Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1841)
- Date
- 1841-09-04
- Page
- Seite 510 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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510 ' Choral (IX) gehört dem Vorsteher Herrn Mankiewitz an, dessen Kenntnisse auch außerdem Anerkennung verdienen. Außer der gottesdienstlichen Feier, hatte die Gemeinde, die bereits durch Aufführung ihres Tempels eine Summe von 3—4000 Lhalern verwendet hatte, auch noch den folgenden Lag alle jüdische Arme und überdieß 42 christliche Dürftige öffentlich gespeist, so wie sie auch ihre Freude über ihr erreichtes Ziel durch ein gemeinsames frohes Mahl und einen Ball im neuen Schauspielhaus zu erkennen gab. 8—r. Oesterreich. Ketschkemet (Ungarn) 9. Aug. . (Eingesandt.) Ein Land wie Ungarn, wo ein Gemisch von Sprachen und Sitten kaum das vorherrschende Element erkennen laßt; ein Land wie Ungarn, das 5 Volksstämme und 4 Religionsparteien in sich ausgenommen; ein Land wie Ungarn, wo die Völkerwanderung gleichsam frisch gezeichnet selbst vor des Kurzsichtigsten Auge steht: bietet, wie leicht sich denken laßt, große Abstufungen und Verschiedenheiten im materiellen sowol, als im geistigen Leben, gibt dem Beobachter Stoff zum Nachdenken über die Liefen und Untiefen des menschlichen Herzens, und gibt Aufschluß, und laßt als möglich erscheinen, was wir sonst für unmöglich gehalten haben. Was hier von Ungarn im Allgemeinen gesagt ist, gilt im Einzelnen, und zwar in jedem Punkte außer daß der größte Theil durch einen eleyden polnisch-deutschen Jargon sich einander verständlich macht, von unfern Glaubensgenossen. Wir gehen daher ohne weitere Argumentation aus das jüdische Interesse über, betrachten von wem, und wie es gehandhabt wird, und werden leicht daraus kommen, wie wenig die Bildung bei unfern Glaubensgenossen hier zu Lande allgemeines Gut ist, noch vor der Hand durch die hie und da angewandten Mittel zu werden scheint; dabei aber auch nicht anstchen das Verkehrte und Zweckwidrige hervorzuheben, und, weit entfernt von einem persönlichen Angriffe, nur auf den rechten Weg hinzuweiscn. Sitte und Bildung werden nach den Begriffen und Vorstellungen geformt und umgestaltet, geläutert und gehoben, gcreiniget und gestärkt, dabei übt die Religion einen nicht unwesentlichen Einfluß. Die Religion ists, die rein aufgefaßt, Schönes und Nützliches schafft, mißverstanden hingegen Verkehrtheit und Naturwidriges gebiert; die Religion wars und ists, die oft als Aushängeschild gebraucht wurde 'und gebraucht wird zur Förderung von Gutem und Bösem, Rechtlichem und Unrechtlichem. Mißbraucht oder erkennt der Neligionsvorgesetzte nicht seine Obliegenheiten, entstehen Wirren und entspringen leicht daraus die größten Uebel, wie wir das Beispiel leider nur zu deutlich vor Augen haben. Die Gemeinde zu Ketschkemet, die ungefähr 80 Familien zählt, hat durch die Bemühungen der Herren Helzinger, Gebrüder Schweiger und des praktischen Arztes Mühlhofer eine Schule errichtet, an welcher 3 Lehrer arbeiten. Die Gemeinde hat den besten Willen und scheuet keine Opfer, und da in ihrer Mitte Wenige sind, die Zeit haben und das Schulfach tüchtig verstehen, um Aufsicht über die Schule zu haben, überließ sie Alles der Anordnung des Herrn Ascher, der nichts weniger als das Schulfach versteht, die Lehrer schikanirt, und durch seine immerwährenden verkehrten Anordnungen lächerlich macht. Die Forderungen, die Herr Ascher an den Lehrer stellt sind: 8 Stunden des Tags zu unterrichten; Morgens und Abends die Synagoge zu besuchen; die Kinder nicht mit unbedecktem Haupte, auch außer dem Bibelunterrichte, in der Schule sitzen zu lassen; die Lehrer dürfen nicht mit unbedecktem Haupte vortragen, auch sind die Lehrer gehalten in der Synagoge strenIk Aufsicht zu hglren, wo ich unter andern Lächerlichkeiten nur die erwähne, daß auch jedes Kind beim Abendgebet ausspucke. Den Lehrplan, den ebenfalls Herr Ascher entworfen, will ich unberührt lassen, weil die Ungereimtheiten aufzuzählen hier zu wenig Ichum wäre. Zeigt ein Lehrer dem Herrn Ascher nicht eine Miene voller Unterwürfigkeit, liest er ihm derb den Text und das in Gegenwart der Schüler. Den Araber Rabbinen Herrn Chorin hat er unlängst in der Schule als einen Vimm vwiv bezeichnet, um den Kindern einen Beweis seiner Frömmigkeit zu liefern. Und warum versuchet Herr Ascher also? Warum thut er dieses Alles? Um, kurz zu sagen, sich in den Ruf der Frömmigkeit zu bringen. Herr Ascher nämlich, der vor kurzer'Zeit auf 3 Iahte dahier als Religionslehrer und Prediger ausgenommen wurde, hat eine orthodoxe Partei gegen sich, weil sie an sei-