Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-28 · Heft 35 (28.8.1841) · p. Seite 494

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 35 (28.8.1841)
Date
1841-08-28
Page
Seite 494 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225209--03759-3313315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

494 Stande, die alle vermittelst Billete zu dieser Feierlichkeit eingeladen wurden." „Im zweiten Saale befanden sich die Schüler dieser Anstalt, ihre Eltern, der hiesige Kahal, die hiesigen Kaufleute und andere angesehene Personen der hiesigen israelitischen Gemeinde." „Beim Erscheinen der hohen Gaste, wurden sie mit Musik empfangen, und die Schüler begrüßten sie alle einstimmig. Nach einer kleinen Pause traten vier Schüler hervor, zwei eröffneten die Vorhänge, worauf mit einemmale die Kaiserbüste sammt dem Adler und den Tafeln sichtbar wurden; die anderen zwei Schüler sagten zu selbiger Zeit die über den Adler stehende Aufschrift (einer Russisch der andre Deutsch): Es lebe Kaiser Nikolaus!.!" und es antworteten alle Schüler dann in einer Stimme: Amen! Nachher hielt der hiesige Rabbine Herr Israel Gordon eine Rede in deutscher Sprache; bald daraus las der Russische Lehrer in dieser Schule, Herr L. Lewanda, die Uebersetzung dieser Rede in Russischer Sprache, und als er beim Schlüsse war, wo es heißt: diesen Tag hat Gott gemacht, wir jauchzen, wir freuen uns an ihm „überraschte alle Anwesenden die Musik. Hernach verrichtete der Kantor der hiesigen Hauptsynagoge ein Gebet für das Wohl und Glück des Kaisers und des ganzen hohen Kaiserlichen Hauses, und als der glorreiche Name Sr. Majestät des Kaisers-ausgesprochen wurde, kamen zwei Schüler aus dem zweiten Saale in den ersten hinein, nahmen den vom Inspektor Herrn Klatschko ihnen überreichten Lorbeerkranz, bekränzten damit die Kaiserbüste, wobei zwei andere Schüler, die zu gleicher Zeit erschienen, ausriefen (einer im Russischen der andre im Deutschen): Es flechte Dir die Zukunft den Kranz des ew'gen Ruhmes!" worauf abermals ein allgemeines „Amen" von den Schülern erfolgte. Nach Diesem hielt der Kantor einen Segen Sr. Hohen Excellenz dem Herrn Minister der Volksaufklä-- rung und allen übrigen erhabnen Anwesenden, und zum Schluffe der Feierlichkeit sangen die Schüler im Chor mit Begleitung der Musik (in Ruff. Sprache) das Volkslied „Gott segne den König." Dann erscholl laut die vollkommenste Zufriedenheit und öffentliche Danksagung der hohen Gäste." (Wilnascher Bote No. 55, Dienstag 15. Juli 1841.) — ^Oesterreich. Prag, 8. Aug. (Privatmitth.) Wir sind hier jetzt in freudiger Aufregung, da, nach einem hohen Hosbeschluß, wir in Balde einige Erleichterungen in den jetzt gültigen Judengesetzen zur Publikation gebracht werden sehen. Wenn dieselben auch noch nicht so umfassend sein sollten, wie es unsre Wünsche sind, so müssen sie uns doch eine Bürgschaft der Zukunst sein, die wir als eine gesegnete, nicht ohne Gewißheit der Erfüllung, betrachten können. Eine Steuererleichterung soll außerdem für die Israeliten Böhmens zu erwarten stehen. Einige Hauptsätze der neuen Verordnungen werden sein: die Aufhebung der Beschränkung, innerhalb der Judenstadt zu wohnen, für alle die hiesigen, welche ein technisches Gewerbe in größerm Umfange betreiben. Im übrigen Böhmen Erlaubniß, obrigkeitliches Eigenthum an sich zu kaufen, sobald eine Fabrik oder sonst ein bedeutendes Gewerbe darauf betrieben werden soll. Auch sollen für alle Rabbinen, welche vorschriftsmäßige Studien betrieben haben und geprüfte Lehrer die Heirathsbeschränkungen aufgehoben werden, so daß sie Heirathskonsens, auch ohne in Besitz einer sogenannten Familiennummer zu sein, erhalten. Diese neuen Bestimmungen geben allerdings nur erst der höhern Industrie und der wissenschaftlichen Bildung einige Konzessionen, und haben auf die Massen noch keinen Einfluß. Allein man muß sich doch auch gestehen, daß gerade diese Zweige eine bedrückte Lage am tiefsten empfinden, und der Aufhülfe am meisten bedürfen. Nun sollen zwar Reiche und Gelehrte nie ihr Loos von dem der jüdischen Masse trennen: allein gefährlicher ist gewiß für das Judenthum die Tendenz eines andern Staates, der Masse in ihren Bestrebungen ganz freie Hand zu lassen, aber auf die Gebildeten, die-Intelligenten den ganzen Druck der Beschränkung zu werfen, so daß diese sich in allen Schritten gehemmt sehen. Kittsee, 1. Aug. (Privatmitth.) Sie gestatten mir wol, nicht in großem Redeflüsse, wol aber in wenigen, so innig gemeinten Worten darauf aufmerksam zu machen, wie es dem wahrhaften Israeliten auffällig sein muß, während so viele Gemeinden Ungarn's für Schule und Gottesdienst Mögliches und Großes leisten, die hiesige Gemeinde,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.