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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-10 · Heft 28 (10.7.1841) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 28 (10.7.1841)
Date
1841-07-10
Page
Seite 408 (sequence 12)
Language
German
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408 Greisen nicht ins Gesicht lachen, wenn sie mitLhränen sagen umptt t» nxr, und wollen nicht frohlocken, wenn sie allein stehen mit ihrem Schmerz, mit ihrer Sehnsucht nach Lagen, die nicht kommen, und die wir nicht erflehen. Der Tod hat je schon heftig hingemäht und lichtet täglich ihre Reihen, wir wollen nicht die letzten ehrwürdigen Reste höhnen, die langsam nachziehen auf der einst so überfüllten Straße, allein < schweigsam; können wir nicht folgen und müssen sie um sich den Sturm aufwirbeln sehen, der den Boden ihrer Straße lockert und Kies und Staub unter ihren Schritten zusammenfegt, müssen sie vor sich in gedrängten Schaaren den Vorangegangenen staubverhüllt in weiter Ferne und um sich und hinter sich Keinen erblicken der folgt, Keinen; müssen sie dahinschleichen, die Letzten! — da sei Gott vor, daß wir uns an den Weg stellen, den Stein in der Faust, um die Verblutenden blutig heimzuschicken. Haben sie irdische Güter gehabt? Pfründen geliebt? Zehnten gewonnen? Absolutionen verkauft? Run, so plärrt nicht christliche Reformationsredensarten nach! sie passen nicht; nicht gegen jene und nicht für Euch! das Häufchen steht da, die Pergamentrolle als Reichthum, den einzigen Schatz in den Händen, die einzige Lebensbeziehung, und wir in tausend Wechselwirkungen mit dem Leben; mein Gott! der blaue Himmel und die grüne Erde, die Welt so lachend, Theater, Konzerte, Lektüre, alle die reichen Schätze der Kunst, der Wissenschaft, die Freuden des geselligen Lebens müssen herhalten, um unser Leben selbst das des Fleißigsten unter uns zu versüßen, sollen, können wir da noch spotten! — Wie aber, wenn wir die Ehrlichkeit berücksichtigen? — Noch einmal: das Publikum wünscht die Ueberzeugung, die objektive und subjektive Ehrlichkeit, und die ist mehr als der gute Wille, mehr als gegenwärtig neue Rabbinate bieten können. Ich sage „gegenwärtig:" die Zeit steht — wie nahe, weiß man nicht — aber sie steht bevor, wo der neue Rabbinismus, der rationelle das Judenthum neu schafft, wo er aus Kathegorien, der Schrift entnommen, würdig unsrer Erkenntniß, würdig unsrer Zeit, die Ewigkeit des alten Bundes erneuert, und dieses Neue ins Leben setzt. — Aber welch' ein Riesenschritt! welch' eine Riesenarbeit thut sich hier auf! Vielleicht ist sie jetzt nicht einmal übersehbar in den allgemeinsten Umrissen, geschweige in der Urbarmachung für das praktische Leben. Wie viele Geister müssen sich hierzu zusammenthun! wie viele, durchbebt von enormer Kraft, enormer Besonnenheit, Klarheit und Wahrheit. Nur solch großes enormes Wirken kann bezwingend wecken, es muß aus Geistern Ein Geist erstehen, dann wird er über Geister gebieten; das fehlt, das meint die allgemeine Stimme, wenn sie auf den Staat als Träger einer einstigen Reformation blickt; das ist es, was zur Redensart herabgesunken, daß man glauben muß, wunder wie weit das Judenthum jetzt stehen würde, wenn die Rabbinen studirt hätten, und vom Staat besoldet würden. (Schluß folgt.) Korrespondenzen. Von der russisch-polnischen Granze, im Juni. Die Gemeinde Lublin. Es ist nicht allzuschwer, eine kurze Skizze dieser Gemeinde zu geben, welche, nächst Warschau die volkreichste, an 7008 Individuen faßt, da sie ziemlich charakteristisch unter den übrigen polnischen Gemeinden, mit denen sie freilich wieder viele Züge theilt, hervorsticht. Ein eigener Charakterzug der Israeliten der Gemeinde Lublin ist die angeborne, soll ich es Klugheit, oder Schlauheit nennen, der sarkastische Mutterwitz, der sich bei der unbedeutendsten Gelegenheit kund giebt, der Scharfsinn, an dem sie, ich möchte sagen, laboriren. Sie waren gewiß durch diese eigenthümliche Spekulationskrast befähigt, in der literarische» Welt zu glänzen und Vorzügliches zu leisten, wenn nicht die Richtung, der sie sich gänzlich hingegeben, der Fanatismus, der ihnen von Kindesbeinen eingepflanzt wird, sie mit einer unüberwindlichen Verachtung gegen alle zeitgemäße Bildung und Aufklärung erfüllte. Ihr Wissen, ihr Sinnen, ihre Beschäftigung, ihre geistige Anstrengung beschränken sich auf den Talmud, nur in dieser Sphäre wollen sie Ruf und Unsterblichkeit erlangen, und ihre Zeit vergeht in den Grübeleien und Diskussionen über Gegenstände ans diesem Gebiete. Sie sind so glücklich, fühlen sich

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