Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1841)
- Date
- 1841-07-24
- Page
- Seite 428 (sequence 4)
- Language
- German
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428 Starrheit Derjenigen, die in dieser Hinsicht von keinem mindesten Zugestandniß wissen mögen, die, ginge es an, noch immer von dem Juden, der das Weichbild einer freien Stadt betritt, für jede darin zugebrachte Nacht einen Leibzoll fodern wollten. Bekanntlich haben die königl. Bergstädte Ungarns ein Privilegium, dem zufolge auf ihrem Gebiete kein Jude sich niederlassen darf, und es bedarf wol keiner Versicherung, daß sie über die Unverletzlichkeit dieses Rechtes mit mehr Augen wachen, als in der Mythe dem die Jo bewachenden Riesen zugeschrieben werden. Gleichen Tadel verdient aber der Eigensinn bei den Häuptern des Volkes Israel selbst, die von den hergebrachten Satzungen in Lehre und Lebensweise keinen Finger breit abwcichcn und den Federungen des Jahrhunderts, der fortschreitenden Bildung nicht das Mindeste nachgeben mögen. Ist doch im Mosaismus das Meiste Rituelles, dem schon zufolge seiner Natur eine größere Geschmeidigkeit als bloßen Lehrmeinungen zugemuthct werden kann. Haben es in andern Ländern die Juden dahin gebracht, daß ihre Stellung im Staate nicht mehr die eines heimath - und obdachlosen, dazu der Schmach anheimgefallenen Wandervolkes, sondern die recipirter Bürger geworden ist, so ist ein Theil des Verdienstes dem Umstande zuzuschreiben, daß der Talmud sich dem Bedürfniß anzuschmiegen gewußt hat. Mögen sie auch bei uns die Bärte und den Knoblauch und manches Aehnliche lassen: so wird ihre Einbürgerung auf weniger Schwierigkeiten stoßen." „Woraus soll man es erklären, daß unter Denen, welche für die Judenemanzipation sich als Protagonisten gcbehrdcn, häufig Solche gefunden werden, die sich gegen die freiere Stellung des evangelischen Mitchristen mit allen Kräften stemmen? Also lieber der Jude als der Protestant? Diese Frage gehört zu der Klasse derjenigen, auf welche man sich die Antwort leichter denken als aussprechen mag. Mit ihr hängt eine andere zusammen: Warum zeigt der katholische Klerus in Ungarn einen so gewaltigen Eifer, die Evangelischen als verirrte Schaase zu seiner Heerde zurückzuführen, und warum ein so geringes Bestreben, die noch gänzlich außer dem Schaafstall Jesu Befindlichen, die Juden, zu bekehren? Auch hierüber möchte der Ausschluß nicht schwer zu finden sein." — Später fügt der Verf. noch eine Anekdote hinzu, welche zeigen soll, wie wenig praktisch die Toleranz, dort noch geübt werde. Ist nun schon die gezwungene, erkünstelte Satyre, mit welcher der Vers, sein Geschreibsel verbrämen will, Zeugniß, wohinaus er will, ist das Lob, welches er den Verthcidigern der Judenemanzipation zumißt, mit unwilligem Herzen, und nur um den Schein der Unparteilichkeit sich zu wahren^ ausgesprochen — so kommen die langen Ohren und das Pferdefüßlein bald zum Vorschein, da er 1) den Verthcidigern der Gleichstellung eigennützige Absichten unterschiebt, 2) die Juden nach der Emanzipation als Rächer der früher erlittenen Unbille und gefährlich schildert, also die Furcht vor den Jrrden wecken und mehren will, 3) endlich wieder zum Talmud greift, um jede bürgerliche Beschränkung zu entschuldigen. Endlich macht er versteckt aus irgend geheime Motive bei Klerus und Adel aufmerksam, die sich leichter denken als aussprechen lassen. Es sind dies so gewöhnliche Phrasen, daß man weitere Worte darüber zu verlieren für überflüssig halten wird. Nur das Eine wollen wir nicht unbemerkt lassen, wie diese elenden Skribler die höchstgestellten Männer ihres eigenen Vaterlandes als durch und -durch korrumpirt an den Pranger zu bringen wagen, so daß sid ihr Votum nach den von Juden zu erwartenden Pachtgeldern richten sollen, und wenn im vorigen Jahre die ungarischen Stände einstimmig die Aufhebung aller Beschränkungen beschlossen, so sehe man, wie dieser ewig denkwürdige Umstand mit Bestechung und eigennützigen Absichten zu vereinbaren sein könnte! Aber in dem Hasse gegen die Juden scheuen diese anonymen Vertheidiger verrotteter Vorurtheile sich nicht, ihr eigenes Vaterland zu zerfleischen und es in seinen edelsten Gliedern aller Moralität beraubt darzustellen, so daß die Juden, wenn das gesammte Bild, das sie von ihnen entwerfen, in allkn Zügen wahr wären, auch nichts mehr zu verderben fänden. Immerzu! dadurch werden die Edelsten nur um so inniger unsrer Sache zugeneigt, und können sich ohne Inkonsequenz und Selbstbeschuldigung nicht von ihr trennen. Italien. Aus Piemont, Juni. (Privatmitth.) Der Standpunkt der Juden im Piemontesischen ist info-