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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-24 · Heft 30 (24.7.1841) · p. Seite 435

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 30 (24.7.1841)
Date
1841-07-24
Page
Seite 435 (sequence 11)
Language
German
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435 Sieh, er zündet die Lichter, Zieht den Vorhang dichter Vor der goldgeschmückten Lade, Murmelt, und beugt sich, und stehet gerade, Legt den weißen Tatar Um die Schultern an, Schlingt um das Silberhaac Schwarze, wallende Riemen dann — Vater, Vater, was treibst Du? Bist Du Christ? was glaubst Du? Ach! was laßt Du mein Auge schauen! — Und er bekreuzt sich voll Beben und Grauen. 20. Sohn, nun öffne Dein Herz — nicht zu grausamen Scherz — führt' ich Dich hierunterwarts — ach,- zu grausamen Ernst — daß Du mein Schicksal kennen lernst. — Denn der Jugend- Lust — füllte bis heute Deine Brust — aber nun stehst Du am Scheidewege — und in des wirren Schicksals Gehege — muß ich Dich leiten — und Dir Schmerz bereiten.— Wie es in meiner Seele blutet — wie es mir durch des Herzens Kammern fluchet — nimmer kann ich es mir ersparen — Du aber wirst mein Wort bewahren. — Sohn! in Leyden — ward ich geboren — und zu Leiden — ewig erkoren — was das Verhängniß mir beschworen — könnt' ich nimmer vermeiden — und es will nicht scheiden — bis ich gelangt zu des Jenseits Thoren. — Meine Vater schon hatten keine Ruhestätte — ihre Tage waren eine Kette — unaufhörlicher Wanderungen — wo sie bald sich aufgeschwungen — bald in der Tiefe sich müde gerungen. — Sieh, von Asia's Gestaden — schwer mit Mühsalen beladen — auf der Lander dornigen Pfaden — pilgerten sie bis zu Hollands Küsten — wo sie die Sonne der Freiheit begrüßten. — Ja, wir stammen von Israel — unser Ahnherr war Abarbanel — der ziehen mußte aus Graneda — und verstarb auf Kandia. — Ach, aus David's königlichem Blut entsprossen — wurden wir unsres Volkes Jammergenossen — unser Glanz lag längst km Staube — aber ewig strahlte uns der Glaube — ewig blieb uns die Zuversicht — daß aus David's Stamme nicht — weiche zukünftiger Bestimmung Licht — einst es hervorgeh' aus dem Gericht! — Doch, blieb unser Muth auch ungeschwächt — immer tiefer sank unser Geschlecht — bis die Armuth es umzogen — und die letzte Kraft ihm ausgesogen — bis das Elend all' seine Pfeile — uns gesandt in schwirrender Eile — daß die Wunde nimmer heile.— Also sank mein Geschlecht herab — meine Brüder allesanmit in's Grab — meine Wiege — waren die Fahnen solcher Schlachten und Siege — meine Äinderjahre fröhlicher Hoffnungen Todtenbahre — meine Jünglingszeit — bitterer Täuschungen Widerstreit — und nur ein goldner Schein — siel über meine Trübsal herein — als Deine Mutter gewilligt mich zu frei'n — als sie Liebend neben mir stand — und mit der zarten Frauenhand — spärliche Rosen zum Kranze mir wand — und die Dornen sanft überband. — Aber kurz war dieser sonnige Psad — und als sich Dein Augenstern aufthat — schloß sie den ihren lebensmatt. —- Aber als sie den ihren geschlossen — flucht' ich dem Himmel und seinem Geschick verdrossen — spottend lacht' ich dem alten Ruhme — wie einer giftigen Blume — meines Schicksals traurigen Rahmen — Glauben und Namerr — wollt' ich zerbrechen — und am Himmel selbst mich rächen! — Dich und meines Bruders Kind — übergab ich einem Freunde geschwind — pilgerte fort rathlos und blind. — So wandecte ich mit dem dürren Stecken — durch Frankreichs gesegnete Strecken — überstieg der Pyrenäen Bergesrecken '— bis ich gelangt an diesen Ort — unter falschen Namens und Glaubens Hort. — Nachdem ich lange isi'er gelungen — war es mir doch gelungen — durch kühnes Beginnen — Hab'^ und Gut zu gewinnen — ruhig ward's außen: aber nicht drinnendenn dem Gott, den ich nicht anerkannte — dem mein Innerstes ab sich wandte — mußt' ich das Knie und den Rücken beugen — daß die zitternden Lippen nicht wider mich zeugen — mußte dem Glauben Dich und die Bas' erziehen — den unsre Geschlechter fliehen — daß ihr, unerfahren — brauchtet mein Geheimniß nicht zu wahren — und so stand ich, Zweisinniger — beider Glauben Abtrünniger — beider Glauben Veccather — treuloser Enkel treuer Vater. — Aber jetzt hat die Stunde geschlagen — die ich langst sah mit Zagen — naher sich spinnen und dichter — und der Sohn ist des Vaters Richter! — Oftmals wollt' ich zusammenraffen — was mir der rastlose Eifer geschaffen — wollte trotz den späten Jahren — über das Meer hinfahren — drüben mich wieder zu Israel bekennen — und meinen alten Namen nennen — aber des Gewissens Stimme — rief mir mit verdoppeltem Grimme: — willst Du Becrath auf Verrath noch Haufen — nimmer kannst Du von Dir träufln — und mit schnöder Rückkehr abkäu-

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