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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-11 · Heft 37 (11.9.1841) · p. Seite 529

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 37 (11.9.1841)
Date
1841-09-11
Page
Seite 529 (sequence 9)
Language
German
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529 ben nicht gesehen; der Kawka soll nacher Wien gereiset sein, indeme ihm ein guter Patron geschrieben hat, er solle hinkommen, er wolle ihm helfen; wer derselbe abe sei, weiß ich nicht." Ungeachtet dieser Aussage des Fante und der Confroutation der Handschuhmacherin, die die bereits oben angebrachten Umstände ihm ins Gesicht wiederhohlte und noch hinzufügte, daß ihr Mann es dem Abeles vorhergesagt hätte, daß der Knabe doch endlich entlaufen und Christ werden würde; er sollte nur den Buben lassen, massen er zuweilen wunderlich geredet und seine sonderliche Neigung zum christlichen Glauben, merklich habe verspüren lassen; und ungeachtet der Aussage des oben erwähnten Bürgers König der ebenfalls vor dem Lazar Abeles aussagte, daß der Zunge geschrieen hätte, als die Juden ihn aus des Kawka Haus geführt hätten, beharrte letzterer bei seiner zu Protokoll gegebenen Erklärung. Demnach das Examen mit ihm wie es in den Akten heißt pro rneliori ernenda verilate, sine connexione onius articuli cum altere weiter continuirt wurde. Allein auch diesmal blieb er bei völliger Negirung, daß der Knabe an der Frais gestorben, immer gllt und lieb gewesen, daß die Wunde am linken Schlaf davon herrühre, daß der Barbier ihm den krätzigen Grind vor drei Wochen weggeschoren. Zu allen andern ihm vorgehaltenen Kennzeichen der Gewalt hat er anders nicht geantwortet als: „Straf mich Gott, ich weiß nichts; keine Gewalt „ist ihm nicht geschehen, außer daß es die Fraiß „gewesen. Ganz übereinstimmend mit den Aussagen des Lazar Abeles waren auch die seiner in abgesonderter Haft befindlichen und separatim verhörten Hausgenossen nämlich seines Eheweibes Lea und seiner Köchin Hennele; aber auch diese Uibereinstimmung wurde einem lügnerischen Einverständniß zugeschrieben. Da aber aus dem Befunde der peritornm in arte und der andern erhobenen Indicien doch nichts weiter als nur Bermuthungen und Fraesnmtiones contra katrem et domesticos sive de actnali complicitate sive de scientia sich erhoben haben, diese aber als nicht snlticient zur Tortur erachtet wurden; überdieß aber auch befürchtet wurde daß durch eine frühzeitige Diktirung der Tortur der Weg zur Purgation und Abläugnung alles Frühren geöffnet und die ganze Inquisition ohne Effekt bleiben würde, so war man bemühet noch andere, besonders aber wo möglich, jüdische Zeugen aufzubringen, durch welche eine Confrontatiou in contradiclario und in Folge dessen ein Geständniß oder eine Uiberweisung erwirkt werden könnte. Wieder war es ein sehr verdächtiger Zeuge, der sich zur Aussage gegen Lazar Abeles bet einem zu dieser Inquisition deputirten. Eommiffarien meldete. Dieses war ein jüdisches Mägdelein Namens Sara Urest, gegen 13 Jahr alt, welches zum Unterrichte in der christlichen Lehre bei einer Christin sich aushielt und sich von freien Stücken bei dem CommissariuS meldete. Sie sagte aus: Frage. Wie alt bist du? und wie bist du so klein geblieben? Antwort. Sinder*) der Pest d. i. A. 1680. Meine Mutter ist auch so klein geweßt. F. Bist du in dem Hause gewesen, wo der Lazar Abeles gewohnt, bei weme? und wie lang? A. Bei David Stummes bin ich in Diensten und in diesem Hause gewesen ein viertel Jahr. F. Wo waren die Zimmer wo du gewohnt? A. Unter dem Lazar Abeles in einem Hause. F. Bist du auch im Haus gewesen, als der Simele des Lazar Sohn hinweggeloffen? A. Damahls wie der Bub weggeloffen bin ich dorten gewesen. F. Warum ist er hinweggeloffen? A. Von den Juden Hab ich gehört, daß er sich hat wollen taufen lassen. F. Wie lang ist er aussen geblieben? A. Etliche Tag ist der Bub ausgeblieben. F. Hat sein Vater um ihn sich bekümmert und um ihn geschickt? A. Der Vater hat überall geschicket, er hat gesagt, daß besser wäre, wann er lieber verrecket. F. Hast du dieses selbsten von ihme Lazar gehört? A. Das hat des Lazar Köchin erzählt. F. Was hat die Stiefmutter darzu gesagt? A. Die Stiefmutter hat nichts gesagt, sie hat ein Mädel mit ihme gehabt. F. Wie ist der Lazar innen worden wo sein Bub wäre? A. Ein Jud ist zu ihm kommen, der hat ihm gesagt von dem Buben. *) Das heißt „Seit." 37»

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