Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-14 · Heft 33 (14.8.1841) · p. Seite 471

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 33 (14.8.1841)
Date
1841-08-14
Page
Seite 471 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225207--03734-3313288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

471 ist ein Vorbild des Kreuzestodes. Die Geburt Simson's ist ein'Vorbild von Jesus. Insbesondere ist auch Josua ein Vorbild von Jesus, schon durch seinen Namen. (Wie viele Lausend Israeliten mögen Josua geheißen haben!) Jesus ist es, der Ln der Wolkensäule die Israeliten durch die Wüste führt. Um dem Leser eine kleine Probe zu geben, wie der Verf. den Text der Bibel behandelt, stehe hier von S. 54: „„Derselbe Sinn liegt in den Worten, welche der Gott-Engel dem gläubigen Lot sagt: „errette deine Seele, und siehe nicht hinter dich." Das heißt: blicke auf zu Gott und laß das Irdische sein. „Und die Sonne ging auf über die Erde, da Lot gen Zoar einkam." So muß jeder Mensch nach Zoar, klein und demüthig werden, wenn ihm die Sonne des Erkenntnisses aufgehen soll, er muß das Irdische ff. Es kann auch beißen: Sieh auf! nach dem Evangelium empor, nach der frohen Botschaft hinauf, und lass alle talmudische und rabbinische Menschlichkeiten ff."" Das ist doch eine erbauliche Exegese! Oder von S. 59: „„Durch das Wort vom Kreuze wird es dir klar, warum Gott dem Moses geboten hatte, das bittere Wasser in der Wüste durch ein Holz süß zu machen; denn das Wort vom Kreuz ist auch eine Gotteskraft ff." Wie hölzern! Weil 2 Mos. 17 Amalek ausgerottet werden soll, sagt der Verf. S. 67: „„Wer denkt hier nicht gleich an die Verheißung im Paradiese, daß der Schlange der Kopf zertreten und ewige Feindschaft bestehen wird zwischen ihrem Saamen und dem Saamen des Weibes? 1 Mos. 3, 15." Ich bin überzeugt, daran denkt nur ein Kopf, der „sechs Jahre gegrübelt." Eben so steht es mit dem Nachweis der Dreieinigkeit, wo sogar die drei Feste beweisen müssen. Wir könnten noch Unzähliges anführen von dergleichen Auslegungen und Vorbildern, die doch alle nur Vorbilder sind, weil man ihnen nachgebildet hat, aber der Leser kennt schon hierdurch den Standpunkt des Verfassers, der am besten unter die Traktatenschreiber geht. Seine moderne Schreibart hat er noch beibehalten,' wo er über die Emanzipation der Juden spricht, für die er früher zu wirken gesucht, aber vergebens. Was er davon eigentlich für eine Ansicht hat, kann aus dem Galimathias nicht ersehen werden. Er kann sich noch nicht zu der christlichen Ansicht erheben, daß den „blinden, verstockten" Juden die Gleichstellung zu verweigern sei, aber er kann diese doch weder fordern, noch wünschen mehr. Uebrigens je mehr er dem Judenthume Böses nachzusagen weiß — allerdings aber nur wegen veralteter Ceremonien, denn das Jnnre des Judenthums kann Niemand antasten — so versteht er doch durchaus nicht dem Christenthume etwas Gutesnachzusagen, denn das, was ihm eigentlich Befriedigenderes im Christenthume aufgegangen, berührt er sehr flüchtig und unbefriedigend. Sollen wir dem Herrn vr. Fr. unsre offne Meinung sagen, und er wird dies uns nicht verargen, so ist sein Gang der folgende gewesen. 1) Der vr. Fr. hat einige Emanzipationsangelegenheiten für einige Rheinische Gemeinden betrieben, aber ohne Erfolg; (S. 10.) 2) die bürgerliche Benachtheiligung für seine Kinder aus dem gesellschaftlichen Standpunkte der Juden machte ihm große Besorgniß; (S. 10.) 3) er hatte immer gewünscht, als Christ geboren zu sein, (S. 22) und von dem wahrhaften Geiste des Judenthums war er so wenig berührt, daß er nie auch die geringste Liebe für dessen Inhalt gehegt — also er wünschte, Christ zu sein — von hier aus gab es daher zwei Wege, entweder er ergrübelte sich denZugangzum Christenthume, oder er ging über, und ergrübelte sich nachher seine Beweisführung post facluiu. Welchen Weg Herr Fr. eingeschlagen, sind wir zu entscheiden nicht im Stande, weit er in seiner Schrift so viele Drehereien*) heranbringt, dagegen aber sowenig offenherzig und offenmüthig seinen Seelenzustand schildert, daß wir zweifelhaft bleiben, hat er sich wollen um allen geraden Sinn bringen, oder hat er sich wirklich vergrübelt. Ueber den Geraden und Einfachen aber wird niemals Zweifel sein. Wir haben dem Verf. unverholen unsre Meinung gesagt, wir hatten es viel schärfer gekonnt, wir hätten auch schimpfen und schelten können, und die vielen korrupten Meinungen, die der Verf. auskramt, in ihre Blöße stellen. Wir wollten aber nicht das Verfahren des Verf. durch unsre Nachahmung gut heißen, und wenn er die Kirche blasphemirt, von der er abgefallen, so wollen wir sogar ihn gehen lassen, der abgefallen, und *) Noch ein Beispiel. Ec hebt S. 52 die Bemerkung hervor, daß Abram in Abraham, Sarai in Sara verwandelt worden, indem ihnen ein Buchstabe des Wortes Jehova beigegeben ward. Und der Mann schimpft auf die Kabbala!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.