Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1841)
- Date
- 1841-08-28
- Page
- Seite 495 (sequence 3)
- Language
- German
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495 die jährlich viele Lausende Gulden verausgabt, gar keinen Schritt vorwärts thun zu sehen. Die Erziehung der Jugend, das dringendste Bedürfniß, das nicht bloß dem Juden, sondern schon dem Elternherzen nahe liegen muß, liegt hier noch ganz danieder. Die Bessergesinnten sehen zu, ob vielleicht aus sich selbst werde, wozu sie nicht die geringste Thätigkeit in Anwendung bringen wollen. Wahrlich, sie fühlen nicht, daß eine Zeit des Handelns gekommen ist, wo jeder, der sich des Guten bewußt ist, dafür verantwortlich ist! Solche Betrachtungen wurden erst neulich bei einer Privatkonfirmation in mir rege, da ich von Neuem sah, wie wir Männer in unsrer Mitte besitzen, die das Gute wol bewirken könnten. Arad, 10. August. (Privatmitth.) Zur hiesigen Gemeinde gehören 292 Familien ober ca. 1200 Seelen (unter 24,WO), und besitzen 60 eigene Häuser in dieser königl. Freistabt. Es gehören zu ihr acht Doktoren der Medizin und Aerzte, 43 ordentliche. Kausleute, 50 Handwerker, 37 Landpächter und nur vier Gassenschreier. Biele leben von den Unterstützungen der Verwandten und der Vereine, und, Gott sei Dank! noch ist kein Araber Jude in die Fremde betteln gegangen. Die Gemeinde huldigt mit geringer Ausnahme den Bestrebungen der Kultur und Reform, und selbst Se. k. k. Hoheit, der Erzherzog Joseph Reichs-Statthalter hat bei seinem Aufenthalte allhier am 26. Juni a. c. dem Gemeindevorstand seinen Beifall zu erkennen gegeben, wie viel Lobenswerthes Ihm von der Araber Gemeinde berichtet worden. — Die Gemeinde wird seit 1834 durch 30 lebenslängliche Wahlmänner verwaltet, die sich jede drei Jahre selbst ergänzen, und 3 Borsteher, 1 Vormund, 2 Kassirer, 2 Kirchenväter und 1 Waisenvater aus ihrer Mitte wählen. Ergänzungen folgen nur auf Sterbe- oder Konkoursfälle. Es wäre wol zu wünschen, daß die Zahl derselben auf 40—50 erhöht, oder ihnen 10—20 Ehrenmitglieder zugesellt werden. Denn durch mancherlei Uebelstände kömmt es, daß oft statt 30 nur 3 im Gemeindehause sich einfinden, ja es ist gewiß, daß der dritte Theil dieser Repräsentanten außer bei den Wahlen noch nie das- Gemeindehaus betreten haben! (Wäre es da nicht besser, denn das, was bei 30 statt findet, kann auch bei 50 geschehen, daß im Statut ein Strafartikel wegen unmotivirten Außenbleibens Platz fände? Redakt.) Wie viel Gutes dadurch verbleibt oder verzögert wird, sieht man leicht ein. Auch ist es unausbleiblich, daß die 2W, . welche selbst vom Wahlrecht ausgeschlossen sind, gleichgültig für die Bedürfnisse werden, und so ergiebt sich das Faktum, daß man in jedem Jahre das Defizit repartiren muß auf das neue Jahr! Was soll daraus werden? Unser Gotteshaus mit Schulden belastet, zum dritten Lheil noch nicht ausgebaut, kein Tempelsitz fertig, keine Mädchenschule — bei diesem Systeme werden wir das Wohl unsrer Synagoge noch lange nicht erstarken sehen. —. Unser Vorstand hat in jüngster Sitzung eine Dankadresse an den freisinnigen Magnaten, Freiherrn Joseph Eötvös für die in diesen Blättern mehrfach erwähnte Schrift zu Gunsten der Israeliten votirt. Wir sind dem Vorstande hierfür sehr, dankbar. D« Körmend, 30. Juni. (Priv.atmitth. Verspätet.) Nehmen Sie bei meinem Abgang von hier, noch folgende Schilderung unsrer Gemeinde an, und hoffen wir, daß sie nicht ohne Früchte bleiben wird. Die hiesige Jsraeliten-Gemeinde besteht aus 90 Familien, deren Erwerbsfleiß und Betriebsamkeit durch die Lage des Ortes sowol, als durch den erzeugnißreichen Boden sehr begünstigt wird. Wir zählen hier gegen 30 Wohlhabende, 10 Bemittelte. Die Uebrigen leben theils von der Unterstützung der Reichen und den Wohlthatigkeitsanstalten, theils von armselig ernährenden Professionen, und Einige lassen sich zur Arbeit jeder Art herbei. Mit den christlichen Bürgern leben wir in besonderer Socialität und unsre Professionisten und Aerzte sind die Bevorzugten im hiesigen Orte sowol, als in der Umgebung. — Wir stehen unter dem hohen menschenfreundlichen Schutze Sr. Durchlaucht des Fürsten v.Bothjony. Dieser hochherzige Magnat besteuert seine jüdischen Unterthanen weder mit Schutzgeld, noch mit andern ihre Verhältnisse beengende Gesetze und ist im weitesten Sinne des Wortes Förderer alles Guten und Nützlichen. Wenn— indessen unser edle Fürst gegen andre seiner jüdischen Gemeinden sich so überraschend wohlthätig beweiset, zu Schul - und Bethausern so hülfreiche Hand bietet, den Ankauf der Häuser nicht hindert, und dem