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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-24 · Heft 30 (24.7.1841) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 30 (24.7.1841)
Date
1841-07-24
Page
Seite 431 (sequence 7)
Language
German
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431 vermachte, wie man aus dem Provinzialblatt von Mantua ersieht, der israelitischen Ausnahme - und Jndustrieanstalt 2000 östreichische Lire; den christlichen Armen jedes Kirchensprengels, in welchem er Güter besaß, 60 östreichische Lire, und bestimmte die ungeheure Summe von 240,000 Lire für eine neue Stiftung, die den Namen des Gründers führen wird. Eine Kommission von fünf Individuen wird die jährlichen Renten von den 240,000 Liren folgenderweise verwalten: 1) 1200 Lire zur Mitgift für vier arme Mädchen; 2) 4800 Lire, um vier- Jünglinge in den Wissenschaften, in Handwerken, im Handel und in der Schifffahrt unterrichten zu lassen; 3) 2000 Lire zur Herbeischaffung der Aerzte, Medizin und anderer Zufälligkeiten für die Fami- . lien und Individuen, welche von Krankheit heimgesucht und ins Unglück gerathen; 4) 1000 Lire als Subsidienfond für denjenigen, welcher Unglück erlitten und sich auf keine andere Weise aufhelfen kann; Wittwen und.Waisen sind zu bevorzugen; 5) 1000 Lire zur Bertheilung von 2 oder 3 Prämien für Handwerker, die sich in ihrem Handwerke hervorthun und in demselben bemerkenswerthe Fortschritte machen. Nach Anwendung dieser Bestimmungen werden die jeweiligen Ueberreste zur Erziehung zweier oder dreier Mädchen von 9 bis 18 Jahren verwendet, und wenn dann noch etwa,s übrig bleibt, zu Werken der Wohlthätigkeit, für welche die Gemeinde noch keine Vorsorge getroffen hat. D. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 24.Juni. Angekommen: Die Emanzipation der Juden, aus dem Ungarischen des Joseph Freiherrn von Eötvös. Deutsch von Herrmann Klein. Pesth 1841. Wenn dem Franzosen die Eleganz und Nettigkeit der Form, dem Romanen der Schwung und die Fülle der Bilder, dem Deutschen die Tiefe und Innerlichkeit des Gedankens das Hauptelement aller sprachlichen Darstellung ist, die nothwendiger Weise wieder aus der Charakteranlage ihrer Geister entspringt: s» haben unsere östlichen Nachbaren, Magyaren, Polen ff. eine Wallung der Gefühle, gewissermaßen einen Sturm der Empfindungen zum Geschenk vom Herrn der Völker erhalten, die ihrem Denken, Sprechen, Schreiben eine bedeutende Eigenthümlichkeit verleihen. Sie stehen so zum Theil als Mittelglieder des Morgen- und Abendlandes da, und wenn sie, in Haß und Liebe, nie anders als mit ganzer Erregtheit, mit vollständiger Hingebung , mit sich steigernder Warme ihren Gegenstand fassen und besprechen können, und die kühle Beschauung des Deutschen, den eitel« Glanz des Romanen und die gezierte Acußerlichkeit des Franzosen weit hinter sich lassen: so laßt sich ihnen auch oft Schwulst und überflüssiger Aufwand nicht absprechen, oft Champagnerrausch der Begeisterung nicht verkennen. Nichtsdestorveniger ist es die liebenswürdigste Erscheinung', in einer solchen Seele den edeln Sturm für Wahrheit und Recht aus der Tiefe heraussteigen, kräftig losbrechen, und allen Widerstand niedrrwersen zu sehen. Da zeigt es sich, wie wenig Stich und Stand die erkünstelten Argumente derer halten, welche Worurtheil und Ungerechtigkeit mit schlauer Verdrehung zu vertheidigen übernommen haben, sobald wahre Herzensgüte und Menschenschatzung zur Mede gelangt sind. Die vorliegende Broschüre ist aus einer solchen Seele geflossen, sie ist der Erguß einer reinen, unbestechlichen Liebe zum persönlichen Menschenrecht, und .nie ist wol von einem Nichtisraeliten, von einem hochgestellten Christen unsere Sache mit solcher Gefühlswarme, mit solchem auflodernden Enthusiasmus verthei» digt worden. Allerdings steht Eötvös auf ungarischem Boden, und Vieles, was er vom Juden aussagt, hat in Deutschland nur noch an der niedrigsten Klasse der Juden Raum, deren Zahl immer geringer wird. Um so mehr ist es zu bewundern, daß er sich aus solchen Spezialitäten zu der freiesten, allgemeinen Anschauung zu erheben verstanden. — Die Einleitung ist im hohen Style geschrieben, und erfaßt die Lage der Juden von der sentimentalen Seite. Der Hauptgedanke ist, daß es nicht mehr christliche Religiosität ist, sondern Vorurtheil und. Eigennutz, welche den Juden bürgerliche Freiheit entziehen wollen. Unter I. werden alsdann die zwei Hauptargumente der Gegner, die Verderbtheit und Nationaletat der Juden, besprochen und auf ihre Nichtigkeit mit Gründlichkeit und vielfacher Kenntniß der einschlagenden Schriften zurückgeführt. Unter II. werden die Verunglimpfungen der Religion Israels, namentlich von ihrem heutigen Standpunkte aus, zurückgewiesen; unter lll. die Befürchtungen, die so sehr gewöhnlich wider die

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