Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1841)
- Date
- 1841-08-07
- Page
- Seite 457 (sequence 9)
- Language
- German
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I 457 nicht, wie sehr sich -er Jude damals mit seinem Handel — dem einzigen ihm gestatteren Erwerbzweige, — zu plagen; wie er die ganze Woche hindurch mit allen Entbehrungen zu kämpfen hatte, und wie er allenthalben verspottet und von jedem Gassenbuben mißhandelt ward — so daß ihm gewiß jede — „Wollust" vergehen mußte: — so sind sie im Jahre 1841, und dazu noch in Würtemberg, wo die Juden in keiner Beziehung — wie dieses allgemein bekannt und auch öffentlich anerkannt wird—den Christen nachstehen—die unverzeihlichsten Vergehen gegen Juden und alle guten Menschen. — Aber um der „Fische" willen, die der Jude „dem Talmud zu Folge für ein nothwendiges Erforderniß frommer Sabbatfeier hält," beneidet Ihr ihn! Wahrscheinlich hat einmal ein reicher frommer Jude Jebenhausens dem Herrn Pfarrer einen schönen Hecht wertheuert oder gar weggekauft, woher der gerechte Zorn gegen das Wohlleben der Juden Jebenhausens! —Höret aber, ihr Alle! die ihr die Juden um ihre Sabbatsische beneidet, daß diese Fische besser auf die Moralität der Juden gewirkt haben, als all' euer Predigen und Katechisiren an Sonn - und Feiertagen. Der Jude ißt seine Fische, sein weißes Brod und sein Fleisch zu Ehren des Sabbat, und nicht um seinem Leibe bene zu thun, da er sich ja in der ganzen Woche aller bessern Speisen enthielt. Dieses genoß er in seinem Hause mit seiner Frau und seinen Kindern, ging aber nicht in Wirthshäuser, um dort den Sabbat zu ehren und alles, was er in der Woche verdient hat, zu vergeuden. Er ehrte und heiligte aber den Sabbat nicht allein durch Fischessen, sondern auch durch das pünktliche Besuchen des Gotteshauses, das Anhören religiöser Vorträge und das Lesen in moralischen Büchern und vorzüglich noch durch das strenge Enthalten von jeder, auch der kleinsten Arbeit; dies ist der Hauptgrund seiner Sittlichkeit und seines häuslichen Glückes! — Was bewirkt aber ihr durch all' euer Predigen? Wie werden bei euch die Sonntage gefeiert? In den Wirthshäusern, auf den Kegelbahnen, in Tanzhäusern rc. rc. — Da sind mir wahrlich die, die Sinnlichkeit anregen sollenden jüdischen Fische noch lieber! — Er fährt weiter fort: „Insbesondere aber scheint das Beispiel seiner Vorväter, das ihm durch seine heiligen Bücher m Augen gelegt wird, und selbst sein Gesetz der Tugend, der Keuschheit gar nicht förderlich zu sein. Die gefeierten Männer seiner Nation, ein Abraham, Jakob, David u. a. lebten nicht blos zum Theil in der Polygamie, sondern sogar im Konkubinat. Und während die christliche Religion sich so oft und so stark wider die Unzucht ausspricht, erlaubt das mosaische Gesetz einem Vater, seinem Sohne eine Leibeigene als Konkubine beizulegen, bis er ihm eine rechte Frau geben wolle 2 Mos. 21, 9—11., und mit so schweren Strafen es auch den Ehebruch belegte, für die Hurerei (wenn es nicht gerade Hurerei mit einer Priesterstochter oder Wittwe (?) oder Braut war) bestimmte cs, eigentlich keine Strafe; wenn der Verführer die Verführte heirathete (2 M. 22, 16.), so war alles in der Ordnung." — Hier haben wir nun den frommen Bibelgläubigen, der gegen die „Bibelseinde" kämpfet, und den wahren Schüler des verschollenen Darmstädter Ahasveros, vor Augen. In seiner Leidenschaftlichkeit crdreistet er sich, den biedersten und edelsten Charakter eines Abrahams — wie gewiß die ganze Christenheit keinen schönern aufzuweisen hat — zu schänden und zwar, weil er — nach der Sitte damaliger Zeit — eine Konkubine genommen hat. — Wir rathen dem Herrn Seelsorger und Prediger Pager, die Geschichte Abrahams doch etwas genauer durchzugehen, und er wird dann in dieser Stoff genug zu Predigten für ein ganzes Jahr finden, die gewiß, sowol zu seiner eignen, als auch seiner Gemeinde Besserung dienen werden. Auch möge er die Sündengeschichte David's mit Bat-Seba, wenn auch nur oberflächlich lesen, und er wird sich dann sogleich überzeugen müssen, wie eine solche That in der jüdischen Religion aufs Strengste gemißbilligt wird, und wie diese auch David so aufrichtig bereuet hat, so daß gerade diese Geschichte am geeignetsten ist, die Sittlichkeit der Juden zu befördern. Was soll aber der arme Jakob hier thun? Was hat denn er dadurch für eine Sünde begangen, daß er — ebenfalls nach der Sitte damaliger Zeit — 4 Frauen genommen hatte? Unsere heiligen Schriften sind zu ehrlich für solche Personen, wie Hr. Pfarrer Pager, indem sie die Mängel, auch ihrer gefeiertsten Männer mit der größten Unparteilichkeit erzählet, damit der Israelit an diesen Männern nicht nur sehen soll wie er leben muß, sondern auch, wie i er nicht leben darf. Denn überall werden die 32"