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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-04 · Heft 36 (4.9.1841) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 36 (4.9.1841)
Date
1841-09-04
Page
Seite 508 (sequence 4)
Language
German
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508 1839 nicht mehr. als fünf, aus dem Jahr 1840 nicht mehr als vier Recipirte); und so ist es gegenwärtig dahin gekommen, daß, wie oben angegeben, es selbst unter den christlichen Kaufleuten bedeutend mehr nicht -recipirte als recipirte gibt. Daß ein so isolirter und dem Korporativnszwecke völlig entfremdender Zustand weder der Kaufmannschaft, noch dem einzelnen Kaufmann, noch der Vaterstadt, noch dem Vaterlande zu Ehr' und Frommen gereiche, sieht Jeder leicht; und eben so leicht, daß ein solcher Zustand für die Dauer nicht bestehen könne. Freilich bildet das alte Herkommen und das verbriefte Statut scheinbar eine Schutzmauer, und auf dasselbe gestützt hat die Kaufmannschaft seit Jahren den wohlmeinendsten und eindringlichsten Vorschlägen der Regierung hartnäckigen Widerstand geleistet. Es liegt eine erst im vorigen Jahre von der Breslauer Regierung an mehre hiesige jüdische Kaufleute in Betreff der Recipirung an die Börse erlassene Zuschrift vor, in der das tiefste Bedauern dieser hohen Behörde ausgedrückt wird, daß alle ihre Mühe, „bei der hiesigen Kaufmannschaft eine Veränderung in ihrer Verfassung herbeizusühren, mittels welcher auch den achtbaren Handlungshäusern jüdischen Bekenntnisses eine der Bedeutung ihres merkantilischen Gewichts entsprechende Wirksamkeit gesichert werde, vergeblich gewesen sei; man bestehe mit Bestimmtheit auf die bisherige Gestaltung der Zustände, ohne ihren (der hochpreislichen Regierung) Vorstellungen und zweckdienlichen Vorschlägen Eingang zu gestatten rc." So war der Stand der Dinge noch im vorigen Jahre, und ein betrübender Beweis, daß er auch'in diesem Jahr unverändert geblieben, ist die neulich geschehene Ausschließung der Juden von der Theilnahme an den Empfangsfeierlichkeiten. Allein, was bisher den gerechten Wünschen der Juden und den weisen Vorstellungen der Regierung gegenüber sich . starr und unbeugsam bewahrt hat, das kann und wird die Nähe unsers allgeliebten Landesvaters sicherlich nicht ertragen. Das Licht und die Wärme, die von der Majestät unsers erlauchten Königs ausstrahlen, werden auch hier die Finsterniß erhellen und die Starrheit verjährter Misstände durchbrechen. So wie die Kaufmannschaft zur Zeit beschaffen ist: eine Korporation,* die durch eigne Schuld keine Korporation ist, eine Kaufmannsverbindung, die es nicht verschmäht, an die Stelle kaufmännischer Interessen die einer Ressource treten zu lassen, lediglich um nur nicht Juden in sich aufnehmen zu müssen; in einem solchen Zustande könnte die Kaufmannschaft nicht ohne Bangen und innere Beschämung hintreten vor das Antlitz eines Fürsten, der in feierlicher Stunde das trostreiche Wort .zu den Vertretern einer Judengemeinde sprach: „Glauben Sie mir, ich bin kein Freund mittelalteriger Vorurtheile." Nur wenn die Kaufmannschaft, ehe der König unfern Mauern naht, die willkürlich gezogene Schranke zwischen christlichen und jüdischen Kaufleuten für immer beseitigt und der Börse ihre wahre Bestimmung gegeben hat, darf sie als wirkliche, lehenssrische Kor, poration sich den übrigen Korporationen anreihen. So lange jene Schranke besteht und die Börse nur ein Ressourcenlokal ist, erscheint die Kaufmannschaft als ein isolirtes Drittheilchen sämmtlicher Kaufleute, als eine bloße Kaufmanns-Ressourcengesellschaft, und ist so zur Vertretung der Gesammtheit der Breslauer Kaufleute nicht geeignet. — Indem wir dies schreiben, erfahren wir, daß die Kaufmannschaft beschlossen hat, zwölf jüdische Kaufleute (freilich nur nach eigner Auswahl und als Gäste) zur Theilnahme an den Empfangsfeierlichkeiten einzuladen. Freuen wir uns dieses ersten Sieges des Rechts über das Unrecht in dieser Angelegenheit, aber hoffen wir auch, daß er nicht der letzte sein und daß die Kaufmannschaft bald unverkürzt erfüllen werde,^ was, nächst der Ehrfurcht vor der großherzigen Gesinnung unsers Königs, die Pflicht gegen ehrenhafte Standesgenoffen und Mitbürger und die Würde der eignen Korporation ihr gleich dringend gebietet." —. Fragen wir uns aufrichtig, welche kann wol die Ursache sein, die die Quasi-Kaufmanns-Aeltesten zu einer solchen Ausschließung vermögen konnte — so ist es unmöglich der bloße Religionshaß: dtnn wir wollen es zur Ehre jener Männer nicht annehmen, daß sie eine unsrer Zeit, ihrer eignen Religion, und allem männlichen Charakter zuwider laufende Leidenschaft in ihrer Brust hegen sollen, chaß sie hassen sollen, die sie als Menschenbrüder lieben sollen. Auch kann es kein Vorurtheil sein: denn die Herren haben wol die Augen nicht so sehr verschlossen, um nicht zu sehen, daß die Mehrzahl der jüdischen Kaufherren Breslau's an Bildung, Humanität, Sitte, Realität ihnen ganz gleich steht. Man kann es wol auch jeden Tag sehen, daß, wenn

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