Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1841)
- Date
- 1841-07-31
- Page
- Seite 443 (sequence 7)
- Language
- German
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443 •jkiü'»), und waren viele seiner Diener Juden, auch sei er sehr bewandert im mosaischen Gesetz, und lese und schreibe das Hebräische. Ungefähr 1000 Juden wohnten daselbst, in Frieden, Freiheit und Ehren, unter ihnen befanden sich viele Gelehrte und Weisen; zehn talmud. Kollegen blühten hier. - Das Haupt des fünften war Eliesar ben Zemach, der seinen Stammbaum bis auf Samuel den Propheten hinaufführte, und mit seinen Brüdern die Musik, die im Tempel exekutirt wurde, verstand. Die Häupter der zehn Kollegen halten am Montag einen gemeinsamen Gerichtstag. Das Haupt Mer aber ist R. Daniel ben Chisdai, der bei den Juden den Titel führt: mVa sein Geschlecht vom Könige David ableitet, und deshalb von den Mahomedanern Saidna ben David genannt wird. Er hat den Oberbefehl über alle jüdischen Gemeinde» unter der Herrschaft des Kalifen, von dem er hierzu ein Dienststegel erhalten. Jedermann, sei es Israelit, sei es Mahomedaner, muß vor ihm aufstehen und ihm huldigen, bei Strafe von hundert Schlägen. Sobald er dem Kalifen einen Besuch abstattet, begleitet ihn zahlreiche Reiterei aus Mahomedanern und Juden, und man ruft vor ihm aus: „Macht Platz vor dem Herrn, dem Sohne David's." Er reitet dabei auf einem Pferde, ist mit einem seidenen goldgestickten Gewände bekleidet, und hat einen großen Turban mit einem Diadem auf dem Haupte. Die Oberherrlichkeit des Rosch Galut erstreckte sich über die Juden in Mesopotamien, Persien, Pemen, Armenien, bis zu den „eisernen Thoren Alexander's," Georgien bis zum Opus, bis zu den Granzen von Tibet und Indien. Nur er gab den Gemeinden Erlaubniß, sich Rabbine und Ehasan zu wählen, diese werden von ihm ocdinirt (!-D'»bö), wobei sie. ihm Geschenke übergeben. Er besaß Gärten, Lusthaine in Babylonien, ausgebrektete Ländereien, von seinen Vätern ererbt, auch hatte er ein gewisses jährliches Einkommen von den Juden der Gegend, außer dem was man ihm von ferneher brachte, und er war sehr reich, aber auch freigebig, da er jeden Tag große Tafel hielt. Wenn der Rosch Galut installirt wurde, so mußte er dem Kalifen, seinen Fürsten und Edelen prächtige Geschenke machen. Der Kalif weihte ihn ein, dann fuhr er im Staatswagen des Kalifen nach seinem Hause, unter Begleitung von Pauken und Reigen. — Bagdad enthielt 28 Synagogen, theils in Bagdad selbst, theils in Al-Kork, an der andern Seite des Tigris, der die Stadl theilt. Die Hauptsynagoge de§ Rosch Galut war mit Säulen von farbigem Marmor geschmückt, die mit Gold und Silber überzogen; auf die Säulen waren Psalmsprüche in goldenen Buchstaben geschrieben. Zur heiligen Lade führten zehn Marmorstufen. Auf der obersten waren die Stellen des Rosch Galut und der anderen Prinzen aus dem Hause David. — Von Bagdad nach Ras-Al-Aien, wo 5000 Juden, und nach den Ruinen von Babylon. Zwanzig Meilen davon leben 20,000 Juden, und beten in.der Synagoge, welche Daniel erbaut haben soll. Hilla mit 10,000 Juden, Rapacha mit 200 Juden. (Fortsetzung folgt.> Tages-Controle. Polemik.!. |- Der Tod verklärt die Persönlichkeit des Men«! schm, die Zeit verwischt die Mängel und Schwäj chen, die seiner irdischen Natur anhasten. Während daher die Mitwelt, die vom Sturm der Leidenschaft und des Bedürfnisses bewegte, die Schattenparthien an den großen, hervorragenden Individuen begierig aufsucht, vergrößert und hervorhebt, lichtet die Nachwelt, die vom Interesse des Tages für jene nicht mehr getheilte, die dunkelcn Stellen, und bringt die ganze Existenz in das Helle. So ist die Mitwelt immer obscurvoyant, während die Nachwelt zur Elairvoyance sich neigt. Diesem Schicksale war und ist Göthe nicht minder unterworfen. Er wurde angestaunt, vergöttert, er wurde heruntergeriffen, verlästert. Freilich ist seine Mitwelt noch nicht vorüber, Biele, die mit ihm gelebt, die eine ziemliche, bedeutungsvolle Zeitperiode mit ihm durchgemacht, leben noch. All' die Zeugnisse, welche Zeitgenossen über ihn abgegcbes, sind noch nicht von der Zeit verzehrt und vergessen gemacht. Aber die jüngeren Geschlechter wissen weniger davon, und werden dadurch immer mehr befähigt, ihn in seiner bleibenden, überdaurenden Gestalt zu erfassen. — Dazu kömmt, daß die Mitwelt sich die schriftstellerischen Werke aus dem'Leben, der Stellung, dem praktischen Wirken und Thun des Autors konstruirt, die Nachwelt das Leben desselben aus seinen Werken. Und so gelangt die letztere, je mehr sie sich von der erstern entfernt, zu immer tie-