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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-24 · Heft 30 (24.7.1841) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 30 (24.7.1841)
Date
1841-07-24
Page
Seite 427 (sequence 3)
Language
German
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427 fache. Oben an unter diesen, von denen einige aufrichtig von wahrhaft menschlichen Interessen geleitet sein mögen, glänzt der Name des jugendlichen, als Dichter und freisinniger Landtagsredner gleich gefeierten Barons Joseph Eötvös, welcher, nachdem er an der Magnatentasel mit lebendigem Worte zu Gunsten der „weinenden Kinder Jsrael's" gestritten, neuerlich auch die Feder ergriffen und das bekannte Werk über „die Emanzipation der Juden" geschrieben hat. So freudig Erscheinungen wie diese, von deren reiner Quelle die Welt überzeugt sein darf, begrüßt zu werden verdienen: so sehr muß man hinwieder das Haupt ungläubig und tadelnd wiegen, wenn man so manche andere Ritter in diesem Tourniere ihre Lanze einlegen sieht, die sich, wenn nicht Alles trügt, diesem Kreuzzüg für die Juden nicht aus den lautersten Motiven, mindestens nicht in Folge reiflicher Ueberlegung anschließen. Um mit unserer Ansicht nicht hinter dem Berge zu halten, gestehen wir, daß es uns bisweilen bedünken wollte, als ob einige unter den Judenfreunden hier zu Lande nur darum den Mund so voll nähmen, weil es ihnen weniger um den Sieg der Humanität, als vielmehr um einen guten Pachter zu thun ist, dergleichen sie unter den Söhnen Jsrael's zu finden hoffen. Und zwar gehören in diese Kategorie nicht blos die Landedelleute, welche ihre Curien, Branntweinbrennereien, Wirthshäuser gar zu gern dem Schutze eines Erben aus dem Hause Jakob's anvertraut sähen, weil ein solcher in der Regel eine kräftigere Wünschelruthe für edles Metall zu haben scheint, auch gewöhnlich ein besserer Zahler ist als sein christlicher Kollege, sondern auch viele Städter zählen zu jenen Judengönnern, aber leider ebenfalls aus keinem edler» Grunde, als weil sie durch die bei Zulassung der Juden erhöhte Concurrenz der Nutznießer manche ihrer Liegenheiten auf einen höhern Pachtzins zu steigern hoffen. Möchte man doch durch solche größtentheils nur scheinbare Bortheile sich nicht bewegen lassen, bei den den Israeliten zu machenden Concessionen eine Uebereilung zu begehen! Es ist (wir glauben nicht zu irren) eitle unabwendbare Nemesis, daß, -wo das Judenvolk durch bisherigen harten Druck und illiberale Behandlung auf niederer Bildungsstufe und in tausendjährigem Christenhasse erhalten worden ist wie bei uns, dort bei plötzlichem Schießenlaffen der so lange straff angezogenen Zügel die langverhaltcne Wuth verheerend losbreche. Man sehe die unglaubliche Elasticität, welche, diesem Volke des Aufgangs, wie vielleicht auch andern Orientalen, einwohnt, und glaube nicht, die schlummernde, zwar nicht in natürlichen Schlummer gewiegte, sondern in gewaltsamer Betäubung niedergehaltene' Kraft sei Erschlaffung, sei Asthenie. Wir werden zwar hoffentlich keine Wiederholung der damascener Blutscenen erleben, aber zu Gewaltthätigkeiten, zu gesetzwidrigen Uebergriffen, zu Aussaugungen des Volkes und zur Verarmung des Bürgers wird es unfehlbar kommen, wenn man in dieser höchst wichtigen Angelegenheit aus unzeitigem Kosmopolitismus zu rasch verfährt. Sähe man doch auf manche Gegend der österreichischen Erblande, wo Handel und Gewerbe bis zur gänzlichen Verarmung des Bürgers von der Stunde an abgenommen haben, seit man den Juden die Bewilligung zu gleichem Betriebe ohne alle Einschränkung gegeben hat. Wo der Jude, wie in Deutschland, im Laufe der Zeiten sich mit den gebildeten Ständen vermischt, ihre Sitte und Weise angenommen hat, also das Werk seiner Emanzipation thatsächlich gleichsam durch schweigende Uebercinkunft vollzogen ist: da mag man mit seiner gesetzlichen Anerkennung, mit der Aussprechung begünstigender Grundsätze unbedenklicher verfahren; das Christliche an dem Juden ist eine Garantie für die Ungefährlichkeit seiner gänzlichen Zulassung. Wo derselbe sich hingegen noch so wenig assimilirt hat als bei uns, weil unser Kastenwesen selbst Christen von Christen absondert: da möchte eine völlige Freigebung des Volkes der Verheißung allzu gewagt erscheinen. Wie wenig kennen auch Diejenigen, die den Juden Alles .auf einmal einräumen möchten, die Gesetze der Natur und den Gang der Weltgeschicke! Schulden, Fehler, welche Jahrtausende hindurch begangen worden sind und gleich dem rollenden Schneeball sich mächtig vergrößert haben, in einem Decennium gut machen wollen: heißt die Natur mißverstehen, welche nur allmälig schaffend verfährt, in deren Wirkungen kein mindester Sprung wahrzunehmen ist; es heißt auch die Geschichte nicht berücksichtigen', aus welcher deutlich erkannt wird, daß derlei Uebereilungen sich stets empfindlich gerächt haben. Billigen wir daher einerseits den kleinen Bedacht bei der Lösung dieser überaus einflußreichen Frage: so sprechen wir uns dagegen andererseits entschieden tadelnd aus über die

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