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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-11 · Heft 37 (11.9.1841) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 37 (11.9.1841)
Date
1841-09-11
Page
Seite 525 (sequence 5)
Language
German
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525 eines bethvrten Volkes geschah! Durch diese so hochgepriesene Freigebigkeit sind unberechenbare Uebel gekommen. Der Müssiggang ward begünstigt, und manche Familie hat ihren Untergang einzig dieser Freigebigkeit zuzuschreiben. — Der Familienvater, der von dem Wahne eingenommen ist, zu wallfahrten, verläßt unbekümmert seine Angehörigen und bleibt zuweilen Monate lang weg, ohne sie mit den unentbehrlichsten Subsistenz-Mitteln zu versorgen. — Die Chassidim machen gegen diese Vorstellung gewöhnlich die Einwendung, daß die Wallfahrt vom Rebbi nicht erzwungen wird; aber daß dieser Einwand grundlos ist, leuchtet wol einem jeden ein. Der Abergläubische benöthigt keinen andern Hebel als die allgemein verbreiteten Wundermahrchen, die seine Neugierde erregen, seine Heiligkeit zu sehen, zu sprechen und den Segen zu empfangen. Ja manche wollen behaupten, daß sogar das Gleichgiltigscheinen des Nebbi gegen das Wallfahrten als Nittel die Leute zu ködern gebraucht werde. Gegen diesen öffentlichen Betrug, der besonders in'Galizien haust, wird von Oben herab nichts gethan. Die Ursache liegt aber nicht an der Regierung, sondern vielmehr in der Gleichgiltigkeit derer, die diese Versahrungsweise als Betrug anerkennen wollen. Unbekümmert um das Wohl ihrer betrogenen Mitbrüdcr, freuen sie sich ihres besseren Wissens, und bespötteln den Wahn ihrer verleiteten Glaubensgenossen, -luf sie fällt vorzüglich die Schuld, daß ein großer Theil der dortigen Israeliten in einen so krassen; Aberglauben versunken sind. Hier glaubte man, daß mit dem Tode des Ujhelyr Rabbinen auch der Cyassij dismus untergcgangen sei, aber wie wir aus ungetrübten Quellen vernommen, soll die Gemeinde zu! lljhely dem Sterbenden zugesichert haben, dessen Dohn, der bereits seit mehreren Jahren in Galizien sein Unwesen mit nicht geringem Erfolge treibt, hin zu berufen. Was soll man hierzu sagen? Sollte dieses Gerücht der neuen Wahl nicht ungegründet sein, so steht eine Ueberhandnehmung des Ehassidismus zu befürchten, denn gewiß ist die bekannte Bitte des Elisa •'bx trria ’s rrm auch dem Sohne des Verblichenen gewährt worden, und jedes Neue hat unwiderstehlichen Reiz.- Aus Ungarn. (Privatmitth.) Ueber den Kulrurstand und die Bedürfnisse der ungarischen Israeliten sind vielfach so irrige Meinungen verbreitet, daß Berichtigung derselben für Viele ein Interesse geworden. Der größte Theil der im hiesigen Lande sich befindenden Gemeinden, ist, Pesth und Groß- Eanissa ausgenommen, so unbemittelt, daß, wenn unter den zahlreichen israelitischen Gemeinden, bei denen größtentheils die Parthei der Obscuranten, welche von dem Okts-Rabbinen prolegirt, in der Regel die herrschende ist, sich hie und da Einige finden, welche Sinn für etwas Besseres haben, und welche sowol in Betreff des Gottesdienstes als des Schulwesens, das Bedürfniß einer Reform recht innig empfinden, so sind deren Geldmittel durchgehends so beschränkt, daß, wenn nach mehrjährigem Kampfe, die an den meisten Orten Statt findende Opposition der Obscuranten von Seiten der Besscrdenkenden besiegt worden, die Reform aus Mangel an den hierzu erforderlichen Geldmitteln unterbleiben muß. Und an mehren Orten, wo es den unglaublichsten Anstrengungen der Gemeindemitglieder dennoch gelang, eine Schule ins Leben zu rufen, ist sie nach einem Bestände von 2 oder 3 Jahren, aus Mangel an Einigkeit der entgegengesetzten Parteien, oder aus Mangel an hinlänglichen Beiträgen, entweder bereits ausgelvset, oder der Auflösung sehr nahe. Eine wirkliche Predigerstelle findet nur in Pesth Statt, welche so zu sagen doppelt besetzt ist, indem der hiesige Rabbine abwechselnd mit dem hiesigen Prediger und oftmals, wie man allgemein behauptet, besser als dieser predigt. In Groß - Eanissa ist jetzt Herr Löw ausgenommen, welcher das Amt eines Rabbinen und Predigers in einer Person vereinigt. Lehrcrstellcn an den Schulen, außer Pesth und Eanissa, werden mit 200 bis 300 Guld. Münze, also höchstens 260 Thlr. Preußisch salarirt, wobei der Lehrer sich aus eigenen Mitteln zu beköstigen hat; die besten Hauslehrersiellen mit 250 Guld. Münze, also ca. 160 Thlr. Pr., und sowol bei jenen als besonders auch bei diesen Stellen, bleibt einem, an gebildeten Umgang und liebevolle Behandlung gewöhnten Menschen, so viel zu wünschen übrig, daß er in Ungarn nichtssehnlicher wünschen kann, als außerhalb Ungarn einen paffenden Wirkungskreis zu finden. Ich werde Gelegenheit haben, später durch Fakta zu belegen, was ich Ihnen heute generalisire.

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