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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-24 · Heft 30 (24.7.1841) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 30 (24.7.1841)
Date
1841-07-24
Page
Seite 426 (sequence 2)
Language
German
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426 geduldig hin, auch wenn er keinen Vortheil dabei sieht, weil er seinen Nachtheil vorhersieht, wollte er etwa klagbar werden; denn es ist zwar möglich, daß er Genugthuung erhalte — es ist aber jedenfalls gewiß, daß er dafür etwas zu bezahlen bekommt. In Smyrna haben die Juden eine Synagoge und einen Rabbinen, oder sogar mehrere; ebenso in Brussa. Ihr Kirchhof befindet sich immer außerhalb der Stadti; auf ihre Grabhügel legen sie Steinplatten mit hebräisch geschriebenen Aufschriften, unterhalb welcher gewöhnlich irgend etwas zur Bezeichnung des vormaligen Standes des Entschlafenen eingegraben ist, z. B. wenn er Nabbine war: ein Buch — wenn Handelsmann: eine Waage — wenn Handwerker, etwa Schuhmacher oder Silberarbeiter: eine Ahle, oder ein Schmelztiegel nebst Hammer. Auf den Frauengrabmalern erblickt man die Abbildungen eines Spinnrockens oder eines Webestuhls, oder auch dktz» roh ausgeführte Ansicht eines Zimmers, und darin am Boden sitzend eine weibliche Gestalt, die Hausfrau bedeutend. Außerdem zeigen auch noch besondere Merkmale an, ob die Selige in der Ehe oder ledig hinüber entschlafen. In seinem Hauswesen ist der Hebräer gemeinlich sehr unsauber, in seiner Nahrung aber äußerst mäßig. Die Haqftr der Juden sind eng an einander gebaut, und doch bei weitem zahlreicher bevölkert, als dies aizf den ersten Anblick der Fall scheint *).' Jeweilig zeigen sich auch vorübergehend in Anatolien Karaiten und andere jüdische Sektirer; dergleichen halten sich jedoch an keinem Orte des Landes bleibend auf. (Ausland.) y" Polen.und Rußland. Auf .dem Randgebiete des ganzen ehemaligen Königreichs Polen «m dem Umfange, welchen dasselbe vor der Theilung, von 1772 hatte, (12,880 Quadratmeilen), leben gegenwärtig 2;119,000. Juden. Davon kommen 411,300 auf das jetzige Königreich Polen; .dH übrigen wohnen theils in den zu dem über ganze Völker, wie Griechen, Juden, Armenier ff., alle Zeit fertiger Reisenden wol zu würdigen verstehen. *) Die Folge ihrer Beschränkung auf einen bestimmten Stadttheil. Corresp. russischen Reiche gezogenen Probinzen, theils in den an Oestreich und Preußen gefallenen Landgebieten. Nach ziemlich zuverlässigen Schätzungen befinden sich also auf polnischem Grund und Boden die zwei Drittheile aller europäischen Juden, so wie ein Drittheil der jüdischen Bevölkerung des ganzen Erdballs. Das Verhältniß der Israeliten zu den Christen in Polen ist etwa wie I zu 8^., in den Städten aber oft ein ganz anderes. In Wilna ist der zweite, in Krakau der dritte, in Warschau und Lemberg der vierte, in Posen der fünfte Mensch ein Jude; in den kleinen polnischen Städten verschwinden die Christen unter den Juden fast ganz. (Neueste Weltk.) Oesterreich. Die Leipz. Allg. Zeit, enthält einen Aufsatz über die Juden in Ungarn, der, wie die meisten Artikel dieses Blattes, welche die Angelegenheiten der Juden besprechen, unter den Schein des Wohlwollens nur um so böswilligere Ansichten verbirgt. Jedennoch berührt er einige charakteristische Züge, so daß der Abdruck des größer.n Theils desselben hier nicht überflüssig sein wird. Der Artikel ist aus Oberungarn vom 23. Juni datirt, und daß er wirklich in Ungarn geschrieben ist, sieht man aus der ungelenken Form, welche die jüngeren Schriftsteller dort nicht abstreifen können. „Trotz mancher aus dem vorigen Reichstage im Sinne echter Humanität zu Gunsten des unglücklichen Lieblingsvolkes Jehovah's gestellten Antrags ist die Lage Israels in Ungarn zur Zeit noch immer eine sehr gedrückte, und mancher gläubige Nachkomme Abraham's mag, wenn er die Klagen des frommen, aber von menschlichen Leidenschaften nicht ganz freien Königs liest, auch in unserm philanthropischen Zeitalter noch hinlängliche Veranlassung finden, ähnliche Stoßseufzer, Wünsche und Verwünschungen zum Gott seiner Väter emporzusenden, der ihn oder seine Vorfahren zwar aus dem Diensthaus Aegyptens befreit hat, aber, wie es scheint, nur um ihn in ein anderes zu führen, das zwischen dem klassischen Jster und dem fischreichen Tibiscus und unter dem Halbmond der Karpathen liegt. Gleichwol fehlt es bei uns so wenig als in andern Staaten der gebildeten Welt an Freunden und Vertheidigern der Juden-

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