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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-28 · Heft 35 (28.8.1841) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 35 (28.8.1841)
Date
1841-08-28
Page
Seite 496 (sequence 4)
Language
German
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496 Aufblühen des Gemeinwesens so mannigfachen Vorschub leistet — der Körmender Jsraelitengemeinde bisher weniger seiner hochsinnigen Gnade zu Theil wurde, ist die Schuld wahrlich nur an den bisher hier vorwaltenden Jndifferentismus, welcher nichts sucht und nichts wünscht, als nur beim Alten bleiben zu können. Bei Errichtungen von Schulen und anderweitigen Gemeindebedürfnissen — würde sicher unser edelmüthiger Fürst, wie allenthalben, groß und gnädig Stütze und Abhilfe leisten. Zn den Häusern hiesiger Israeliten herrscht durchgehends die größte Reinlichkeit und Ordnung und auch an den Aermsten ist ein gewisses Streben nach äußerer Eleganz nicht zu verkennen. Würde die hiesige wohlhabendere Jugend es vermeiden, auf öffentlichem Platze,. in Kaffee- und Gasthäusern des widerlich klingenden Gemauschels sich zu bedienen und die deutsche Sprache, welche ihnen nicht ganz fremd ist, auch unter den Ihrigen sprechen, so wäre gegen ihren äußern Anstand nichts einzuwenden. Ein noch größeres Streben nach Nettigkeit und feinem Anstande bemerkt man an den hiesigen Frauen; und wenn auch Einige, zum Anstoße in den Augen jüdischer Widersacher den Luxus bis auf's Aeußerste treiben, so herrscht doch übrigens durchgehends, guter Geschmack und sein weibliche Sitte. Der moralische Charakter hiesiger Israeliten stehet ebenfalls auf einer höhern Stufe — Zucht, Nichternheit und Maaß in Allem wird streng beobachtet, der Wohlthätigkeitssinn ist, wenn auch nicht immer auf seinem Platze — doch immer rege, die Gastfreundschaft ist nicht ganz fremde hier und das Familienleben ist durchgehends so innig gekettet, daß selbst Häuser, wo Herzlichkeit nicht zu ihren Tugenden gehören, doch für die Zahl ihrer entferntesten Angehörigen, besondere Besorgniß und Aufopferung statt findet. Ein nicht gänzlich ermangelnder ästhetischer Sinn, giebt sich auch, trotz der niedern Stufe des Bildungsgrades hier, bei so mancher Gelegenheit kund — und durchreisende Schauspieler und Concertisten rechnen nicht wenig auf die Besuche der hiesigen Israeliten. — In religiöser Beziehung findet hier das ungewöhnliche Verhältniß statt, daß die Reichen streng der alten Starrheit ergeben sind, die Mittelklassen jede Reform herbei wünschen, und die Armen am wenigsten Frömmler sind und am meisten der Aufllärung und den Neuerungen ein Ohr leihen. Würden diese letztere Parteien" bei jedem gemeinnützigen Vorhaben, nicht darauf. erst warten, daß die Reichen ihre Hand anlegen, und das erste Geld auf den Altar der Menschheit niederlegen sollen, so wäre schon längst, besonders das Schulwesen ein Anderes und so Mancher unter den Armen hätte sich vielleicht, durch eine günstigere Bildung — was bisher noch nicht der Fass war — über die Verhältnisse seiner Geburt erhoben. In der Synagogalordnung — zwar noch ganz auf dem Fuße des alten Schlendrians — herrscht eine gewisse Stimmung, welche, in der scheuen Ausführung mancher anstandsverletzenden Gebräuche, ihre. Unzufriedenheit mit sich selbst ausspricht. Und selbst diejenigen, welche die innern, veralteten, engherzigen Trübungen unsres modernen räumlich hellen Bethauses unberücksichtigt lassen, erheben doch wenigstens einmal im Jahre beim Haman-klopfen ihre Anstandsgebietende Stimme. An dem Gekreische des Vorsängers und den disharmonischen Gemeindetönen, sind sie zu sehr gewöhnt, als daß sie dieselben ebenfalls als Sittewidrig und anstößig in der Ansicht der Vorübergehenden, als Seitenstück des schändlichen Hamanklopfens hielten. — Die Wohlrhätigkeitsvereine m-on sind auf guten Absichten basirt; aber da die Führungen derselben, in den Händen solcher sind, welche weder durch Ansehen imponiren, oder durch eigene Opfer entscheidend einwirken können, bleiben öfters die dringendsten Bedürfnisse unbefriedigt und eine jedesmalige vorhabende Reform scheitert an das überwiegende Gegengewicht, der sich von allem Bessern zurückziehenden Gegenpartei. Besonders ist dieses mit der st-nn mabn 'n der Fall. Dieselbe wurde bereits einer Prüfung unterworfen und auf geläutertem Grundsätzen gestützt — und sie hätte sich auch so, trotz dem finstern Ungewitter, welches lichtscheue Obskurität über sie zusammenzog, behauptet, wenn nicht Lauigkeit von der einen und Ohnmacht von der andern Seite sie solcher Direktion in die Hände gespielt hätten, der das Herkömmliche darum werther ist, weil es ihrer Persönlichkeit am anpassendsten ist. Nicht minder starr und engherzig behauptet sich die Leitung der nwinp man und trotz dem ihnen von ärztlicher Seite die dringendesten Vorstellungen gemacht wurden und man das hohe Gesetz ihnen neuerdings eröffnete, nehmen sie doch nach 5—6 ständigen Absterben die Tobten auf ihre Schul-

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