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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-21 · Heft 34 (21.8.1841) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 34 (21.8.1841)
Date
1841-08-21
Page
Seite 486 (sequence 10)
Language
German
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486 sen können und gute, moralische Bürger werden und um diese Redensarten dreht sich dann Alles und es bleibt auch zuweilen nur bei Redensarten. Aber Israeliten, die ausgesöhnt sind mit ihrer Geschichte? die in die Welt treten, mit warmen israelitischen Herzen? Es sagte der Aesthetik der neuern Zeit nicht mehr zu, Morgens und Abends in die Synagoge zu laufen, dort in unverständlicher Sprache zu seufzen, zu stöhnen, zu schwören, zu beten und man begann — Synagogenordnungen zu geben, nach denen es stille zugehen sollte, wo das Unzeitige und Unverständliche nur ordnungsmäßig getrieben wurde und das nennt man Reformen! oder man zog dem Alten einen neuen Rock über, der aus alten und neuen Flicken zusammengesetzt wurde. In den sogenannten neuen Tempeln geht es dann Einem, wie im Theater, die Scenen ändern sich jeden Augenblick, bald glaubt man sich in uralte Zeiten versetzt, in den Tempel zu Jerusalem, es ertönen Psalmen wie von Leviten, bald in's Mittelalter, denn der Chasan recitirt in vollem Kursus mittelalterliche Gebete und Piutim, bald in eine evangelische Miffionsstunde, denn man beginnt in kirchlicher Melodie: Harre, Herz, nur in Geduld! Das gab und giebt eine Zeit lang Unterhaltung für die Herren Banquiers rc., aber man wird es d«ch satt und.' fühlt, daß darin kein Judenthum stecke, man bleibt weg und man bleibt — eben doch Jude.- Denn, wenn das Judenthum nicht in ganz anderm Erdreich wurzelte, als in diesem zusammengetragenen Schutthaufen, würde es mit ihm schlecht stehen. So ist es denn gekommen, daß das ästhetische Gefühl der neuern Zeit in den alten, abgelebten Formen durchaus keine Befriedigung mehr findet, daß diese in keiner Beziehung mehr Zusagen, oder Form und Mgterie der Erziehung abgeben können, aber eben so wenig werden sie durch das, was man an die Stelle gesetzt, es mag hergeholt sein aus dem alten Schacht der Synagoge oder aus dem neuern Kirchenwesen, befriedigt. Was aber dem Gefühle widerspricht, kann nicht Gegenstand der Erbauung, der Erhebung sein, kann kein Hülfsmittel, kein Objekt der religiösen Erziehung werden, was Lüge ist, kann nicht Wahrheit werden. Ueberall stellt sich die mittelalterliche Form des Juhenthums — aber auch zum Theil der Mosaismus — in Konflikt mit dem Gefühle, mit der Aesthetik der neuern Zeit. Wer kann dies leugnen? Lasset uns nun sehen, wie weit die neuere Intelligenz es berührt hat und dann: Giebt's denn gar kein Weg? sFortsetzung folgt.) Das Wort zur Unzeit. Die Stimme der unächten Mutter, welche ruft: mir nicht und dir nicht, hau't das Kind durch! — diese feige und grausame Heuchelstimme, obgleich keineswegs arm an schlauen und an einfältigen, an gelehrten und an ungelehrten Organen in Israel, hat sich doch seit Langem nicht mit dem Cynismus vernehmen lassen, als in dem: „Wort zur (?)' Zeit" in No. 28 und 29 dieser Blätter. Gemüthliches ist darin nicht zu finden als die alte, in dem jungen Berlin kaum noch anzutreffende, Berliner Süffisance; dagegen auch keine Spur eines Gefühls für die von Todeskrämpfen und Geburtswehen zugleich zermarterte Gegenwart unseres für die größte Idee, die je von einer Gesammtheit herangesäugt und vertheidigt wurde, kämpfenden Volks. Für alle Bestrebungen, die es seit 60 Jahren bewegen — eben seitdem der am Schluffe jenes Aufsatzes, wahrscheinlich weil er todt ist, präkonisirte Mendelssohn uns durch seine Bibel zu Deutschen, zu Europäern machte, und den Pfaffen den Bannstrahl entwand, beides trotz der ganzen Artillerie der Bethamidraschpartei — für alle diese Bestrebungen und Riesenthaten ein seinwollend mephistophelischer Hohn, für alle die Männer, die Gemeinden, die Familienhäupter, die unser Schifflein in dem Wogendrang der Zeit erhalten haben, es hier von einem Absturz, dort vor einem Riff absteuern, es verproviantiren und gegen das eindringende Wasser verstopfen — Nichts als die Beschuldigung der Unehrlichkeit, der Ignoranz und wol auch des bösen Willens: Lob aber nur für die hingekauerte Trägheit, der jeder Vorwand recht ist, wenn sie nur nicht thätig sein darf. Und dieser Ausbund von einem Berliner, der keinen Menschen kennt, dem die Lora für göttlich gilt, der alle und jede Sabbatfeier für etwas Verschollenes ausgiebt, und dessen Kinder zu 5 bis 6 Jahren nicht

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