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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-17 · Heft 29 (17.7.1841) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 29 (17.7.1841)
Date
1841-07-17
Page
Seite 420 (sequence 8)
Language
German
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420 senarbeiten abgeschlossen hat, und ehrlich abgeschlossen hat. Ob wir Staatsämter bekommen oder nicht, das muß keinen redlichen Menschen kümmern, die Frage ist an und für sich eine Lebensfrage: Können wir als Juden ewige Bürger Preußens werden oder nicht! — Man fahre mich nicht an! ich bin Patriot wie nur einer, und hin stolz auf mein Vaterland und meiner geistvollen Monarchen, bin bereit, Preußens Glück mit meinem und meiner Kinder Blut zu erkaufen, und würde nicht fragen, ob mir die Religion erlaubt, was meine Bürgerpflicht gebietet; aber ich will nicht, daß meine Religion mir erlauben soll, was sie nicht kann, und liegt in ihr ein Gottessunke, so soll er nicht verschachert werden, für alle Staatschargen der Welt"). Der Staat, ruft ihn nur heran, er ist klug genug, Euch nicht zu hören; aber wenn er Euch hörte, wenn er ein Sanhedrion zusammenberiefe, wen kann er denn als Mitglied desselben aufnehmen. So wenig er Böckh und Encke in ein christliches Konsistorium, so wenig wird er Zunz und Wilhelm Beer in ein jüdisches bringen, und wie Barez und Schönlein cs ablehnen würden, so wird aueb die.Befcheidcnheit hier lebender jüd»fther Aerzte ihnen schwerlich erlauben, mitbeizutreten. Es könnte und dürfte der Staat nur Männer vom Fach berufen, und wenn unter den sechszig alten Rabbi- *) Wie die Messiasfrage mit dem Staate, mit dem Bürgerthum im Staate in Konflikt gerathcn könne, sobald man sich derselben klar bewußt ist, habe ich nie begriffen. Der Messias, ich mag ihn mir denken, wie ich will, gehört der Zukunft, allem Anschein nach einer noch sehr fernen Zukunft an, der Bürger gehört der Gegenwart an. Kann mich nun nicht einmal die Idee, wie wird Preußen in hundert Jahren aussehen? in der pünktlichsten Erstellung meiner Bürgerpflichten hindern, mir einen Funken meiner'patriotischen Begeisterung auslöschen — wie sollte dies die Idee, wie Israel in der Zeit des Messias aussehen werde, dies vermögen? Gesetzt, ich glaube strengstens an die Persönlichkeit des Messias, an alle die Herrlichkeiten, die für Israel und für die ganze Welt mit ihm Untreren sollen — ich weiß aber, sein Kommen ist noch in die dichtesten Nebel einer fernsten Zukunft gehüllt: sollte ich darum nicht mich bestreben, meine gegenwärtige Stellung würdig auszufüllen, und allen den sozialen Verbindlichkeiten zu genügen, die sie mir auferlegt? D. Redakt. nen (die nicht ausgeschlossen werden Ettnrn) zehn studirte Religionslehrer zusammen kämen, so werden doch kaum fünfe darunter sein, die vollgültige theologische Studien gemacht.haben, und den Status guo, den sogenannten pvo mit Sicherheit aus den Quellen herzuleiten verständen. Während nun diesem gegenüber, einig, fest, bestimmt, in Quellen und Ableitungen, Grundsätzen und Zweigen klar übereinstimmend, vom Berge °ws bis auf das vierköpfige w der pb'En die Alten dastehen werden, die Beweise schwarz auf weiß in Händen ehrlich,'nicht wollend, was sie nicht-können, stehen die Fünfe da bei dem besten Willen, mit sich selbst kaum einig, ohne Dokument, ohne vorgearbeitet zu haben, ohne daß ihnen vorgearbeitet worden, ungeheures Material von Weltwichtigkeit unter den Händen! Glücklich dann, wenn sie sich mit Ehren halten, wenn sie Wahrheit und Offenheit an der Stirn tragen, wenn sie dann gestehen: „unsere Zeit ist noch nicht da!" — Sagt Ihr: „Die Zeit der Andern ist vorüber!" Wohl, ich selber sage: „Ja!" sie.ist vorüber! nicht im innersten Grundton und Wesen, nicht einmal in der Schaale, denn käme es auf Restaurationen an, so halt sichs noch und überdauert noch Menschenalter, und doch, der Riß ist geschehen, zwischen Geschlecht und Geschlecht, wie nirgend in der Weltgeschichte! Was das vorige Jahrhundert gelockert, es ist nichts; es war ein Sturm, er legte sich; ein Rausch, er verfliegt. Auf die jetzigen Geschlechter blickt, auf unsere.Vater und aus unsere Kinder! Wo ist das Band, das sie an einander kettet? Erzählt es den Kindern, wie die Väter Euerer Väter getrieben wurden, von Land za Land und geblutet haben, und wofür! Sie staunen Euch an mit den unschuldigen Blicken und begreifen's nicht. — Die Zeit ist vorüber! ja! aber unsere Zeit ist nicht da! Oder ist es eine Zeit, in welcher wir zagen, grundmächtige Elemente anzutasten, und uns belegen mit dem Uebertünchen eines gebrechlichen Gemäuers, in dem wir selbst nicht wohnen mögen? und das sollen wir unfern Kindern geben? — Unsere Väter waren Ehrenmänner, sie gaben uns mit ihrer Religion ihre Lebensquelle hin und sagten: lebet wie wir! und wir, wir sollen unsern Kindern geben, was wir nicht mehr als Lebensquell betrachten können und sie hintergehen durch ein neu Gewand? Ist das un-

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