Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1841)
- Date
- 1841-08-21
- Page
- Seite 479 (sequence 3)
- Language
- German
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479 den Kultus und den' geselligen Zustand einigen Einfluß zu erhalten, war es, nach dem Redner, nothweudig, daß die Konsistorien einen weitern, neu gezeichneten Kreis bekommen, und ihre ganze Administration reorganisirt werde. Ein Schritt geschah,, das Central-Konsistorium ließ einen desfallsigen Entwurf an die Konsistorien gegen Ende 1839 (s. No. 8. 9. 10. Jahrg. 1840) ergehen, einen Entwurf zur Begutachtung. „Dieser Entwurf, fährt der Redner fort, erregte hier in Metz die heftigsten Gährungen. Es bildeten sich Konventikel, man arbeitete Protestationen aus, die nachher von Haus zu Haus getragen wurden, um möglichst viele Unterschriften zu erhalten. Man brachte eine besondere Koterie zusammen, durch die eine beträchtliche Summe hinterlegt wurde, mit der man durch alle gesetzlichen und ungesetzlichen Mittel jeden Versuch religiöser oder administrativer Neuetung bekämpfen wollte. Außerdem rief man die Landschaft auf, gegen alle jene Absichten zu protestiren. Man schickte selbst Emissarien in die benachbarten Bezirke, um hier gleicherweise zum Widerstand aufzureizen." Man verschrie die Konsistorien für die ärgsten Ketzer, selbst darauf legte man kein Gewicht, daß das Konsistorium zu Metz drei Personen, die nicht zu ihm gehörten, berief, um der orthodoxen Meinung Gelegenheit zu geben, sich paffend zu äußern, und mit gleichen Waffen mit den Neuerungsideen zu kämpfen. „Gewiß, sagt der Redner, wäre es uns angenehm gewesen, wenn «ine Manifestation der aufgeklärten und liberalen Partei der Bevölkerung unsre Stellung gebilligt und uns für die Undankbarkeit und die Verleumdungen, denen wir ausgesetzt waren-, entschädigt hätte. Aber, wir bekennen es mit Kummer, wir blieben völlig isolirt. Nicht allein nicht das geringste Zeugniß der Sympathie ward uns gegeben, Niemand nahm sich die Mühe zu untersuchen, ob wir vielleicht, anstatt dem Umstürze alles dessen, was uns ehrwürdig ist, die Hände zu reichen, nicht gesucht haben, die Religion und ihre Diener mit allen wünschenswerthen Bürgschaften zu umgeben." Dadurch faßten die Mitglieder einen Widerwillen gegen ihr Amt, und suchten sich, ihm zu entziehen. Die Opposition wirkte dahin, daß die freiwilligen Gaben zur Unterhaltung des Kultus aufhörten, zuzufließen, so daß die Kosten der Unterbedienten und andere unvermeidliche Ausgaben nicht mehr zu bestreiten blieben. Und so kamen sie zu dem festen Entschluß, ihre Demission auf eine unwiderrufliche Weise zu geben. Er bemerkte im Voraus, daß sie eine Wiedererwählung nicht annehmemwürden. Auch wenn die anwesenden Notabeln durch ein Votum die Schritte des Konsistoriums billigen würden, würden sie nicht davon angenehm berührt werden, da die Gegner dies nur als die persönliche Meinung ausgeben würden, weil das Institut der Notabeln in seiner bisherigen Organisation zu mangelhaft wäre, um die Meinung der Eesammtheit zu reprasentiren. „Was die religiöse Reform betrifft, schließt Herr Worms, so glauben wir, daß der Moment gekommen, sich ernstlich damit zu beschäftigen, und ohne Verzug den Kultus in Verhältniß mit dem gegenwärtigen Standpunkt der Geister und den Forderungen des Jahrhunderts zu bringen. Unsre alten Ueberlieferungen verschwinden nach und nach mit denen, die ihre treuen Träger waren, aus Mangel an der Möglichkeit, sie ihrerseits ihren Nachkommen zu übergeben, weil diese ihre weltlichen Beschäftigungen wenig geschickt dazu machen. Die Familien, die bis jetzt, in der Ausübung der religiösen Pflichten nur durch das Beispiel ihrer Häupter oder durch die Achtung vor diesen erhalten wurden, verfallen mit dem Augenblick in Gleichgültigkeit, wo dieser Zügel nicht mehr existirt. Die Jugend erhält keine religiöse Erziehung mehr, weil es jedem Familienvater unmöglich ist, eine solche zu improvisiren, und hier noch Alles zu schaffen ist. Wir wollen diese Schilderung nicht weiter führen, denn wir würden die beunruhigendsten Folgerungen daraus ziehen müssen. Mögen die Herren Rabbinen die Nothwendigkeit dieser Stellung wohl bedenken, und Hand an's Werk legen. Wir glauben, sie würden besser also den wahrhaften Interessen der Religion dienen, als indem sie versichern, daß die Unterdrückung eines einzigen Jota von allen mittelalterlichen Praktiken der Unterdrückung der wahren Fundamentallehren unsres Glaubens gleich käme."! j Nach dieser Rede trug ein Mitglied der Ver-! sammlung darauf an, und 12 Notabeln stimmten! der Proposition bei, die folgende Prokestation in die! Verhandlung aufzunehmen: