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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-17 · Heft 29 (17.7.1841) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 29 (17.7.1841)
Date
1841-07-17
Page
Seite 418 (sequence 6)
Language
German
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418 lein sie sind doch fromm und gebildet genug, um zu wissen, vor wem sie stehen. Cleve, 23. Juni. Mit Ostern trat hier ein Chorgesang beim Gottesdienste ins Leben, welcher aus 13 Personen besteht, und woraus 3 Dirigenten gewählt sind, worunter besonders Herr Ad... C. als Leiter des Gesangs sich viele Mühe giebt. Es wird gehofft, daß auch bald andere benachbarte Gemeinden, diesen, die Andacht so sehr befördernden, und einen tiefen feierlichen Eindruck aus den Zuhörer einer jeden Konfession machenden Gesang, bald einführen werden: ..S.. ..L.H..°. Theologie. ©in Wort z n r Zeit. (Schluß.) Angenommen, Preußen emanzipirt heute seine Juden; dann wird es, wie sich's von selbst versteht, auch die Rabbinen besolden. Schon hier wird der Staat fragen-: was ist Rabbine und wer ist ein solcher? Was ist ein Jude und was ist Judenthum? Wenn der Staat hierauf klare und allgemeingültige Antwort erhalten könnte") — gesetzten Falls — dann *) Die Antwort auf diese Fragen dürste so schwer wahrhaftig nicht sein, wenn der Verf. damit nicht eine Entscheidung bis in's Detail hinein verlangt, eine Entscheidung, die in gegenwärtiger Zeit in jeder Konfession schwer sein würde, wenn man nur über die Geistlichen einer Stadt ein Auge würfe. Ueberhaupt muß man Theologie und Wirklichkeit unterscheiden. Der Staat hat sich nicht um die Streitfragen jener, sondern nur um die Tüchtigkeit der letztern zu kümmern und sie zu befördern. Er muß im Auge haben, 200,000 seiner Einzelglieder nicht aller Religion und religiösen Bildung absterben zu lassen, die innere Entfaltung in den Spezialitäten ihr aber selbst überlassen. So weit ist cs denn doch noch nicht gekommen, daß die wirklich wesenhaften Fragen des Judenthums als allgemein zweifelhaft anzusehm seien, wenn auch Einzelne und einzelne Gruppen daran hcrumfegen, so wenig man sagen kann, daß Voltaire und die Encyclopadisten, die Wolsenwürde er zur Pflicht haben, an jeder Schule, an jedem Gymnasium Lehrer der jüdischen Religion anzustellen , und um Rabbinen anstellen zu können, müßte er auch — er übernimmt ja einmal die Sorge — auf einer Landesuniversität eine Fakultät für Rabbinen errichten. Es versteht sich von selbst, daß dann auch für den Kultus gesorgt wäre, und dann — wäre man aller Einzelsorge ledig.— Gewiß, die erwünschteste Aussicht für Alle, - die sich zum Judenthum bekennen. Daß der Staat dies alles nicht thun kann, bevor er genau weiß, was Judenthum ist, das ist ausgemacht; wer aber soll ihm diese Auskunft geben? Die Antwort ist geläufig. Ein Sanhedrin. Wenn man dies Wort ausspricht, denkt man unwillkürlich an das Napoleonische, und eine dunkele Idee eines solchen schwebt den schnellfertigen Leutchen immer vor den Augen. Aber, die Zeiten sind gewesen! Preußen ist zu gewissenhaft; es wird nicht wie Napoleon sagen: das Sanhedrin muß einsehen, soll aufstellen, soll behaupten, sondern wird Ehrlichkeit und Wahrheit verlangen, und wie früher auch immer ein Tellerjudenthum zugeschnitten für Preußen verwerfen. Es wird, wenn es so weit käme, verlangen zu wissen, was z. B. der Jude glauben und annehmen muß, von den Lehren eines Messias. Wer giebt hier so leichte Antwort? die Einsichtsvollern scheuen sogar die Berührung anderer Fragen von weniger politischer Natur; der Kulturverein hat dem Vernehmen nach die Preisaufgabe über die: „Unsterblichkeitslehre" im Judenthum zurückgewiesen, weil man das Resultat einer solchen Preisfrage nicht voraus wissen kann, und doch glaubt man, so eilig ein Sanhedrion zusammenbringen zu können, das uns erwünschte Aufschlüsse über Judenthum stellt? Wer arbeitet dem Staate vor? Wo soll er beginnen?? — Ich mag von einem Thema schweigen, das Wunder auf Wunder aufdeckt! „Wie viel ist nicht im Judenthum geschehen?" ruft man triumphirend aus. Im Judenthum? Nein! in der Juden heit, das ist wahr, das erkennt der büttler Fragmente, und selbst Dr. Strauß das eigentliche Christenthum für die ganze Christenheit umgestürzt haben. D. Redakt.

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