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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-28 · Heft 35 (28.8.1841) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 35 (28.8.1841)
Date
1841-08-28
Page
Seite 501 (sequence 9)
Language
German
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501 liegen mußte, wie die, ein großes oder kleines Geschöpf, die Stimmen und das Gehör der belebten Wesen, das Brausen des Sturmes oder den Donner der Wolken zu schaffen. Nur das Eine ist hier zu berücksichtigen, daß der Modus der Offenbarung durchaus dem Wesen Gottes nicht widersprechen darf. Dann erst ist sie unmöglich. Die an Israel geschehene Offenbarung, laut ihren Berichten, thut dies aber in keinem Stücke. Immer wird warnend Israel in die Erinnerung gerufen: „So hütet euch wohl für eure Seelen, denn ihr habet keine Gestalt gesehen des Tages, da der Ewige zu euch redete auf Horeb aus dem Feuer ff." (» Mos. 4, 15.). Es werden stets nur äußere lokale Naturgegenstände zu der Manifestation Gottes verwendet, durch die auch sonst Gott wirkt und schafft, oder die Entwickelung geschiehet innerhalb des menschlichen Geistes selbst, dessen Jntensivetät sich gesteigert. Ueberschauen wir nun den gesammten Gang der Menschheit, so bemerken wir anfangs Israel mit seiner Gotteserkenntniß ganz isolirt, im Kampfe mit kleinen Völkern, an denen es nur kampfend in Thätigkeit und Frische sich erhielt, durch den Gang der Ereignisse aber immer mehr aus seiner Jsolirung hervortretend — jedoch so, daß aus dem Jdeenkreise Israel's immer mehre Partien in die allgemeine Menschenwelt übergingen, ohne daß Israel selbst darum jene verlor, sondern indem es, seinen bestimmten Kreis sesthaltend, zugleich in und aus sich selbst neue Phasen seines Geistes schuf, welche Phasen eben nur den Zweck hatten, sein geistiges Eigenthum zu sichern. So wurde Israel durch das babylonische Exil^dcr allgemeinen Welt sich bewußt, und lernte über die Berge Iudäa's schauen. Aber sofort sicherten Esra's und Nehemia's Bemühungen und die ganze Richtung des Volkes durch Verkörperung und Konsolidirung der gottesdienstlichen Institutionen Israel's geistige Habe. lSchluß folgt.) Belletristik. Der Irren- Arzt. (Eine Anekdote.) In der Hauptstadt eines kleinen deutschen Staates lebte ein Arzt, zwar arm und unbekannt, aber reich an Erfahrungen und Kenntnissen, voll glühenden Eifers für seine Kunst und bescheiden in seinem Wirken. Der Doktor Salomon, wie der Ehrenmann hieß, widmete sein Forschen und Leben den Krankheiten der Seele insbesondere, der geheimnißreichen Organisation der menschlichen Vernunft waren seine Bemühungen geweiht. Mit wenigem Vermögen that er Viel Gutes; die Armen segneten ihn, die Reichen ehrten ihn, und wenn er nicht Jude gewesen, würde er Ober-Arzt der Irrenanstalt gewor-! den sein, welche der Staat unterhielt. An einem Herbstabende erging sich unser Doktor in den Alleen, welche die Hauptstadt umgaben, als eine einfach gekleidete Dame ihn begrüßte, und indem sie durch ihre Manieren verriet!), daß sie der hohem Gesellschaft angehöre, ihn zögernd ersuchte, sie nach Hause zu geleiten; sie hatte unbemerkt ihre Begleitung aus dem Gesicht verloren, und sei nicht im Stande sich nach Haus zu finden. Der Doktor reichte ihr zuvorkommend seinen Arm, und nachdem ihm die Dame ihre Wohnung, als auf dem Schlvßplatz gelegen, bezeichnet hatte, führte er sie unter geistreicher und lebhafter Unterhaltung, die den weiten Weg und das schlechte Wetter weniger fühlbar machte, nach dem Hotel, an dessen Thür die Dame so dringend ihren Begleiter ersuchte die wenigen Abendstunden noch bei einer Tasse Thee in ihrer Gesellschaft zu verplaudern, daß er darauf wol einging, zumal der Weg nach seinem Hause noch entfernt war und er sich nothwendigerweife die Kleidung trocknen mußte. Das Hotel war bedeutend und zeigte großen Reichthum; mehrere Diener beeilten sich beim Eintritt den Weg durch viele prächtig meublirte Zimmer zu erleuchten, und der Doktor erhielt in einem derselben an einem wohlerwarmten und verzierten Ofen seinen Platz, wahrend die Dame verschwand, um ihre Toilette zu andern. Unser Doktor' machte es sich in einem großen Armstuhl am Feuer bequem, und begann behaglich 35*

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