Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1841)
- Date
- 1841-07-24
- Page
- Seite 433 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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433 Die Sprache ist des gelehrten Verfassers würdig; einzelne inkorrekte Ausdrücke sielen uns auf. — “pan oder Stunden der Weihe für israelitische Konfirmanden, in einer Reihe von Betrachtungen über die wesentlichsten Punkte der mosaischen Lehre, von Dr. M. Creizenach. Nebst einem Anhänge jüdischer Gedichte von Dr. Theodor Creizenach. Frankfurt am Main 1841. Der unermüdliche Verfasser dieser Schrift hatte zur Absicht, dem jüdischen Konfirmanden außer dem lebendigen Worte des Lehrers, das zwar eindringlicher, aber auch flüchtiger ist, als das geschriebene Wort, Gelegenheit zu geben, durch ein letzteres seiner religiösen Ausbildung zur Hülfe zu kommen. Es werden ihm hier eine Reihe von Betrachtungen eines Konfirmanden, die jedoch sehr oft Belehrungen werden, vorgelegt, deren Beherzigung seinen frommen Sinn nur starken und fördern kann. Sie sind mit geringer Ausnahme so gehalten, daß ein unterrichteter 15jahriger Knabe sie sehr gut versteht und faßt. Auch ist darin nirgends Anstoß gegeben, indem die Jncidenzpunkte der Zeit der Ansicht der Eltern untergeordnet werden. Allerdings hatten sie noch viel weniger erwähnt zu werden brauchen, und Bemerkungen über Leviratsehe und das rabbinische Gericht sind hier gewiß sehr überflüssig. Die Sprache ist klar und einfach, bisweilen ein höherer Schwung, eine lebendigere Warme hatte Nichts geschadet. In Gemeinden, wo die Konsirmat'ion noch nicht eingeführt ist, werden Eltern mit Nutzen ihren zu jener reifen Kindern das Buch in die Hand geben. — Die beigefügten Gedichte haben allerdings keinen Zusammenhang mit dem Buche. An sich aber sind sie wohlmeinend ausgesprochen, in klingender, fließender Sprache. Tiefem Werth hat „die jüdischen Auswandrer nach Amerika," indem darin der Gedanke ausgesprochen ist, daß mit diesen sich auch Israels Lehre nach der neuen Welt verpflanzt. Magdeburg, 27. Juni. (Mkusik.) Angekommen: 1) Israels Glaube, gedichtet und für eine Bariton-Stimme mit Begleitung des Pianoforte in Musik gesetzt, von Herrmann Holzel. Magdeburg, 1841. — 2) An mein Volk! Gedicht von Detmold Löwenheim. In Musik gesetzt von Herrmann Holzel. Magdeburg, 1841. — 3) Probeheft einer vollständigen Herausgabe aller Psalmen in der Ursprache, mit einer treuen, nach dem Metrum des Hebräischen bearbeiteten Uebersetzung in der deutschen, französischen und niederländischen Sprache, und zum Kirchen- und Synagogal-Gebrauch, so wie auch zum Privatleben, in Musik gesetzt von Antoine Berlin. Amsterdam,M840. — Die Töne, welche einst von den Sangermassen der Leviten zu den erhabenen Worten der Psalmen erklangen, sind verhallt, auf ewig, denn sie sind nicht niedergeschrieben zu uns gelangt. Daß die Vereinigung so vieler Sänger und Musiker übrigens schon eine bedeutend geregelte Musik voraussetzt, sei hier beiläufig bemerkt. Im Mittelalter erschuf sich das Judenthum abermals eine eigenthümliche Musik, die sich ebenso durch ihren eigenthümlichen Charakter, tiefste Elegie mit ungemessner Ausführung in Schnörkeln und sigurirten Verzierungen, wie durch ihre recitativische Eigenheit auszeichnete, wodurch die metrische Fassung des Textes ganz gleichgültig war. Wir fürchten, auch diese an Originalität hoch stehende Musik werde verloren gehen, weil sie nicht ausgeschrieben weiter gelangt. Zwar kündigten sich öfter schon neue Synagogalgesänge als lediglich Verbesserungen der älteren Melodien an, aber eben diese Verbesserungen nehmen ihnen das eigenthümliche Gepräge, - verwischen den Charakter, und lassen eine einfache Melodie zurück, wie deren überall existiren. Möchten sich Liebhaber finden, welche durch Geldunterstützung eine Sammlung der bedeutendsten alten Synagogenmelodien zu Stande brächten, aber diese ganz in ihrer Ursprünglichkeit, in ihrer geringen Kunstgerechtigkeit, aber in ihrem wilden, ungezügelten Flusse, ihrer Beweglichkeit, ihrem Feuer, ihrer Seelenlebendkgkeit. Die Barden von Wales halten jährlich ihre Zusammenkunft, eine Gesellschaft, die Prämien, Medaillen ff. austheilt, fördert und erhalt deren Sprache und Gesang. Aber die modernen Juden verachten ihre Antiquitäten viel zu sehr, und die alten Juden, sind viel zu sehr auf Kleinigkeiten versessen, als daß ein.so bedeutendes Werk Jemandem in den Sinn kommen sollte, oder auf Anktang nur zu rechnen hätte. Und doch wäre es ein herrlicher Kommentar zu unsrer Geschichte, und alle Gedichte und Manuskripte werden den Geist des Volkes und seines Gottesdienstes nicht so offenbaren, wie jene Gesänge. Natürlich daß dabei die verschiedenen Minhagim gleicherweise zn berücksichtigen waren. Noch liegt eine solche Sammlung sehr leicht im Bereiche der Möglichkeit. Ob in einem halben Sakulum? ist tie Frage. Daß unter den neueren Bestrebungen, die aus dem Schooße des Judenthums hervorgingen, auch der Musik ein Platz angewiesen werden wird, ließ sich voraussetzen. Wir meinen hier nicht, daß Juden Komponisten von Opern, Oratorien, Liedern ff. wurden. Sondern daß 30*