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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-04 · Heft 36 (4.9.1841) · p. Seite 513

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 36 (4.9.1841)
Date
1841-09-04
Page
Seite 513 (sequence 9)
Language
German
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513 damit die morgenländische Welt bezwang. Allerdings blieb Mohamed der strengen Einigkeitslehre getreuer, aber er umgab sie, dem Charakter der morgenländischcn Völker angemessen, mit solchem üppigen, unlogischen und grotesken Phantasiespiel, daß die Wahrheit darunter begraben ward. Ebenso behielt er volksthümlich-israelitische Elemente nach Willkür bei, beschränkte sie auf der einen, erweiterte sie auf der andern Seite, wie Beschneidung, Speisegesetze, worunter er z. B. den Wein brachte ff. Jedennoch aber machte er dem Götzendienste im Morgenlande ein Ende, und eröffnete vielen moralischen und sozialen Elementen der israelitischen Offenbarung den Weg in eine große Versammlung von Völkern. . Gerade während dieser Emanationen der israelitischen Lehre, denen, weil die letztere von ihnen nicht vollständig aufgefaßt, sondern eigenthümlich modisizirt wurde, diese immer in Opposition verbleiben mußte, ward die zweite große Phase der israelitischen Religion ausgebildet, der Rabbinismus, um eine so feste Schale um die israelitische Lehre selbst zu bilden, daß in derselben diese sicher bewahrt bleibe. Gerade je härter, inkrustirter diese Schale ward, desto unverletzter mußte die israelitische Lehre sich darin erhalten. Während nun der Muhamedanismus nach kurzer Geistesblüthe dem faktisch-historischen, äußern Entwickelungsgang verfiel, machten die Völker des Christenthums einen mannigfaltigen Bildungsprozcß durch, der sich in Kunst und Wissenschaft entfaltete. Je mehr aber, die Wissenschaft die Herrschaft sich errang, desto zwiespältiger trat die Wissenschaft dem Christenthum.gegenüber, und es entspannen sich die bedeutendsten Kampfe, deren Ende noch lange nicht abzusehen ist, da die einmaligen Urelemente des Christenthums der Wissenschaft entgegenstehen, aber zu tief in ihm liegen, um von dieser schon überwunden zu werden. Mitten zwischen beiden bestand das Judenthum, am-Leben beider Theil nehmend, und doch einen eigenthümlichen Weg durchwandelnd; denn während es in den ersten Zeiten mit großer- Regsamkeit den wissenschaftlichen Geist in sich förderte, so lange dieser mit der Offenbarung und deren Konsequenzen noch nicht in Zwiespalt getreten war: so geschah es doch, daß, als die aus dem klassischen Alterthum quillende Wissenschaft sich über die Offenbarungslchre in ihrer bestehenden äußern Gestalt erhob und ihren Kampf begann, das Judenthum sich gänzlich abschloß, um in seiner Abgeschlossenheit zu harren, bis dieser Streit sich abgeklärt haben würde r und die Wissenschaft zu reellen Resultaten gelangt wäre. Die Zeit kam. Das Mittelalter brach zusammen, seine Formen verfielen, und die Humanität drang durch den ganzen Körper der abendländischen Gesellschaft. Da öffnete auch das Judenthum seine Pforten und Fenster, und der Kag in seinen hellen, oft auch grellen Farben brach in das alterthümliche Gebäude ein. Schneller, als es Jemand nur ahnen konnte, aber im Grunde natürlich, weil die Juden innerhalb ihres Rabbinismus, wenn auch engumschriebener, aber doch bewegter geistiger Thätigkeit immerfort gelebt hatten, schlugen Kunst und Wissenschaften Sitze unter den Juden, und bald auch im Judenthum auf, und bedeutende Wirkungen konnten nicht ausbleiben. Diese insonders zu begreifen und ins Licht zu stellen, so weit dies jetzt schon möglich ist, ist unser nächster Zweck. In diesem Augenblick aber nur die Betrachtung istr äußern Stellung des Judenthums hierbei. Es sind also Emanationen des Judenthums hervorgegangen, welche Abend - und Morgenland mit bedeutsamen Theilen der israelitischen Offenbarung durchdrangen, jedennoch aber gerade die wescnhasten Elemente derselben nicht in ihrem wahren Charakter, nicht in ihrer vollständigen Reinheit und göttlichen Wahrhaftigkeit überlieferten. Darum steht das Judenthum ihnen gegenüber, und muß seinen Platz behaupten. Darum kann es nicht weichen, so lange die ganze ihm von Mott selbst überlieferte Wahrheit nicht anerkannt ist aller Orten. Sind nun aus dieser Opposition große materielle Nachtheile für die Bekenner des Judenthums hervorgegangen, so konnten wir uns denen im Interesse unsrer welthistorischen, menschengeschlechtlichen, und der Gottheit selbst entflossenen Bestimmung nicht entziehen. So weit diese noch jetzt vorhanden sind, so weit müssen wir sie noch jetzt tragen. Daß aber bei veränderten Umständen veränderte Waffen gegen uns gebraucht werden, ist natürlich, und muß uns nicht irre machen. Wohl dem, der nicht blos in seinem Leben um sein individuelles Leben zu kämpfen hat, sondern noch um eine höhere Aufgabe lösen zu helfen! Wie begeisternd muß dies in Jeder- 36*

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