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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-17 · Heft 29 (17.7.1841) · p. Seite 421

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 29 (17.7.1841)
Date
1841-07-17
Page
Seite 421 (sequence 9)
Language
German
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421 scre Zeit?') — Unsere Zeit, laßt uns das gestehen, ist noch nicht da! und doch muß und wird sie kommen, wie Alles in der Weltgeschichte, das nothwendig ist. — Wann? wir wissen es nicht! aber ein Geist kommt, vielleicht auch ein Individuum, durchdrungen von der ganzen Bildung, der Philosophie unserer Zeit und wieder in jener göttlichen erhabnem Einfachheit, wie sie uns entgegen leuchtet in allen großen Reformatoren, in allen göttlichen Naturen, die mit Kindereinfalt, verständlich aller Welt gesprochen, und doch so groß, so herzerhebend, wie uns der Geist bezwingend entgegentritt in dem Testamente der Vorzeit. War es denn nicht Jsrael's Bestimmung, die Leuchte zu erheben für alle Völker der Erde, und könnte denn jener Geist geschwunden sein, der ins Mark wilder Barbaren dringend, ihre Knieen niederriß und ihre Herzen erhob? Die Wunder, gebt sie hin! Das Wunderdas ist ewig! Oder glaubt Ihr es nicht? meint Ihrdaß man den Himmel wieder zum Bogengewölbe, zur Glasglocke machen muß, über den Plan der Erde gestürzt, um den weiten Raum mit einem Geiste zu beleben! O, nein! so ausgedörrt seid Ihr nicht. Laßt sie nur lächeln jene alten Kinder der französischen Revolutions-Weisheit, das Gift der Neunziger ist noch in ihnen; das weltzerstörende Zucken der Mundwinkel und der stechende Blick gehört noch dem Mephisto jener Zeiten an, glaubt nur, der Faust verfällt ihm nicht, ihr Kinder dieser Zeit! Die Weltgeschichte hat man künstlich restaurirt und — vergeßt es nicht!— Könige haben daran mit den feinsten Geistern ihrer Zeiteti und ihrer Völker gearbeitet, und wenige Tage haben genügt, die blutige Wunde• klaffend aufzureißen. Nach neuer Weltgestaltung ringt die Zeit, und wie in der großen Welt so auch in uns. Nur wieder angeknüpft an die Weltgeschichte kann sich das Judenthum erheben, das Judenthum, so wollen wir es nennen, bis es sich gezeigt und sich selbst genannt.- Ich fühle mich nicht befugt, dem hiesigen Ge- *) Wir haben unseren Kindern zu geben: ein frisches, lebendiges Streben, ein reines, glühendes Wollen! Ist das Nichts? Ja, auch unsre Kinder müssen noch kämpfen. Haben unsre Vater diesen Kampf uns nicht ersparen können, warum so ängstlich wir für unsre Kinder? ' D. Redakt. meinde-Vorstand, als solchem, Vorschläge zu machen; weiß da Jemand, was in seinem Innern vorgeht? Das Vertrauen dürfen wir haben, daß sein Wille gut ist. Ob mit solchem Willen viel geschehen kann, das ist noch nicht ausgemacht. Es läßt sich voraussehen, daß das, was unsereinem augenblicklich einfällt, längst bei Männern in reifliche Erwägung gezogen, deren Beruf es ist, für das Gemeinwohl zu denken. Doch das mag ich nicht unerwähnt lassen, daß gerechte Wünsche hier und da laut werden, über Darlegung bereits geschehener Schritte. Das Seminar ist errichtet; was es nicht sein will, hat uns vr. Zunz gesagt, was es sein soll: Dr. Veit. Man kann in einer Rede nicht schönere und deutlichere Darlegung der Tendenz im Allgemeinen verlangen, als sie von dem Letztem geschehen: es soll, eine Pflanzstätte jüdischer Volkslehrer werden, die der Jugend einst die Elemente der Bildung beibringt, unvermischt mit den Elementen des Christenthums, wie es löblicher Weise in christlichen Volksschulen für Christen geschieht; aber für die jüdische Jugend unpassend, schädlich ist. Vielmehr sollen statt der Elemente jener Religion die der jüdischen eingeführt werden. Das ist trefflich, nicht allein weil es gut und nothwendig, sondern weil das offene Bekenntniß auch würdig ist, gegenüber den christlichen Pädagogen, Achtung gebietend und herrlich zugleich. Aber wir wollen wissen, was gelehrt wird in der Religion: was diese einstigen Volkslehrer lernen, um es einst zu lehren. — So Gott mir die Kinder leben läßt, so wird es mir Trost für viele Kämpfe im äußern und innern Leben sein, ihre Jugend zu schützen vor den blendenden Blitzen, den wilden Meteoren, die die Nacht meiner Jugend momentan erleuchteten, ein empfängliches Gemüth erhitzten, eine wenig gezügelte Phantasie zu wirbelnden Höhen erheben, um — wir wissen es ja Alle — Nachts Kälte, Abspannung und Grauen, Kampf, Schmerz und Zerwürfniß zurückzulaffen. Aber sehen müssen wir, wie und ob wir Aussicht haben, uns je der Ganzheit der kommenden Geschlechter erfreuen zu können. Ich sage nicht, es solle augenblicklich geschehen, aber wünschenswerth ist es, daß, wenn auch noch viele Monate darüber hinweggehen, die betreffenden Lehrer einen Grundriß ihrer Religionslehren veröffentlichen, um uns jenen Trost auf die nächste Zukunft zu geben. Das scheint 29'

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