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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-21 · Heft 34 (21.8.1841) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 34 (21.8.1841)
Date
1841-08-21
Page
Seite 487 (sequence 11)
Language
German
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487 wissen, was ein Jude sei, der weiß es nicht, daß der beste Schatz, den der Weinberg Religion enthält, eben der ist, der bei dem Umgraben selbst herausgefördert wird. Er weiß es nicht, daß Alles, was die bürgerliche Gesellschaft mit der jüdischen Religion zu schaffen hat, in den Antworten des nur zum kleineren Theil aus Rabbinen bestehenden Napoleonischen Sanhedrins definitiv abgemacht und rechtsgültig sormulirt ist. Er weiß es nicht, daß der eigentliche Rationalismus innerhalb der jüdischen Theologie nvch gar nicht aufgetreten ist, daß überhaupt das Judenthum, selbst das dogmatische, von dem Rationalismus gar nicht so sehr bedroht ist, als andere Religionen, weil es die Vernunft — dies Wort im alten und sogar auch im neuen Sinne genommen — gar nirgend auf Sein oder Nichtsein herausgefordert hat. Er weiß es endlich nicht, daß die Sache der Reform täglich gewinnt, die des Nihilismus verliert, daß die Bigotterie ausstirbt, und daß endlich neben dem natürlichen Drang nach bürgerlicher Gleichstellung, nach landüblicher Civilisation, nach dem Austritt aus. der Jsolirung auch in des „Juden „Brust ein Etwas lebt," das ihn lehrt, aus sich selbst zu entwickeln was ihm Noth thut, und nicht den bösen vergangenen Zeiten noch nachträglich Recht, und den erschlagenen und verschmachteten Vorvätern Unrecht zu geben. Er kennt nicht die Selbstachtung, den edlen Stolz, der freilich erst seit ungefähr 20 Jahren wieder als ein Geist des Raths und der Tapferkeit die Masse der Juden treibt, alles Tadels frei, aber dennoch überall, wo es hingehört, als Juden zu erscheinen. Was die Bestallung der Rabbinen von Staatswegen mit der Emanzipation zu thun haben soll, das wissen wir nicht, und auch die Geschichte weiß nichts davon.. Die Rabbinen find in den finstersten Zeiten Staatsdiener und Königliche Richter gewesen, und sind es auch noch mit und ohne Besoldung in Ländern, wo man an keine Gleichstellung denkt (z.B. Holstein, Oldenburg und Mecklenburg), und umgekehrt sind sie es in Nordamerika keineswegs. Auch hoffen wir nicht, daß je ein deutscher Fürst uns das Byssusgewand'schenken wird, unsere Geistlichkeit auf französische Weise unabhängig von den Gemeinden zu stellen * *). Sollte aber eine Regierung bei irgend *) Es versteht sich von selbst, daß sich hiermit eine einer allgemeinen Maaßregel verlangen, daß wir vorab alle unsere theologischen Fragen erledigen, so wird sie uns auch gewiß auf unsere Vorstellung eine Stundung gewähren bis — auch die Christen mit den Ihrigen auf's Reine sind. Wer es als eine Frechheit darstellt, wenn ein nicht gehörig beschlagener Talmudist sich um das Rabbinat, sage das Berliner Rabbinat") bewirbt, der soll uns auch sagen, was es für einen Namen verdient, wenn man gebildeten deutschen Gemeinden in dieser Zeit keine anderen Vertreter giebt, als Männer, die eben so wenig in diese Zeit, als in dieses Land und als in diese Civilisation gehören. Was für eine Antwort geben wir Andere, die wir unsere Existenz und die unserer Kinder an die Sache des Judenthums und seiner Reform geknüpft haben, die wir uns freuen über jeden Fortschritt, und uns betrüben über jeden Rückschritt, die wir jede unwesentliche Eigenthümlichkeit gern aufgeben, aber in den wesentlichen Sachen uns nicht schmiegen, uns nicht ducken, die wir mit der ganzen großen Menschenwelt leben wollen, aber unter der Bedingung, daß sie wissen wir seien Juden — welche Antwort geben wir nun Jenem, der die Möglichkeit des Fortschritts, die Ehrlichkeit der Reformation, der daö Leben des Judenthums leugnet?' Dieselbe, die jener Grieche dem subtilen Kopfe gab, der die Bewegung leugnete — Er ging! — Und so gehen wir denn auch rüstig vorwärts, im Vertrauen auf unsere Sache und auf uns selbst. Adonay imachem! Der jüdische Familienvater. Ei» Spr«ch von Rückert. Zur Beherzigung. (Musenalmanach 1838, Bruchstück eines Lehrgedicht-.) Das Eigenste ward ein ganz frei vom Angenommnen; Doch übt die Eigenheit ihr Recht am Ueberkommnen. Geld-Subvention für jüdischen Kultus und jüdische Schule von Staatsseiten sehr wohl vertragt. Redakt. *) Bei manchen solchen Wahlen mag es gehen wie dem ei-äevant jeune homme, der seinem Schneider befiehlt, er-solle ihm die Beinkleider recht eng, ja recht sehr eng machen und hinzufügt: si j’y entre, je ne les ptend pas! Corresp.

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