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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-31 · Heft 31 (31.7.1841) · p. Seite 445

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 31 (31.7.1841)
Date
1841-07-31
Page
Seite 445 (sequence 9)
Language
German
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wenn man den ganzen Stamm, aus welchem er freilich nur ein einzelner, sogar abgelöster Ast ist, niederhaut? Wenn man dies vermöchte! Von vorn herein, was in benannter No. XV. steht, ist nicht Göthens, ist Riemer's. Das wiegt freilich unendlich leichter., Und dann findet man sich in guter Gesellschaft, denn Alles wird geschmäht, was je mit G. in Berührung trat, von Lessing an. Das tröstet schon. Erinnern mag man sich aber auch, daß so groß und sinnig Göthe auch über eine reiche Menge von Erscheinungen dachte — Staat, Politik, Geschichte, Volksthum, über diese bedeutenden, unsre Zeit am meisten ausfüllenden Elemente der Wirklichkeit hat er sich Weniges zum Bewußtsein gebracht, dies war ihm nicht gegeben. Seine Ansichten auf jenem Gebiete sind überall einseitig, zum größten Theile aber hat er selbst sie von sich abgewiesen, abgelehnt. Natur, Kunst und der Mensch in seiner Individualität waren die Gegenstände, die er in den Schmelztiegel seiner geistigen Thätigkeit brachte, Volk, Staat, Geschichte, für diese fand er wenig Fasern in seiner Geisteskonstitution. Wir haben mit Absicht „Religion" ausgelassen. Denn die positive Religion gehört der Geschichte an, der freie Kultus der Gottheit aber hat gewiß in dem Innersten des großen Genius gelebt, und wenn er uns nicht zu oft über die Fülle solcher Regungen iw sich Aufschluß giebt: so haben wir die heilige Scheu zu achten, die er selbst hierin zu achten für gut fand. Nicht die, welche am meisten den Herrn im Munde führen, sind seine wahrhaften Verehrer. Haben wir Juden demnächst selbst Göthens Urtheileu über uns nicht viel Gewicht beizulegen, da er für die Gebiete, in die wir gehören, kein scharfes Organ besessen: was nun Betreffs der Riemer'- schen Schmähungen? Zuerst hebt Riemer hervor, daß Göthe bei gebildeten Juden, insonders Jüdinnen, mehr und leichter Anklang gefunden, als bei christlichen Deutschen, ja daß Göthe solchen Damen gern seine neuesten Produkte vorlas. Deshalb finden denn so weit die Juden Anerkennung bei Riemer, er loht ihre schnelle Fassungsgabe, ihren penetranten Verstand, ihren Witz. Auch dem Dichter Michael Beer, dem Maler Oppenheim, dem Komponisten Felix Mendelssohn erwies Göthe sich freundlich, wie sie gegen ihn verehrend. Aber Heine, aber Börne? Dies« haben es gewagt, Göthe von ihrem Standpunkte anzugreifen, bitter, heftig anzugreifen, „ein Frankfurter Schutzjude einen Frankfurter Edlen" (S. 434) — nun und dafür muß das ganze jüdische Volk enthauptet werden. Nun haben die Juden stets alle anders Denkenden gehaßt (als ob es nicht gerade umgekehrt gewesen, und man den Juden je hätte das ihre lassen wollen!); nun hat „ihr theokratischer Egoismus es verstanden die übrige Welt nur einzig für sie selbst und ihre Geschichte einzunehmen, die Thaten und Leiden anderer Völker aber,. deren Verdienste um Wissenschaft und Kunst in den Hintergrund, ja ganz in Schatten zu stellen;", (man merke wol, ist dies nicht durch das Christenthum und seine Bekenner geschehen? und will man dies als Zweig des Judenthums mit diesem identisiziren, welch' eine geistige Gewalt mußte das Judenthum besitzen, um solches hervvrzubringen, daß das materiell schwache Geschlecht sich die Welt geistig eroberte? und wie tief mußten die Völker des Alterthums gesunken sein, um sich so bezwingen zu lassen? Und wie, wodurch erhielten sich denn die germanischen Wanderstämme, die über die «vilisirte Welt hereinbrachen, aufrecht? vermochten sie es durch das kindisch gewordene Hellas, durch das entnervte Rom? oder durch den Ausfluß des Judenthums? Wie? erst verherrlicht Ihr das Christenthum als die Rettung der Welt, und dann schmäht Ihr das Judenthum, weil es die Mutter des Christenthums war, und dieses durch den Geist jenes sein Werk vollbrachte?) Und so schmäht Herr Riemer fort, daß das Judenthum die Fortschritte der Wissenschaften aufgehalten — erinnert sich aber nicht, daß es Hunnen und Germanen waren, welche die Civilisation des Alterthums entthronten; ja selbst die Schöpfung des Papstthums wirst er den Juden vor, bei denen doch die Priester eben so sündige, der Sühne bedürftige Menschen waren, wie Alle, bei denen auch die Priester dem gemeinen Recht unterworfen waren, und der Mörder vom Altäre selbst gerissen ward (2 Mos. 21, 14); und endlich kömmt auch der Vorwurf des Geldhanbels wieder, als ob die Juden nicht zu diesem gezwungen, auf diesen beschränkt worden. Nicht.minder zieht er eisen allerdings unreifen Entwurf des sel. Jacobsohn, in welchem dieser ein allgemeines Konsistorium für die jüdischen „gottesdienstlichen" Angelegenheiten dem Kaiser Napoleon porgeschlagen, bei den Haaren herbei, um den Juden den Mangel an 31«

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