Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1841)
- Date
- 1841-07-17
- Page
- Seite 415 (sequence 3)
- Language
- German
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415 sie im Jahr 1805 an, verwaltete sie zur Zufriedenheit der Gemeinde und vertauschte sie bald darauf mit der Lehrerstelle zu Leiberg. Ueberall den engen Kreis seiner Kenntnisse, wo er nur eine Gelegenheit dazu erhaschen konnte, zu erweitern strebend, weihete er hier seine Mußestunden der Musik und, nach seiner baldigen, abermaligen Rückkehr nach Padberg, erlernte er hier die französische Sprache. In materieller und intellektueller Hinsicht so gestellt, daß er größere Ansprüche machen und ihre Befriedigung hoffen konnte, begab er sich nach Naumburg und hatte bei einer einträglichen Privatlehrerstelle Zeit und Ruhe zur Vorbildung für die Universität, in welcher er durch den jetzt zu Dessau lebenden Herrn Konsistorialrath Dr. Fränkel^iicht wenig gefördert wurde. Nach vierjährigem Aufenthalte an diesem Orte bezog er die Universität Marburg, erwarb sich die Achtung des dortigen Herrn Prof. Justk, mit welchem er, so wie mit mehren andern in Briefwechsel stand, und ward nach seinen in zwei Jahren vollendeten akademischen Studien nach Cassel als Privatlehrer berufen. Hier lernte er feine noch lebende treue Gattin, Amalia Weil kennen. Im Verhältnisse mit ihr offenbarte sich ganz seine platonische Geistesrichtung und sein edeler, biederer Charakter. Weder ihre.Krücke, noch der gelähmte und mit Wunden bedeckte Fuß hinderte ihn, seine reine Liebe der zu bekennen, die ihm durch Gleichartigkeit der Bestrebungen, durch Lust zum Erziehungsgeschäste, schon gewissermaßen verschwistert war. Gleich nach seiner Ankunft in Cassel — Jahr 1817 — unterrichtete er in freien Stunden die armen Israelitischen Kinder dieser Stadt und zeigte nebenbei in der Sulamith, wie nöthig eine Israelitische Schule für Cassel sei. Unter mehren ihm angebotenen Hofmeisterstellen nahm er im Jahre 1820 die bei Herrn Hofbanquier Kaulla zu Stuttgart an, weil ihm dort Muße zu literarischen Arbeiten blieb. Als Erstling derselben erschien 1823 sein rm»» “pT oder kleine Bibel, die nicht nur in der Neckarzeitung und andern öffentlichen Blättern anerkannt, sondern auch, in Würtemberg, Baden, Preußen und sogar in Schweden gebraucht wurde und noch wird, und von der kurz vor seinem Tode die vierte Auflage erschien. Durch die angestrengtesten Bemühungen des Hrn. Dr. Pinhas war indeß (1824) in Cassel eine israelitische Schule zu Stande gebracht. Einem Rufe des Borsteheramtes und der Regierung folgend, übernahm er an ihr und an dem damit zugleich zu verbindenden Lehrerseminar die Würde eines ersten Lehrers. Dieser Anstalt widmete er unausgesetzt und ohne Rücksicht auf seine' Gesundheit, seine Kräfte, so daß er oft, wenn ihn seine Gattin bat, Krankheitshalber oder sonst aus einem Grunde zu Hause zu bleiben, antwortete: „mein Kind, wenn ich dort sterbe, sterbe ich in Meinem Berufe und das soll man!" Manches arme, verlassene Kind ist durch ihn als tüchtiger Lehrer aus diesem Institute hervorgegangen. Damals begann er auch in dem zum Schullokale gehörigen Betsaale seine beifallswerthen und vielfach veröffentlichten sabbatlichen Vorträge, die, verbunden mit vierstimmigem Choralgesang der Schüler und mit der von ihm eingeführten rcsponsenweisen Hersagung der Psalmen, stets eine große Anzahl Andächtiger herbeizogen. Auf seinen, im Jahre 1830 erschienenen Leitfaden beim Unterricht der Religion (!Trir6 ertheilte ihm die philosophische Fakultät zu Marburg das Doktordiplöm und die Regierung schickte ihm in corpore ein Beglückwünschungsschreiben zu, worin es hieß: „daß sie sich freue, daß die Universität seine Verdienste um die Literätur ebenso anerkenne, als sie seine Verdienste um Pchule und Schullehrerbildungsanstalt zu würdigen wisse." Unter den von ihm alljährlich verfaßten Prüfungsprogrammen verdient eins, über die moralische Erziehung, besondere Beachtung. 1830 wurden ihm die Funktionen des damals erledigten Rabbinats übertragen, denen er sich bis zum Eintritt des Rabbinen Herrn Dr. Romann bereitwillig und zum größten Lobe für ihn, unterzog. Bei all diesen Arbeiten ertheilte er noch einen mit der Konfirmation schließenden Religionsunterricht an arme Kinder, wovon n^ch viele gedruckte Reden zeugen. Das Ministeriums seinen Eifer würdigend, ernannte ihn 1836 zum Mitglied des Landrabbinats, in dem er fromme Wünsche und Vorschläge niedergelegt,hat. Im vergangenen Jahre verfaßte er noch jmy pK, oder über die israelitische öffentliche ReligioäBprüfung oder Konfirmation. Aus seinen hinterlaWien Papieren sind noch besonders hervorzuW^n eine Uebersetzung des Hiob und eine für sich selbst verfertigte Hebräische Grabschrift. Als er 1824 nach Cassel zurückgekehrt war, traf er seine Braut noch leidender, als er sie verlassen