Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1841)
- Date
- 1841-08-07
- Page
- Seite 456 (sequence 8)
- Language
- German
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456 Wunder buchstäblich wahr, mir dem Alten Testamente verfahrt ihr aber nach Willkür und schlägt immer darauf mit eurem dummen Verstände; denn — „es ist ein Jude!" Trefflich hat euch schon hierüber vr. Straus in seiner Streitschrift gegen Strudel eine Nase gediehet. — Diese ganze unfruchtbare Diskussion über die große Fruchtbarkeit der Israeliten in Aegypten beruht nun auf der bestimmten Voraussetzung, daß „außer 70 männlichen Gliedern der Familie Jakobs nur noch so viele weibliche in Berechnung genommen (1 Mos. 46, 26.) würden, wiewol man, um der Polygamie willen, vielleicht wenigstens doppelt so viele annehmen dürste. Dies ist aber ganz falsch; denn in dem angeführten V. wird nur gesagt, daß die „Frauen der Söhne Jakobs" nicht mitgerechnet sind, die übrigen vorhandenen weiblichen Personen, wie Dina und Serach (Tochter Assur's) und nach dem Talmud auch Jochebed, rverden unter die 70 gezahlt, und ausdrücklich heißt es V- 15. „Söhne und Töchter, zusammen 33 Personen." Die Söhne Jakobs mußten nach des Vers. Berechnung, „um der Polyj gamie willen" allein „doppelt so viele" (2 mal 70) Frauen gehabt haben. Dieses wäre aber doch etwas zu viel gewesen! — Hierdurch ist nun ein großer! Strich durch diese ganze so genaue Rechnung des Pfarrers Pager gezogen. — Die zweite Bemerkung sucht die auffallende Erscheinung zu erklären, „daß, wenn schon im Ganzen die Sterblichkeit der Juden als sehr gering erscheint, doch die Sterblichkeit ihrer Kinder unter 1 Jahr auffallend groß ist." Wir gestehen, daß in dieser Bemerkung unter vielem Falschen und Boshaften — was wir nicht weiter erörtern wollen — sich auch manches Wahre, wenn auch nichts Neues vorsin? det, besonders über die nachtheiligen Folgen des häufigen Badens der Frauen im Kalten. Da .dieses nicht zu oft wiederholt werden kann, so lange dieses Nebel noch in vielen Gegenden, besonders auf dem Lande, vorhanden ist, so wollen wir diese Rüge des Vers, hierher setzen: denn auch von des Feindes Mund nehmen wir sehr. bereitwillig Belehrung an. „Wenn aber säugende Weiber solche Bäder (kalt) nehmen, so konnte es wol nicht anders sein, als daß dies auch auf die Säuglinge nachtheilig wirkte, und die Gichter, an denen so viele Judenkinder sterben, möchten wol davon herrühren." Auch wird von ihm das Fasten der säugenden Frauen als Grund hierzu angegeben. — Wir kommen nun an die dritte 'und letzte Bemerkung, in welcher sich der Vers, als den größten Judenfeind, der je gelebt, zu erkennen giebt, so daß er, selbst Eisenmenger, Schut, Hartmann und den verschollenen Darmstädter Ahasveros bei weitem übertrifft. — Sie beginnt also: „Die merkwürdigste Verschiedenheit zwischen Juden und Christen ergiebt sich aber, wenn man die unehelich gebornen Kinder Beider mit einander vergleichet. Bei den Christen Jebenhausens ist nämlich das Verhältniß der Unehelichen zu den Ehelichen wie 1: 8,375; bei den Juden hingegen wie 1: 172." — Diese Lugend der Sittlichkeit, die sich Gottlob! nicht nur bei den Juden Jebenhausens, sondern auch aller Städte und Länder, und selbst auch in der frommen Stadl München findet, war von jeher allen Judenfeinden ein Stein des Anstoßes. Keiner von allen sucht aber auf eine so gehässige Weise, sowol diese als noch andere den Juden zuerkannte! Tugenden, in Laster umzuwandeln, als der Herr Pfarrer Pager. Wir wollen daher das nicht sehr angenehme Geschäft übernehmen, diesen gewissenhaft! ten und ehrlichen Seelsorger hierin Schritt für Schritt zu folgen. Er fährt also fort: „Bei den Juden sollte man eher das Gegenthcil vermuthen. Der christliche Landmann muß hart arbeiten, und genießt eine einfache vegetabilische Nahrung; der Jude hingegen ist in Vergleichung mit dem christlichen Bauer ein Müßiggänger, und wartet seines Leibes, — und speist denselben (zwar nicht, wenn er draußen auf dem Schacherhandel, aber daheim) meist mit animalischer Kost, namentlich mit Fischen, die er, dem Talmud zu Folge, für ein nothwendiges Erforderniß frommer Sabbatfeier hält — so daß man meinen könnte, die Sinnlichkeit sollte bei ihm stärker aufgeregt werden, als beim geringen Volke des Christen." Diese Aeußerungen würden wir in der Zeit, in welcher sie für die „evangel. Synode" geschrieben worden sind, nicht so übel und als absichtliche Verläumdung ausgenommen haben, als jetzt im Jahre 1841, wo sie der Herr Oberkonsistorialrath und Hofkaplan durch deren Aufnahme in die „Studien der evangelischen Geistlichen Würtembergs," verewigen will. Waren diese auch damals schon offenbare Unwahrheiten — denn wer weiß