Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1841)
- Date
- 1841-08-07
- Page
- Seite 455 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225206--03717-3313270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
455 Zufälligkeiten hinreichend erklärt — auf besondere, von andern Religionsgenossen verschiedene Eigenthümlichkeiten der Juden zu schließen. — Es fällt mir dann sogleich der Satz des Talmuds bei: „Am gemessenen und Gezählten ist kein Segen;" und ich stelle mir unter diesen gründlichen Rechenmeistern und „Kirchenbüchersührern" lauter— Pharao's und ägyptische Weisen vor, die da fürchten, die Juden könnten sich so vermehren, daß sie die Christen aus dem Lande jagen. Daher sprechen sie: „Wohlan! wir wollen uns klug mit den Juden benehmen, damit sie sich nicht so vermehren und ausbreiten im Lande; wir wollen-!" diese Aengstlichkeit,ist gewiß auch bei unserm Pfarrer entstanden; er sagt daher mit furchtsamen, prophetischen Worten: „Wenn es so fortgeht, so wird nach etwa 16 Jahren die jüdische Bevölkerung in Jebenhausen der christlichen gleich kommen." Die Folgen hiervon — läßt der weise Mann errathen, so wie auch die Mittel, die gegen dieses Uebel angewendet werden müssen. — Und wie muß er sich nicht in seinen alten Tagen freuen, da — wie aus der Anmerkung der Redaktion hervorgeht — 1840 seine Prophezeiung noch nicht in Erfüllung' gegangen war, und gewiß wird er somit in einem „guten Greiscnalter begraben werden," was jeder Jude ihm gewiß von ganzem Herzen wünscht. — Zur Erklärung dieses merkwürdigen Verhältnisses ist daher auch dem Vers, nicht hinreichend, daß — was er selbst angiebt — i) die Sterblichkeit bei den Juden in Jebenhausen geringer als die der Christen war; von den Christen 27, von den Juden aber immer 4 mehr auswanderten als einzogen; 3) die Juden von 1812—1822 reinen einzigen Mann — die Christen aber 10 zum Militär gestellt hatten; 4) die Juden verhältnißmäßig mehr junge Ehen als die Christen hatten und endlich — was der Vers, nicht angiebt, 'und von seinem höchst menschenfreundlichen christlichen Standpunkte aus — wie wir weiter sehen werden — auch nicht kann — 5) daß bei den Juden Jebenhausens in diesem ganzen Zeitraum nur eine uneheliche Geburt vorgekommen, welches ein Beweis von ihrer Sittlichkeit ist, und somit hinreichend ihre größere Fruchtbarkeit in der Ehe erklärt, weil sie nicht — wie ihre christlichen Mitbewohner — ihre Kräfte und Säfte voraus vergeudet haben-. ftein, dieses alles ist noch nicht hinreichend, es muß vielmehr noch „vorerst seinen Grund haben in der größeren ehelichen Fruchtbarkeit der Juden, und natürlich findet diese allgemein und an und für sich Statt! die Juden müssen demnach eine besondere Mensch enrace ausmachen! — Hiermit noch nicht zufrieden, bemerkt die zuckersüße Redaktion in einer Anmerkung (S. 140). „Ein weiterer Erklärungsgrund der starken Progression der jüdischen Bevölkerung möchte darin liegen, daß der Talmud die Fortpflanzung zum absoluten Gebote macht, indem er in 1 Mos. 1, 28. (Talm. Tr. Jebamot fol. 64.) bemerkt: „Jeder Mensch ist verpflichtet, eine Frau zu nehmen, um das Menschengeschlecht zu vermehren" etc. — Wir wissen aber, und gewiß auch die Redaktion, sehr gut, wie wenig dieses Gebot in das praktische Leben der Juden übergegangen ist, so daß man mit Bestimmtheit behaupten kann, daß unrer 100 Ehen nicht einmal Eine demselben zu Gefallen geschlossen wird. — Lächerlich ist es nun, wenn der Vers, mit prätentiöser, oberflächlicher Gelehrsamkeit von der „auffallend starken Bevölkerung der Juden in Jebenhausen einen apologetischen Gebrauch" machen will, um daraus „die von Bibelfeinden schon so oft angcfochtene Vermehrung der Israeliten in Aegypten" zu erklären. Von einer kleinen Anzahl Juden in Jebenhausen, die im Jahre 1812 sich auf 289 belief, und 1822 durch viele Zufälligkeiten sich bis zu 376 vermehrte, soll die wunderbare starke Vermehrung der Israeliten in Aegypten — wo solche Zufälligkeiten nicht ftattsanden — erklärt werden! — Noch lächerlicher wird dieses aber, indem sich der Vers, für einen Bibel freund ausgiebt und gegen die „Bibelfeinde" in den Kampf zieht. O meine Bibel! wie schlecht stände es mit dir, so du lauter solche Wertheidiger hättest. Wird denn nicht 2 Mos. I, 12 ausdrücklich gesagt: „Je mehr sie es (Israel) aber drückten, desto mehr nahm es zu, und breitete sich aus," worin ja deutlich die besondere Fürsehung Gottes auf das gedrückte Volk ausgesprochen ist? Oh! ihr Heuchler! die ihr so dreist und unverschämt seid, euch für Bibelfreunde und Verehrer auszugeben, und dennoch das einfachste göttliche Wunder, besonders im Alten Testamente, durch eure elenden Kombinationen wegleugnet!! — Anders und daher ganz inkonsequent verfahrt ihr mit eurem Neuen Testamente, da ist euch auch das vernunftwidrigste