehalten? A. Ja, es ist wahr, daß der Abeles den Buben geschlagen hat, und zu ihm gesagt: Warum hast du wollen Christ werden; ich weiß nicht, mit was er ihn geschlagen, er hat sehr geschrieen, seien