Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1841)
- Date
- 1841-08-28
- Page
- Seite 500 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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500 ctn göttliches Wesen als Modalität Gottes angenommen oder gedacht wird: so ist die Einheit, und Einigkeit Gottes aufgehoben, und damit aus dem Bereiche unsres Bekenntnisses herausgeschritten. Hierüber heißt es 5 Mos. 13, 2: „So ein Prophet oder Träumer unter euch aufsteht, und dir ein Zeichen oder Wunder giebt, und das Zeichen oder Wunder trifft ein, das er dir gesagt, er spricht aber dabei: Lasset uns anderen Göttern nachgehen, (die du nicht kennst,) und ihnen dienen — so höre nicht auf die Worte selbiges Propheten oder selbiges Träumers; denn der Ewige euer Gott versuchet euch, zu zeigen, ob ihr den Ewigen euren Gott liebet mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele., Dem Ewigen eurem Gotte sollet ihr nachgehen, ihn fürchten, und seine Gebote halten, und seiner Stimme gehorchen, und ihm dienen, und an ihm hangen." Dieser Gott Jsrael's ist aber nur der einige Gott, den Israel kennet und anerkennet seit Abram's Zeiten. Mit der Einigkeit Gottes ist aber wesentlich aller reiner Begriff Gottes verbunden, der .sofort getrübt wird, sobald jene verändert wird. Denn indem die Einigkeit des göttlichen Wesens verlassen wird, bleibt auch die reine Geistigkeit Gottes nicht begründet, und mit der Vermischung des göttlichen Wesens mit der stofflichen Welt ist die ganze Auffassung der Gottheit 'ein Spiel der Phantasie geworden, der alle Begründung der Erkenntniß fehlt, und die sich in der Seele zu einem nebulirenden, vielgestaltigen Wesen macht, aller Orten anders. Mag man nun dieses Treiben auch mit dem Worte „Glauben" verschönern wollen, es ist eitel Phantasiespiel, dem, nach den verschiedenen Graden der Erhitzung, von den erkünstelten Verrenkungen der Rationalisten bis zu dem wollüstigen Gotte der Mucker ein weiter Spielraum eröffnet ist. Kurz, sobald die Einigkeit Gottes nicht in ihrer ganzen Strenge festgehalten wird, fehlt alle wahrhafte Basis, um zu einer reinen und sichern Anschauung Gottes zu kommen. Neben der Einigkeit ist aber das zweite wesentliche Moment der israelitischen Religion: die Unmittelbarkeit Gottes. Ich nenne so die göttliche Offenbarung, weil dieses letzte Wort den Gegenstand nur einseitig bezeichnet. Denn die Offenbarung der Gottheit enthält nicht blos die Aussprache, daß die Lehre vom einigen Gotte au Israel aus diesem selbst erflossen ist, sondern sie setzt hiermit auch ein unmittelbares Verhältniß zwischen Gott und Menschen fest,, eine Erkenntniß, die eben so viel werth ist, als der Inhalt der Lehre selbst, 'weil sie diesen erst wahrhaft bekräftigt. Der gedachte Gott bleibt für den Menschen immer derselbe, was er für Thier, Pflanze, Stein ist, die bloße Schöpferkraft, die hinter der Materie sitzt und ihr Gestaltung giebt. Der geoffenbarte Gott aber zieht den Menschen dicht an sich heran, und macht ihn zu einem eigenthümlichen Gefäß des göttlichen Wesens selbst. Der Mensch bleibt' nicht blos Geschöpf, sondern wird selbstständiges Wesen, auf das Gott noch ganz anders influirt, als auf ein bloßes Werk, nämlich als Geist auf den Geist. Durch das bloße Dasein bleibt dxr menschliche Geist noch ein sehr fragliches Ding, durch die göttliche Offenbarung aber, wird er als Geist anerkannt. Hieraus wird man einsehen, daß es für die heilige Schrift Nothwendigkeit war, zu allererst den Geist des Menschen als einen „Odem Gottes" zu setzen. (1 Mos. 2, 7.) War hiermit der Mensch schon unmittelbareres Geschöpf Gottes, so wurde er durch die göttliche Offenbarung in völlige Unmittelbarkeit mit Gott gebracht. Die anderen Geschöpfe läßt Gott existiren vermittelst der Gesetze der Natur, den Menschen aber hat er unmittelbar seine eigene Idee als Basis seiner weitern Existenz imputirt. Diese Unmittelbarkeit des Menschen mit Gott wird auch durch den Inhalt der Offenbarung überall bekräftigt. Denn z. B. das höchste Sittengesetz der Offenbarung: „Ihr sollt euch heiligen, denn ich der Ewige bin heilig" — setzt ein solches unmittelbares Verhältniß voraus. Daß von hier aus die ganze Geistigkeit des Menschen eine himmelweit andere Entwickelung erhält,, als auf der bloßen Logik, sieht man leicht ab, und führen wir ein anvermal weiter aus. Hierdurch selbst aber wird die Nothwendigkeit der göttlichen Offenbarung begründet, denn die ganze Natur des menschlichen Geistes und die ganze Tendenz der Menschheit ist, mit Gott in die Unmittelbarkeit zu treten, und dieö vermochte nicht anders als durch eine Offenbarung zu geschehen. Erkennen wir aber einmal die Nothwendigkeit der Offenbarung, so ist die spezielle Frage: wie war sie möglich? sehr müßig, da der Modus derselben eben so gut in der Möglichkeit für Gott