Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-14 · Heft 33 (14.8.1841) · p. Seite 468

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 33 (14.8.1841)
Date
1841-08-14
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225207--03731-3313285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

468 anstatt aus dem Wege geräumt zu werden drangen sich auch in die engern Pfade des geistigen Lebens, und der Engel des Lichtes mit gezücktem Schwerdte vermochte es noch nicht den Verderbern die Augen zu öffnen. Sie merken wol, daß ich von jener wohlbekannten Klasse spreche, die von den Verhältnissen des Augenblickes begünstigt wie Bileam ausgezogen ist, über die kleine nach dem Lande der geistigen und bürgerlichen Freiheit sich sehnende Schaar den Fluch mittelalterlicher Knechtschaft und Verachtung wieder zurückzuführen. Gott gebe, daß auch ihre verrätherischen Anklagen und heimlichen Verläumdungen in segenbringende Fürsprache für die gute Sache verwandelt werden! denn wie sehr auch den allgemeinen Klagen über die retograde Bewegung bei uns beigepflichtet werden muß, so ist es doch gewiß, daß das Uebel aus unserer Mitte selbst hervorgeht, von jenen Eifrern nämlich, die das von Oben angenommene System mißdeutend, dasselbe nur für ihre eigene Zwecke geltend zu machen suchen, daß aber die Behörde nichts destoweniger wahrhafte und das Bestehende veredelnde Reformen zuläßt, ist außer Zweifel. Schreiber dieses hatte erst jüngst auf einer Reise Gelegenheit, sich davon zu überzeugen. In einigen Synagogen Mittelfrankens fand er zu seiner großen Ueberraschung die frühem und leider in vielen Synagogen noch herrschenden Mißbräuche abgcschafft, und dafür neue recht zweckmäßige Einrichtungen eingeführt. Dieselben verdanken aber diese Synagogen nicht ihren geistlichen Vorstehern, denn diese, zu der oben geschilderten Klasse gehörend, haben, ungeachtet sie für eine bessere Ordnung bei der damals abgehaltenen Kreissynode gestimmt haben, weil unterdessen die Umstände zu ihren Gunsten sich gestaltet haben, gegen deren Einführung alles Mögliche ausgeboten; sie verdanken sie aber der Behörde, die darauf bestanden, daß die von allen Rabbinen berathene und genehmigte Synagogenordnung auch in allen Synagogen gleichmäßig eingeführt werde. Und so wollen wir auch hoffen, daß die jetzige Krisis , die wie eine Gewitterdrohende Wolke über dem, dem wissenschaftlichen und religiösen Boden entsprossenen veredelnden Judenthume steht, glücklich und bald vorüberziehen, und für dasselbe nur die Spuren eines noch sruchtbarern Gedeihens zurücklassen wird. Von der hiesigen 'Synagoge weiß ich Ihnen nichts mitzutheilen, als daß das ihr zur Zierde gereichende Chorinstitut gedeihlich fortbesteht. Das dasselbe leitende Comit« hat erst jüngst die zweite Lieferung der gottesdienstlichen Gesänge, enthaltend die Pieyen für labio überhaupt sowol, als auch die besondern für nrs, riismir, mno, «2*1 arsnairt und fmn nri;:uj, bearbeitet vom Herrn Lehrer Maier Kohn, veröffentlicht,- und die Inhaber der ersten Lieferung werden sich mit Vergnügen überzeugen, welche reiche Sammlung herzerhebender, schöner, und der jedesmaligen Feier anpaffenden Gesänge ihnen damit geboten werden. Insbesondere soll der Bearbeiter auch darin wieder bedacht gewesen sein, aus der reichen Sammlung der hiesigen und von berühmten Tonsetzern gefertigten Chorgcsängen nur einfache, melodiöse und leicht auszuführende Stücke aufzunehmen. Man kann bei dieser Gelegenheit nicht umhin, die Bemerkung zu machen, daß die Verbreitung der Chorgesänge, und die Einführung des Chorgesangs in den Synagogen überhaupt ihr größtes Hinderniß nicht in dem Willen der Gemeindegliedcr, noch im Mangel an mitwirkender Theilnehmer, sondern in dem Mangel an fähigen Subjekten, den betreffenden Unterricht zu ertheilen, findet. Es gehört immer noch zu den Seltenheiten, in kleinern Städten, und auf dem Laude besonders, musikalisch gebildete Vorsänger zu finden; dergleichen befähigte Lehrer aber sind es, von deren Mitwirkung allein das Gedeihen dieses Institutes allenthalben abhängt °). In welcher großem oder kleinern Gemeinde der Lehrer es versteht, zu dieser Verherrlichung der öffentlichen Gottesverehrung der männlichen Jugend, und einigen Erwachsenen, die gewiß aller Orten zu einer solchen Mitwirkung sich leicht finden lassen, die Anleitung zu geben ist ein vierstimmiger Chor bald hergestellt, ohne daß der Gemeinde dadurch Kosten entstehen, und wir können mit dem Psalmisten wieder ausrufen: „preiset in Chören den Herrn." In dem Grade aber, als der Chorgesang sich in den Synagogen immer mehr verbreiten wird, in *) Sehr auffallend mußte cs erscheinen, daß in dem von Zunz für das zu Berlin neu' errichtete Seminar für jüdische Schullehrer entworfenen Unterrichtsplane der musikalischen Bildung keinerlei Erwähnung geschieht. Corresp.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.