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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-07 · Heft 32 (7.8.1841) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 32 (7.8.1841)
Date
1841-08-07
Page
Seite 453 (sequence 5)
Language
German
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453 Synagoge Nichts zu theuer!— thörkchter Aufwand aus Prunksucht und Ignoranz erstanden! — Als wenn Synagoge ohne Schule bestehen könnte! — Und so ward, was daraus entstehen muß, auch in Stettin wird die Synagoge außer den hohen Festtagen wenig besucht. Dem Geiste der jungem Generation sagen die vorgetragmen Gesangstücke aus den Opern „Norma, Tankred" u. dergl. in der iwnp nicht zu; da gehen sie lieber in's Theater, und Horen es dort besser singen, auch ein mit altpolnischem Jargon und *>1^ selbstgefällig vorgetragener nwm tiWN kann sie nicht erbauen. -Mit Ruhe und Andacht ohne theatralische Gestikulationen, aber mit feierlichem Gesang vorgetragene Gebete verfehlen niemals ihren Zweck, und die sammtliche Gemeinde enthalt sich während dessen der so sehr überhand nehmenden Alltagsgesprache und sonstigen Störungen! — So nimmt der Jndifferentismus, dieser alle Organisation zerstörende Krebsschaden, mehr und mehr auch hier überhand; denn bereits befinden sich hier viele jüdische Hausvater, welche sich der jüdischen Gemeinde hier nicht angeschlossen, und niemals die Synagoge besuchen! — „Wir sollen den Beitritt zur Gemeinde mit 105 Thlr. außer Zahlung der laufenden Beitrage erkaufen, und keine Erbauung in eurer Synagoge finden, ihr wollt unser Bestes — d.. h. unser Geld — und nichts zu unserm Besten thun, nichts zur Verbesserung des Kultus, nichts zur Verbreitung religiöser Bildung aus unhaltbaren orthodoxen Gründen thun; so sondern wir uns ganz von euch, ehe wir uns euren heterogenen Begriffen und geistigen Bedrückungen fügen!" So vertheidigen jene ihre Absonderung, und welcher Verständige, könnte darüber zweifelhaft sein, wo die Ursachen zu diesem verderblichen Zwiespalte liegen, wer das Unrecht verschuldet? — Es rächte sich aber auch gleichsam das Schicksal an dem Schulgelaß ohne Schule, der den Gebäuden so verderbliche „Hausschwamm schießt — allen angewandten kostspieligen Reparaturen und Gegenmittel ungeachtet — wuchernd darin empor, und es naht mit Riesenschritten „das eherne. Zeitalter," indem es nöthig wird alles schwammige Holzwerk aus den Gebäuden zu entfernen, und durch Stein oder Eisen zu ersetzen! — Begeistert für unsere heilige Religion, blutet mein Herz, ein so trauriges Bild von dem jüdischen Gemeindewesen der Hauptstadt unserer Provinz geben zu müssen, und die lauterste Wahrheit sage ich, ohne Uebertreibung, ohne Parteilichkeit. Ich fordere alle Wahrheitsliebende, alle Bestgestnnten 'aus, mich wenn sie ihrer innersten Ueberzeugung nach dürfen, der Lüge, der Uebertreibung zu zeihen. Wie angenehm wäre es mir, ein heitereres Bild der Zustände gedachter Gemeinde entwerfen zu können, aber es wäre Sünde, wo es sich um so geheiligte Dinge handelt, wie Schule und Synagoge sind, die Wahrheit zu verhüllen. An euch ihr im vorgerückten Alter stehenden, so gerne als fromm geltenden Juden Stettins, die ihr dort die Träger des Judenthums zu sein wähnt, die ihr euch als Wächter (mancher durch Atter tief eingewurzelten Mißbräuche) unserer heiligen Religion bestellt glaubt, die ihr jeder, auch der nützlichsten und zeitgemäßesten Reform durch starre Orthodoxie — oft die Ausgeburt der krassesten Unwissenheit — durch stete Opposition und Hindernisse aller Art, entgegenstrebt, die ihr glaubt, den Gott unserer Väter durch Mizwot-Auktionen zu verehren, durch polnisch-deutsche Deraschot Ihn zu verherrlichen, und durch biederes deutsches belehrendes Wort vor 'izw gesprochen, Seinen Zorn auf euch und eure Nachkommen zu laden; an euch ergeht mein mahnendes Wort! — Seht euch um in eurer Synagoge, ob Andacht darin herrscht, seht euch um, ob eure Söhne, eure Töchter zahlreich dieselbe-füllen? — Fragt sie väterlich ermahnend, ob sie sich darin erbauen? — Legt eure Hand aufs Gewissen, und fragt euch selbst ob ihr euch wirklich mit Gottesverehrung erfüllet, und dann denkt euch in die Seele derer, welche Erbauung suchten, und sie nicht fanden in den heiligen Räumen, Trost und Stärkung in der Religion suchen, und sie mangelhaft oder gar nicht kennen gelernt haben. — Seht euch um in der einzigen, von einem Privatlehrer hier gehaltene jüdische Schule, von etwa 60 schulpflichtigen Kindern empfangen dort 10 Unterricht, dieandern besuchen christliche Schulen, genießen darly freilich keinen Religionsunterricht, und wachsen so auf wie das Wild des Feldes! — Ist es nicht auch euer sehnlichster Wunsch, eure von den Vätern erhaltene Religion ungetrübt zu bewahren, und euren Nachkommen einst zu überliefern? — Ach unser Glaube ist ja das einzige Gemeinsame das wir besitzen, das Band, das uns vereinigt, ja Jahrtausende lang vereinigt hat! Von der Schule hangt Wohl und Wehe der kommenden Generation ab, soll die Synagoge bevölkert sein, so muß die Schute die Mittel dazu liefern. Darum ihr, die ihr Stützen des Glaubens zu sein wähnt, laßt nicht

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