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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-07 · Heft 32 (7.8.1841) · p. Seite 452

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 32 (7.8.1841)
Date
1841-08-07
Page
Seite 452 (sequence 4)
Language
German
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452 —. Auch Se. hochfürstliche Durchlaucht von Schwarzburg-Sondershausen haben von dem Bibelwerke des vr. Philippson, so weit es bis jetzt veröffentlicht ist, Notiz zu nehmen geruht, und demselben ein höchst anerkennendes Schreiben von Seiten des gesummten hochfürstl. Geheimraths-Collegiums, und als „Zeichen gnädigster Anerkennung" eine werthvolle Tuchnadel zustellen lassen. Berichte über den Stand des Kultus. Stettin, im Juni. Hier dursten bekanntlich vor Emanirung des König!. Edikts vom II. März 1812 keine Juden (mit Ausnahme eines wegen des Koscherweines hier Bestallten) wohnen. Das Gesetz vom 11. März erschien, die hiesigen Thore öffneten sich nicht sobald für unsere Glaubensgenossen, als auch selbige aus kleinen Städten, welche mehr oder minder zahlreiche jüdische Gemeinden hatten, sich hier niederließen. Etwa 12 Familienhäupter (sämmtlich Kausteute) begannen hier eine kleine Gemeinde zu bilden, sie mietheten ein kleines Lokal zur Betstube, engagirten einen Schächter welcher zugleich das Vorsängeramt verrichtete, und lebten, da sich Konkurrenz in ihren Geschäften nicht fühlbar begegnete, friedlich neben einander. Brachte auch Jeder aus seinem frühem Wohnorte seine mit, und wollte dieselben als allen Andern vorziehend, ausgeführt wissen; so trat eine hier allgemein und mit Recht geachtete Autorität, jener oben erwähnte über den Koscherwein Bestallte, Herr Heyman Borchart (Verfasser des Masslul u. and. jüd. Schriften) dazwischen, und seine Worte ehrend, genügte Jedem sein Ausspruch. Ein abermaliger Beweis, wie Autorität verständig angewendet, die heterogensten Begriffe in ein friedliches Ganzes zu vereinen vermag. Erwähnter Herr H. B. übernahm die Aufsicht über die jüdische Schule, welche hier ein Privatlehrer errichtet hatte, und wenn man den Werth einer guten Schute, nach dem Wissen der daraus hervorgegangenen Schüler beurtheilen kann, so muß jene Anstalt vorzüglich genannt werden. Wie Vieles ist seitdem Anders geworden! — Der gelehrte B. starb, die Autorität war dahin, Schute Und Synagoge standen ohne Aufsicht. Man kann den Abschnitt, von Einwanderung der Juden nach Stettin, bis zur erwähnten Zeit, füglich das goldene Zeitalter der hiesigen Juden nennen, denn sehr gehoben hatte sich die finanzielle Lage der Gemeindemitglieder, und deren Kinder waren in wissenschaftlicher Hinsicht nicht zurückgeblieben. Allmalkg wanderten mehrere jüdische Familien hier ein, die Betstube ward nunmehr zu klein für die Gemeinde, und statt sich ein größeres Lokal zu miethen, ward nach öfteren Versammlungen der Mitglieder endlich der Beschluß gefaßt, eine neue Synagoge zu bauen. Die königliche Eclaubniß zum Bau derselben nebst Schulgelaß erfolgte sehr bald, der Grundstein ward von dem Herrn Oberpräsidenten mit üblicher Feier gelegt, und nun tritt das silberne Zeitalter der jüdischen Gemeinde hier ein, da die Mitglieder zu dem zu voreilig unternommenen Bau tüchtig zahlen, und noch bedeutende Schulden machen mußten. Die erwählte Baukommiffion bestand aber auch aus Leuten, die im Baufache gar nicht erfahren, welches sich der den Bau speziell leitende Techniker recht gut zu finanziellem Vortheile zu machen wußte, so daß die sammtlichen Gebäude die enorme Summe von 10,000 Thalern kosteten, worauf j Schulden haften blieben. Wir werden weiterhin sehen daß dieser Bau selbst das eherne oder eiserne Zeitalter hecbeigeführt hat. Zu der neuen Synagoge ward auch ein neuer Kantor, Schächter und Synagogenbediente, alles in Einem angeschafft und mit 500 Thlr. fixirten Gehalt jährlich honorirt. An Errichtung der Schule wurde nicht gedacht, freilich ward das Schulgelaß königl. Ordre gemäß erbaut, aber nicht um eine Schute darin aufzunehmen, um tüchtige Stützen des Judenthums zu bilden, um den Kindern wahre religiöse Bildung anzueignen — zu einer Privatwohnung wurde es vermiethet, und somit eine Beisteuer zur Deckung der großen Zinsausgaben beschafft. Auch ließ es die Königl. Regierung an Erinnerungen wegen der Schule nicht fehlen, und hatte wahrscheinlich freien Holzbedarf dazu bewilligt, aber es verblieb beim Alten, indem man sich mit der Erklärung „daß die Ausgaben der Gemeinde zu groß seien, um noch eine öffentliche Schule zu errichten, daß hier auch ein Privattehrer sei, welcher die Kinder derjenigen Ettern, die es wünschten, Religionsunterricht ertheilen könne" begnügte. Für die Schule die Ausgabe zu groß — für die

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