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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-21 · Heft 34 (21.8.1841) · p. Seite 484

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 34 (21.8.1841)
Date
1841-08-21
Page
Seite 484 (sequence 8)
Language
German
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484 „wird Ihnen eröffnet, daß das darin enthaltene Ge- „such, um Befreiung der jüdischen Lehrer von den „Staatssteuern, zur Gewährung nicht geeignet ist." Berlin, den 24. Januar 1841. gez. v. Alvensleben. Eichhorn. Finanz - Ministerium. Ministerium d. Geistl. u. Angelegenheiten. den jüdischen Lehrer Herrn Kuttner zu Stnelno. HI. 31,047. F. M. »081. M. r. G. -c. A. Pädagogik. lieber die religiöse Erziehung in Israel. (Fortsetzung.) II. Ich meine, daß im Judenthum der vorigen Jahrhunderte mehr subjektive Wahrheit und Ueberzeugung herrschten. Man log sich nichts vor. Tempel, Schule und Haus gehörten so innig zusammen, daß eins ohne das andere im religiösen Leben, also auch bei der Erziehung, nicht gedacht werden konnte. An dieses Judenthum haben sich die Intelligenz und die Aösthetik der neuern Zeit gemacht. Letztere ging eigentlich voran, denn überall muß das Gefühl erst eine unbestimmte, subjektive Erregung herbeiführen, ehe der Verstand sich dieser und des Objektes bemeistert und Alles nach Bestimmtheit und Klarheit zum Bewußtsein bringt. Man fühlte sich zuvörderst isolirt im alten Judenthum, da man draußen es reger werden sah in Wissenschaft, Kunst, Gewerbe und Gesellschaft, das mittelalterliche Kastenwesen ging auseinander, nichts schloß sich mehr ab, nur der Jude stand noch allein in seinem Hause, in seiner Gemeinde; man hörte von dräußen Stimmen, die da in die Ghettos hineinriefen: kommet heraus, wir, die wir euch abgeschlossen, wollen euch aufmachen, schiebet nur die Riegel von innen hinweg! Zu gleicher Zeit Stimmen, die es heilig versicherten, daß von nun an nicht mehr gestoßen und geschimpft, maltraitirt und geleibzollt u. dgl., viel weniger gemordet und gebrannt werden solle. Das mußte gefallen. Man trat aus den Ghettos heraus und sah in die anderen hübschen Häuser und in die Gärten voll Blumenrabatten hinein, und wenn man auch noch nicht hineinkommen durfte, man lernte doch Manches ab und konnte es zu Hause eben so machen. Ohne die Wissenschaft zu kennen, führte bloß das Gefühl des exoterischen bessern Geschmacks das Bedürfniß herbei, Schulen zu haben, wie die christlichen Gemeinden, und wenn freilich noch viel Tora und Mikra, viel Raschi und Gemara getrieben werden sollte, aber doch auch. Sprachen, Geschichte, Geographie u. dgl. Was Wunder! der jüdische Knabe brachte nun deutsche Bücher mit nach Haus, die sonst dort gar nicht geduldet wurden, es schmeichelte dem Vater-, dem Muttergesühle, wenn der Sohn in Asien und Afrika Bescheid wußte, zwei, drei Sprachen verstand und die Tochter von Kabale und Liebe und Torquato Tasso phantasirte. Nicht das Christenthum, wie uns oft vorgeschwatzt wird, brachte uns einen bessern Geschmack, denn dasselbe har bis heute mit seinen kirchlichen Elementen den Juden säst nicht berührt, sondern der klassische Geist, der aus dem Alterthum auch erst vor wenigen Jahrhunderten in's christliche Leben eingedrungen war, und nun, zwar erst leise leise, Juden und Judenthum anhauchte. Dabei mußte das letztere gerade den umgekehrten^Prozeß machen. In die christliche Welt waren seit der Reformation klassische Griechen und Römer geradezu eingerückt und hatten eine allmähliche Bildung nach und nach, in organischem Wachsthum, erzeugt, die Juden bekamen, als sie am Ende des vorigen Jahrhunderts zuerst an die Völkertafel traten die etwas wurmstichige Spätfrucht des Classicismus — den französisch-deutschen revolutionären und verflachenden Rationalismus — und nun mußten sie sich in diesem halben Jahrhundert erst zurückarbeiten, um dem Baume bis an seine Wurzel nachzugehen und wo sie ein grünes Propfreis fanden, dasselbe auf den verwilderten Stamm wieder zu verpflanzen. Wirklich, ich betrachte es als einzige Aufgabe des neuern Judenthums den klassischen Geiß in sein (des Judenth.) Positives und Historisches hineinzubringen, das, was die christliche Welt vor-

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