Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1841)
- Date
- 1841-08-07
- Page
- Seite 459 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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459 bewundern, und die so arg Geplagten zu bemitleiden, fährt der scharfsichtige Herr Pfarrer also fort: b) „Sollte nicht vielleicht (sehr bescheiden!) auch hierbei der Spekulationsgeist der Juden, die Besonnenheit, das kalte Benehmen, wodurch sie sich in ihrem ganzen Thun und Lassen so sehr auszeichnen, zu berücksichtigen sein?" Nun die Folgen dieser Prämisse! „Der immerfort spekulirende und berechnende Jude nimmt sich wol in Acht, sich frühzeitig mit einer Person des weiblichen Geschlechtes zu vertraut zu machen, weil er hofft, eine reichere Parthie, als sich in seiner nächsten Umgebung findet, treffen zu können. Ihn schreckt das Gesetz 2 Mos. 22, 16. 17. und 5 Mos. 22, 29. nach welchem der Schwängerer die Geschwängerte heirathen muß" ...... Welcher Unsinn! wo ist dieses Gesetz denn noch in Anwendung? und gewiß denkt kein Jude mit all seinem „Berechnen" daran! „Und wenn er auch hoffen dürfte, daß er nicht genöthigt würde, eine solche Person zu heirathen, so fürchtet er dann doch den Geldverlust, den er sich durch ein Unzuchtsvergehen zuziehen würde." Nun, demnach muß doch der Jude „außereheliche fleischliche Vermischung" für unmoralisch halten!!-— Wahrhaft jesuitisch sucht er nun eine andere, den Juden zuerkannte und in der Praxis bewährte Lugend, nämlich, daß sie selten falsch schwören, folgender Weise zu verdächtigen. „Aufs Leugnen kann er sich in dergleichen Fällen nicht verlassen, denn er weiß, daß er alsdann auf einen Eid getrieben würde, und ehe er einen Eid schwört, gestehet er lieber, wenn er sich schuldig weiß, alles ein." Freuet euch nicht zu voreilig, liebe Leser, über dieses Lob;' ihr würdet sonst zu schnell diese Freude bereuen! höret vielmehr weiter. „Mag er es auch bei Eiden, 'die er gegen Christen schwört, nicht so genau nehmen, weil das Gebet (?) Kol nidre, am großen Versöhnungstag, alle gegen Nichtjuden geleistete Eide, sofern sie einen Juden gereuen, für erlassen und ungültig erklärt werden, so denkt er doch anders bei Eiden, die er gegen seinen Nächsten, d. h. seinen Glaubensgenossen (?) schwören soll, weil ihn von solchen Eiden das genannte Gebet (?) der Lehre des Talmuds zu Folge (?) nicht absolvirt." Erholt euch, liebe Leser! etwas von eurem Aerger über diese arge Unwahrheit und Unwissenheit; denn die Redaktion giebt euch in einer Anmerkung wieder einigen Trost, wenn auch keinen ganz aufrichtigen. — „Dieses behauptet Eisenmenger .(Entdecktes Jud. II. Thl. 491. 91.) Jüdische Gelehrte dagegen versichern,, daß das Kol mdr« nicht von Eiden, sondern lediglich von kirchlichen Gelübden absolvire, wornach nrm© (nicht ms>i2©) als synonym mit tPH2 zu nehmen wäre, obgleich es als besonderer Spezies von diesen unterschieden wird." Hierin giebt sich uns deutlich der Geist der Redaktion zu erkennen, wie wir diesen auch schon gleich durch die Aufnahme dieser Abhandlung nicht verkannt haben.— Dieser Gegenstand des Kol nidre, welcher bis zum Ekel schon von jüdischen Gelehrten wiederholt werden mußte, so daß er füglich für immer hatte auf sich beruhen bleiben können, wird im Jahre 1841 wieder von Neuem aus dem Grabe herauf beschworen und die Redaktion der „Studien der evangelischen Geistlichen Würtembergs" scheuet sich noch, die jwah re Vertheidigung der jüdischen Gelehrten anzunehmen. Hätte sie aber 4 Mos. 30, 3. nachgeschlagen, so würde sie sich gewiß überzeugt haben, daß auch bei kirchlichen Gelübden, d. h. bei solchen, die nur die Person selbst, die das Gelübde thur, angehen, sowol 112 als rrmtt und zwar nicht synonym (vergl. Raschi z. d. St.) vorkömmt. Denn dort heißt es deutlich: in 'nb 112 tp -o ©in 12)22 b2> 108 128b NS12© S2W!1, ganz gleich im Kol nidre: 82ri©°22 b2 8212811. Um aber noch mehr diese Tugend in Schatten zu setzen, beschreibt er den fürchterlichen Judeneid, wodurch er wieder seine Schadenfreude hierüber noch besonders kund giebt. Am Ende dieser Beschreibung sagt er: „Es ist doch schon öfters vorgekommen, daß sie, nachdem sie schon das Talit umgehängt hatten, dasselbe wieder vom Kopfe Herabrissen, und ihre Schuld eingestanden." Nein, mein lieber Herr Pfarrer! Sie irren Sich. Denn es ist wol schon oft geschehen, daß sie das Talit abgerissen, und trotz ihrer Unschuld und dem Kol nidre, den Christen die Schuld schenkten, weil sie sich scheueten, selbst auch einen wahren Eid aus solche fürchterliche Weise zu schwören. Und wenn Sie uns dieses nicht glauben wollen, so fragen Sie gefälligst jeden Richter hierüber, der unsere Aussage bestätigen wird.- „Dazu kommt c) ein Umstand, der mit dem besonnenen Wesen der Juden genau zusammen-