Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1841)
- Date
- 1841-08-21
- Page
- Seite 482 (sequence 6)
- Language
- German
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482 ist ihnen gemäß, wie dem Gott, ihren Stammvater, das Regieren der Welt bald mit der Waage der Gerechtigkeit, bald mit dem Donnerkeil. — Wir haben bisher nur zwei der großartigen Vorurtheile kennen g.elernt; sei es uns erlaubt, nunmehr einige kleinlichere zu betrachten. Wir greifen unbedenklich in den nächsten Haufen und fassen das, der s. g. Ehre von der Kavalierperspective. Es besteht darin, gewisse Punkte für sich bindend und pflichtmäßig zu halten, die untergeordnete Menschen für schlecht und niederträchtig achten; andere dagegen, welche der gewöhnliche Mensch heilig hält, für Vorurtheile auszugeben. Spielschulden z. B. zu bezahlen, ist Ehrensache; den Handwerker, ist ridicül; die Unschuld zu schänden ist gestattet, muß dann mit einer Geldsumme abgemacht werden, denn mit einer nicht Ebenbürtigen sich zu verbinden, ist Schande.— Diesen geringen und abgeleiteten Vorurtheilen entsprechen die in Gewerben, im Handel und Wandel geläufigen. Mehrere solcher kleinen Vorurtheile haben Anlaß zu Sprichwörtern gegeben, die noch immer ein Zeugniß für das Volksgewissen, wie für seine Weisheit ablegen, und es würde uns nicht schwer werden, diese schlechten Vorurtheile der gemeineren Art schockweis aufzuzahlen, hätten wir nicht an diesem schon die Genüge. Zn die Zeit meiner ersten Jugend siel die s. g. Epoche der Aufklärung. Im verjüngten Europa war alles geistige Streben dahin gerichtet, den alten Vorurtheilen ein Ende zu machen. In der Freiheit von Vorurtheilen suchte Jeder, der Anspruch auf Geist machte, seinen Ruhm. Das Zeitalter nannte sich das der Vernunft. Das Gute ging mindestens daraus hervor, daß eine gegenseitige Achtung der Völker und der Stände sich begründete und verbreitete. Auf dieser Achtung des Menschlichen im Menschen suchte man ferner das gleichmäßige Recht Aller zu fördern. Leider hatte das Volk, dem von der Vorsehung die Mission, die mittelalterlichen Vorurtheile auszurotten, zugetheilt war, diese nicht, wie es sollte, begriffen, und ging nur zu bald in die glänzende Schlinge, welche ihm Mephisto, einer der größten Politiker der Neuzeit, gelegt hatte. Die ritterliche Gloire, die neue Erfindung der Legitimitätslehre und eine neu aufgeputzte blotre Dame äs Pari« waren die drei Gestalten, welche das alberne Volk umjubelte, ohne zu ahnen, wie es genasführt wurde. Wie es eben in deys alten Wahnsinn zurückgesunken war, fing es alsobald wieder an, alle andern Völker zu verachten, zu verhöhnen und zu bekriegen, währendes selbst das schmählich Besiegte war, und mit der goldenen Kette, die'es schleppte, noch prahlen mogte. Unser deutsches Land, das Land des Gehorsams, wie es die Jesuiten pennen (S. Jordan, die Jesuiten und der Jesuitismus, Altona bei.Hammerich 1838) fühlte die Geißel des alten Vorurtheils am schwersten. Nach dem Falle des großen Kaisers aber ward das Land des Gehorsams selbst ein Sklav des uralten Vorurtheils der Race; freilich ward dieß zunächst gegen das feindliche Franzosenvolk gerichtet; allein gleichzeitig gab sich die nächste Konsequenz dieses Vorurtheils als das der Ungleichheitj des Menschen, und der,religiösen Ueberzeugungen kund. Das Bürgerrecht ward alsbald an die Konfession gebunden, und die Thatsache der neuesten Judenverfolgungen stempelte die junge Begeisterung mit dem Male des Vorurtheils. Ein heuchlerischer Geist bemeisterte sich des jugendkräftigen, bethörten Volkes! Man gab ihm ein seltsam-widerliches Gemengsel religiös-politischen Aberglaubens; man redete ihm wunder was von Erhabenheit und Reinheit seiner Race ein, und trieb es, als man es im Garne hatte, damit es durch eignen Frevel sich beflecke, zur frechen Gewalt gegen wehrlose, harmlose Menschen, deren Verwandte noch kurz vorher mit in seinen Reihen gesochten und geblutet hatten. Auf den Sack ward geschlagen, aber der Esel war gemeint. Die Geschichte ist konsequent und unbarmherzig gerecht! Preußen. Berlin, 8. August. (Privatmitth.) Während durch die Kabinetsordre vom 9. März das Verbot der allgemeinen Vornamen für Juden bloß auf 8 Namen beschränkt worden, hat dies noch auf das Großherzogthum Posen keinen Einfluß, und indem dort die Sache aus den Usus gestellt worden, ist sie desto unzuverlässiger. Man ersieht dies aus folgendem Ministerial-Rescripte (Ministerialblatt 1841 No. 8.) ' „Durch die Allerhöchste Kabinetsordre vom 19. Juni 1836 ist die Vorschrift, daß Juden keine christ-