Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1841)
- Date
- 1841-08-07
- Page
- Seite 458 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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458 Fehler — selbst auch eines Mosis — getadelt und bestraft, welches der größte Beweis für die Aechtheit und Göttlichkeit dieser Schriften ist, was auch schon der edle Herder bemerkt. Wissen denn aber die christlichen Herren nicht, wie jchon seit langer Zeit — durch den Bann des Rabbi Gerson — die Polygamie gänzlich den Juden, selbst denen des Orients, streng untersagt ist, und daß dieses so tiefe Wurzel in dem Judenthume gefaßt hat, daß kein einziges Beispiel von dem Uebertreten dieses Verbotes nachgewiesen werden kann? Gewiß aber wissen sie es, aber sie stellen sich blind, wo sie.nicht sehen wollen. Ueber das übrige wird der Vers, von der Redaktion, die doch noch ein besseres Gewissen, wie er, hat, zurechtgewiesen in folgender Anmerkung: „der Herr Vers, hat das bestimmte Verbot der Hurerei 5 Mos. 23, 18. und die vielen Warnungen des Talmuds vor der Wollust und ihrer unerlaubten Befriedigung übersehen." Unfern Dank für diese gütige Theilnahme! — Nun werden wir erst aus dem Folgenden sehen, wie der Geistliche, der seine Pflegekinder zum Himmelreiche vorbereiten soll, aus dieser Tugend alle Laster folgert, und — ein umgekehrter Bileam — überhaupt alle den Juden allgemein zugeschriebenen Tugenden in Laster umwandelt. Ach! „der ewige Jude!" rufe ich mit Börne aus; was er auch immer Gutes und Großes thun mag, — er bleibt doch immer und ewig „Jude," von dem man nichts Ersprießliches erwarten darf! — Hören wir! „Für einen Beweis einer höheren Moralität wird man dieses wol nicht nehmen können. In andern Fällen zeichnen sie sich ja durch höhere Lugenden gar nicht aus; und es ist noch sehr ungewiß, ob der Jude äußerliche fleischliche Vermischung nur für etwas Jnmoralisches hält." Was soll man zu solcher Unwissenheit sagen? Nichts als unsere größte Indignation statt jeder Erwiderung. Der ungerechte Ankläger möge, statt solche Aufsätze zu schreiben, nur die Bibel zur Hand nehmen, und er wird gewiß — wenn es bei ihm möglich ist und wenn ihm ein solches heiliges Buch nicht sogleich aus den Händen fallen muß, — eines Bessern belehrt werden! — Hierzu haben wir wieder eine Anmerkung der Redaktion: „Es dürfte doch zugegeben sein, daß die Israeliten, im Gegensätze gegen ihre beschränktere öffentliche Thätigkeit durch häusliche Tugenden (Kinderzucht, Treue der Ehegatten u. dergl.) im Allgemeinen sichvortheilhaft ausgezeichnet haben, indem sie für die äußere Zurücksetzung Trost und. Ersatz im Familienleben suchen." Dieses ist wieder sehr christlich, diese Tugenden in äußeren Verhältnissen und nicht — der Wahrheit^ gemäß — in dem Innern der jüdischen Religion zu suchen, während diese und ähnliche unparteiische Sittenrichter doch immer geneigt sind, alles Schlechte und Böse der Juden in den besondern jüdischen Charakter und in die Lehren der jüdischen Religion und nicht — der Wahrheit gemäß — in dst äußern Zurücksetzungen und die Jahrtausend langen Verfolgungen zu setzen. — Aber wir haben uns schon lange in Geduld an solche erbärmliche Einseitigkeiten von Seiten unserer Feinde gewöhnt, und wissen, daß wir nebst Gott, uns selbst helfen müssen! — Jetzt kömmt erst das eigentliche Sündenregister zur Erklärung der Tugend. „Die wahren (?) Ursachen dieser Erscheinung mögen (Gottlob! daß nicht: müssen) folgende sein: a) Die Juden im Allgemeinen bringen sich leichter fort als die Christen." „Ihr Schacherhandel macht es ihnen leicht, eine Familie zu ernähren, was bei den Christen nicht so leicht wird. Die Juden heirathen daher häufiger und schneller als die Christen, und hierdurch wird der Unzucht vorgebeugt u. s. w." — Dieser Grund kann aber dem wahrheitsliebenden Vers, nicht genügen, denn Baiern widerlegt ihn sogleich. Dort nämlich „werden, dem Vernehmen nach, den Heirathslustigen (ach! welche Schadenfreude äußert in diesem Wort nicht der Vers.!) Juden mehr Hindernisse in den Weg gelegt. Daher sollen auch dort verhältnißmäßig mehr uneheliche jüdische Kinder geboren werden." (Was wirst er hier für ein Licht auf eine Gesetzgebung, durch welche die armen Judensöhne, die doch auch aus Fleisch und Blut bestehen und nicht frei von allen Leidenschaften und menschlichen Schwächen sein können, veranlaßt werden, unsittlich zu leben. —) „Indessen soll auch dort die Zahl der unehelichen Christenkinder die der unehelichen Judenkinder übertreffen." Statt nun diese Moralität der Juden Baierns im Gegensätze zu den dortigen Christen zu