Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1841)
- Date
- 1841-07-17
- Page
- Seite 417 (sequence 5)
- Language
- German
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417 hat sich, wie man mir erzählte, die Stimmen der Wähler, deren Mehrzahl er hatte, damals entfremdet, weil er, zur Anordnung der Beerdigung des sel. Carlsburg nach Crefeld berufen, dem Gefolge verbot Handschuhe zu tragen. — Die Synagoge ist ein ziemlich geräumiges, freundliches Gebäude; der Gottesdienst, wie gewöhnlich, und wie er sich unter der Leitung eines Mannes erwarten laßt, der noch vor Beendigung desselben sich mit seinen Nachbarn unterhält. , Verließ ich mit Bedauern die Synagoge zu Düsseldorf, so betrat ich mit Wohlgefallen die zu Aachen, wo mich der Freitagabendgottesdienst sehr erbauete. — Ein freundliches, durch Gas erleuchtetes Gebäude stimmt das Gemüth schon zur Andacht. Feierliche Stille herrschte während des Gottesdienstes, welcher von einem, mit einem passenden Ornate bekleideten Kantor und einem wohlgeübten Chore -versehen wird, Eine von dem Konsistorium in Crefeld entworfene und von der Königt. Regierung genehmigte Synagogenordnung enthalt sehr zweckmäßige Bestimmungen, die denn auch ihre gute Wirkung nicht verfehlt haberr. Alles dies gereicht der Gemeinde um so mehr zur Ehre, weil sie vom Rabbinatssitze entfernt ist. Schade, daß die Synagoge nicht größer ist; denn nach der Menge Andächtiger zu schließen, welche sich an einem gewöhnlichen Freitag-Abende versammelt hatten, ist das Gebäude für eine Gemeinde von 40 Familien zu klein. Es ist dies um so mehr zu bedauern, weil die Synagoge noch neu ist, und mit wenig mehr Kosten hatte größer gebauet werden können... Ein Mitglied gab mir als Ursache an, daß man nicht auf so zahlreichen Besuch gerechnet habe. Das ist die Wirkung eines erbaulichen Gottesdienstes! Eben so feierlich, wie in Aachen ist der Gottesdienst in Brüssel. Hier haben nicht.nur die Synagogen- Beamten eine passende Dienstkleidung, sondern auch die Choristen ein gleichförmiges Ornat. Der wurde von denselben und dem Kantor sehr gut gesungen. Ordnung-und Andacht herrschen in der schönen Synagoge, deren freie Lage mich erinnerte, daß dieselbe hier nicht blos geduldet ist. In Paris, der Hauptstadt des Landes, welches seit einem halben Jahrhundert unsre Glaubensgenossen als Menschen behandelt, hoffte ich die religiösen Zustände derselben nicht minder befriedigend zu finden, als die politischen; allein wie sehr wurde ich leider getauscht! — Die große deutsche Gemeinde hat nur Eine Synagoge, und selbst diese, von mäßigem Umfange, ist nur an hohen Festtagen gefüllt. Aber wie kann es auch anders sein? Wer Erbauung sucht, wird von der unbeschreiblichen Unordnung zurückgescheucht. Hätte mich nicht die an den Pfeilern befestigte Synagogenordnung erinnert, daß ich in Frankreichs Hauptstadt sei, so würde ich geglaubt haben, mich in einer polnischen Dorfsynagoge zu befinden. Ueberall die lärmendsten Unterhaltungen in polnisch-deutschem Jargon, hin und wieder mit französischen Gesprächen untermischt. Die zahlreiche Synagogen-Polizei, welche immer auf den Beinen ist, vermag diesem Lärm nicht zu wehren. — Es war am ersten Tage des Wochenfestes. — Der Rabbine, Herr Marchaüd, bestieg die Kanzel. Ich befand mich derselben gegenüber, und war ganz Ohr, nicht zweifelnd, eine erbauliche Predigt zu hören. Allein die geräuschvollen Unterhaltungen ließen nicht nach. Ich konnte kaum zehn Worte verstehen, obgleich mir die französische Sprache fast so geläufig ist, wie die deutsche. Herr Marchand hatte eine Anzahl einzelner Zettel in der Hand, die er mit mattem Tone, recht schülerhaft, ablas, und dann bei Seite legte. — Nach Beendigung dieser sogenannten Predigt fing die Versteigerung der Mizwot an. Ich trauere meinen Sinnen kaum. Man bot dieselben in deutscher Sprache, und sogar nach altem Münzfüße aus. „Vier Livres ‘po!" — Das war zu arg! Ich mußte hinaus, um meinem Schmerze Luft zu machen. Wann wird dieser Skandal aufhören, die Synagoge von Paris zu schänden? Nicht eher, als bis das Konsistorium , Herrn Marchand an der Spitze, seine Aufgabe erkannt hat. Aber, wie soll es besser werden, so lange dieser Mann selbst, während des Gottesdienstes, sich mit seinen Nachbarn unterhält. Alle Polizei ist hier vergebens; ja, durch das geräuschvolle Umhergehen ihrer Agenten wird sogar die Unordnung vermehrt. Die französische Regierung legt bekanntlich der Reform nichts in den Weg, sie begünstigt sie vielmehr durch die unabhängige Stellung der Rabbinen. Um so auffallender ist hier der Stillstand. Hoffen wir, daß die Reform, welche das Central-Konsistorium vorgeschlagen hat, bald ins Leben trete! In der kleinen Synagoge der portugiesischen Gemeinde sah ich auch den Central-Rabbinen, Hrn. Deutz, einen ehrwürdigen Greis, welcher das Gebet für den König verrichtete. Derselbe geht, wie man mir sagte, immer in diese Synagoge. Ist ihm vielleicht der Lärm in der deutschen, welcher er angehört, zu arg? Zwar ist der Kultus der Portugiesen auch nicht sehr erbaulich; al-