Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1841)
- Date
- 1841-07-24
- Page
- Seite 434 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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434 musikalische Versuche auch auf dem unmittelbaren Boden des Judenthums vorgenommen Würden. Die Nothwendigkeit, den Gesang in den Synagogen zu regeln, trieb schon dazu, und so besitzen wir bereits Wiener und Münchner Gesangweisen, Hamburger Tempelchoräle kursiren abschriftlich, einzelne Chasanim haben hie und da etwas drucken Lassen. Aber abgesehen hiervon, die Gefühle, wie sie in dem jetzigen Juden rege sind, seien sie Begeisterung für unfern reinen Glauben, Erhebung aus der Schmach, die aus uns gelastet, aus dem niedrigen Kutturstande, Ln welchem wir gelebt, Trauer über die Borurtheile, die man wider uns-hegt, die Beschuldigungen, die man wider uns ausspricht, Freude über die Triumphe, die unsre heilige Sache erringt, Zuversicht auf die glückliche Durchführung und die Verklarung unsrer Religion — diese Wechsel- und inhaltsreichen Gefühle, wie sie vielfach im Gewände der Poesie an 'das Licht treten, auch beschwingt durch die Flügel der Töne herausdringen zu lassen: dies fehlte bis jetzt, und liegen in den beiden ersten Gesangstücken, deren Titel wir zusammengestellt, erste derartige Versuche vor. Wir enthalten uns jedes Urtheils über den musikalischen Werth derselben, obgleich wir die Meinung hegen, daß das zweite schon bedeutend besser und musikalisch reiner ist, als das erstere. Das erstere leidet an Unförmlrchkeit, hie und da an Monotonie, wahrend das zweite gerundeter und flüssiger ist. Der Komponist, ein Chasan, der alten Schule entwachsen, und an der neuern Musik gebildet, hat noch den Widerstreit Beider in sich, und ist noch nicht zu einer hohem Einigung gekommen, Beide äußern sich daher, aber noch nicht richtig verschmolzen, in seinen Produkten. Jedenfalls verdienen diese Arbeiten aber als Anfangspunkte einer Richtung, einer neuen Bestrebung alle Achtung und vielen Dank.— Das Projekt, von welchem uns in der dritten Nummer eine Probe nebst Prospektus übergeben worden, ist großartig, ob aber ausführbar? ist eine andre Frage. Die Psalmen sämmtlich in Musik gesetzt, und zwar so: 1) für vier Singstimmen, nämlich: Sopran, Alt, Tenor, Baß, mit einfallendem Chore; 2) für vier Männerstimmen allein, nämlich: zwei Tenors und zwei Bässe, mit einfallendem Mannerchore, 3) die Begleitung für Orgel, Harfe oder Piano! Hierzu nun der Text in vier Sprachen! Die vorliegende Probe enthalt den Psalm 0, einen der kleinsten, und faßt lOHochquart- Seiten (Preis: 12 gGr.). Wie voluminös soll da das Ganze werden! Wir würdigen die Idee dieses Unternehmens sehr, aber es übersteigt die Kräfte, und ist nicht populär angelegt, denn es kann der Gemeinde nur vorgesungen, nicht aber von der Gemeinde gesungen werden. Was den Text anbetrifft, so können wir uns gar nicht mit ihm einverstanden' erklären, die deutsche, französische und holländische Uebersetzung wird mühsam und sprachverrenkt einem angenommenen Metrum des hebräischen Textes nachgebildet. Man lese z. 33. die deutsche: „Zum Dankopfer Lied; So jauchzet vor dem Herrn alle Welten, und dient, dienet dem Herrn voller Freud'! Kommet vor dem Herrn, mit Gesang. Erkennt^, nur unser Herr, Er nur ist Gott! Er erschuf uns, und wir, die Seine, Sein Volk, die Heerd' seiner Weid'! ff." Solche Apostrophieen, wie „erhöht sein' Nam', immerdar sein' Gnad'" u» dgl. sind nicht zu ertragen. B e l l e t t i # .i f. D c r Jude in G r a n e d a. (Fortsetzung.) 19. Als die Mitternacht Ueber der Erde stand. Hat er den Sohn gebracht Mit der zitternden Vaterhand Durch labyrinthische Gange, Die, bald weit, bald eyge, Führen zu tief verborgenen Raumen Unter des Genil's rollendem Schäumen. Langsam schleicht der Greis Mit verdecktem Licht, Oeffnet die Pforte leis. Ob ein heimlicher Lauscher nicht Sein Gehcimniß erschaue — Ha! wie das Haar, das graue. Flattert im kühlen Windeszuge «- Wehe, wer stch ergeben dem Truge! Schau! wie öffnet stch, Fremdgeziert, der Raum! Wie ergreift es mich Als rin seltsam drückender Traum —