Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1841)
- Date
- 1841-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Jahrgang. Zeitung Allgemeine No. 30. des Zlldenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: . Dr. Ludwig Philipps»», Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit Königs. Sächsischer allergnädigfter Concession.) Leipzig, den 24. Juli 184Ir Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s. w. llmfaffen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. sür den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Kleinasien. In Kleinasien giebt es in etwa 15 Städten Hebräer — in den Dörfern aber gar keine. Die Hälfte von allen vorhandenen befindet sich in Smyrna; von der andern Hälfte sind allein in Brussa fast eben so viele, wie in allen übrigen Orten zusammengenommen. Sämmtliche anatolische Hebräer sind aus Spanien ausgewanderte; sie sprechen ein schlechtes Spanisch, mit hebräischen Wörtern vermischt; die hebräische Sprache kennen nur wenige, nur die Gelehrten — doch alle das Türkische, und überdies, besonders in Smyrna, noch Griechisch und Italienisch. Ihre Tracht ist die lang gewandige türkische; der obere Talar muß, wie auch bei den übrigen Rajas, (d. i. nichttürkischen Unterthanen) von dunkler Farbe sein. Vorzugsweise bemerklich macht sich ihre Kopfbedeckung, dke sie mit keiner andern vertauschen dürfen; eine schwarze Mütze, eine Art Filzkapuze mit leichtem, etwas höher als zur Hälfte reichendem Rande und siachem Deckel, um deren Mitte ein weißes oder ein buntes Tuch so herumgewickelt wird, daß sowol ihre untern als ihre vbern Ränder sichtbar bleiben. Die Jüdinnen kleiden sich ähnlich wie die Türkinnen und die Armenierinnen in ein langes Gewand und einen Schleier-- mit dem sie indeß das Gesicht nicht verhüllen. Sie sind nicht häßlich,' dabei aber dennoch nicht hübsch, wie auch die andern Frauen. Die hiesigen Juden kann man fast immer, selbst abgesehen von ihrer Tracht, erkennen; sie haben im Aeußern und in ihrem Benehmen viele Aehnlichkeit mit den in Polen und in Weißrußland lebenden Hebräern, obwol - sie übrigens von Angesicht meist ein wenig angenehmer sind, als di^e ihre, letztbezeichneten Glaubensbrüder. Im Allgemeinen beschäftigen sich die Hebräer mit kleinen Gewerben: sie verschachern die im Innern des Landes eingehenden Produkte weiter, bald in demselben Zustande, wie sie solche bekommen haben, bald auch gereinigt oder sortirt — und dienen als Unterhändler bei jeder Art von Geschäften — mit Einem Wort, sie geben sich mehr oder minder mit allen Zweigen des Handelsverkchrs ab; mit.Handwerken dagegen beschäftigen sich nur sehr wenige von ihnen. In Smyrna gab es früher einige'jüdische Dragomane, jetzt scheinen diese inveß alle verdrängt zu sein, während bei den Dardanellen Hebräer nicht nur als Dragomane, sondern auch als Konsuln verschiedener Mächte zu finden sind. Sie find aber so gewissenlos, wie die Griechen, ebenso knechtisch, und niedriggesinnt, doch bei weitem nicht so frech und rachgierig"). Beleidigung nimmt der Hebräer *) Man wird solche allgemeine wegwerfende Urtheile