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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-10 · Heft 28 (10.7.1841) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 28 (10.7.1841)
Date
1841-07-10
Page
Seite 407 (sequence 11)
Language
German
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407 gen Zeitbedürfniß angemessen erklären würden: wir handeln also ebenso vernünftig, wie im Geiste der alten Lehrer, wenn wir die zeitgemäße Auslegung der Schrift beabsichtigen. Diese nennt man die Rationellen, und, obgleich die Grundsätze noch nicht klar ausgesprochen sind, sieht man wol, daß ein sehr haltbares Fundament für den Standpunkt solcher Theologie da ist, und daß, wenn es darauf ankäme, diese Partei ihr Bestehen sehr wohl rechtfertigen könnte; allein nur unter der einen Voraussetzung, daß die Schrift bindend ist. Wenn schon mit dieser Voraussetzung große Schwierigkeiten in praktischer Ausführung solcher Theorie da sind, wie sichs da wol darthut, wenn man bedenkt, daß wir kein systematisches gründliches Werk unverrückbarer Tendenzen, hervorgegangen aus solcheni Rationalismus, besitzen, so wächst die Schwierigkeit, ja wankt die ganze Haltbarkeit und stürzt zusammen, sobald man die Schrift als ächt bindend betrachtet; und —leider ist es schlimm, solch ein Wort aussprechcn zu müssen, — die Schrift ist den Rationalisten nicht bindend. Im Wesen des Rationalismus liegt es, die geistige Wahrheit aus dem Verfall des geschriebenen Wortes zu retten; er setzt eine Entwickelungsgeschichte des Geistes, er setzt auch eine Entstehungsgeschichte des geschriebenen Wortes voraus, also auch die Bibel ist ein Werk der Zeit, und trägt ihre gebrechlichen Spuren an sich, obgleich sie in ihren Grundzügen einige Ideen trägt, die für alle Zeiten Haltung haben; diese Geltendmachung muß vorangehen, das Fundament gegeben sein und dies zu thun, dazu fehlt Alles; außer großer Gelehrsamkeit, Muth, Macht, enorme Großherzigkeit, Durchdrungenheit, Rücksichtslosigkeit, mit einem Worte, die Lugenden des wahren Reformators. Wir sind nicht blind und wollen nicht blind sein, und die gemachte Blindheit würde uns auch nichts helfen, denn die Lüge hat nie gesiegt, und soll, so Gott noch mit uns ist, in Israel nicht siegen! Schielt ja nicht wieder hinüber zum Christenthum! das ist zu seiner Zeit ehrlich gewesen, sonst wäre es auch nicht durchgedrungen! — wie weh mir im Innern ist, weiß der, der es durchschaut; aber wer ein ehrlich Herz in sich trägt, kann und darf nicht schweigen, wenn er das wurmstichige Geschlecht die Ehrlichkeit abschwören sieht um des elenden Aemtchens willen, und dennoch wagt es, sich neben die in der Geschichte zu stellen, die ihr Leben ihren Ueberzeugungen zu opfern bereit waren. Ich möchte mich nicht vom Grimm überwältigen lassen; aber kommen Sie her, treten Sie diesen jungen Männern mit den weißen Gesichtern, mit dem schwarzen Käppelchen entgegen, reden Sie ihnen ins Gewissen, denn verstockt sind sie wol noch nicht, und es wird sich Ihnen die Rathlosigkeit offenbaren, die milde gesprochen, jedes Herz drückt, von denen zu schweigen, die sich kühn um die ersten Aemter bewerben, ohne es bei sich ausgemacht zu haben, ob sie das ycd nrD auf der Rückseite der mit» oder die Messiaslehre abbringen sollen. Hat sich doch hier ein junger Mensch, der in einer Knabenschule gut placirt und an seinem Orte ist, dem es aber an ein bischen viel Gelehrsamkeit und ein bischen sehr viel Ehrlichkeit fehlt, um das Berliner, sage das Berliner Rabbinat beworben! — Das Publikum meint dies nicht; das wünscht Ueberzeugung! redliche Ueberzeugung. Ich muß es gestehen, es achtet und liebt auch die redliche Ucberzeugung der Alten und Frommen, sowenig es darin einstimmen kann. Mit allgemeiner Indignation wurden die lieblosen Ausdrücke, in der vom Dr. Zunz gehaltenen Eröffnungsrede des Seminars, ausgenommen. Einer seiner Gönner sagte mir: „Dr. Zunz ist ordentlich versessen darauf, sich unpopulär zu machen." In der That, er trieb jedem Fühlenden das Blut in's Gesicht, als er triumphirend die Hände zum Himmel erhob, dankend, daß die Zeit der Sklaverei des alten Zudenthums, und daß die Macht des Rabbinismus gebrochen ist. Wir wollen den Himmel danken, ja, die Hände erheben, wenn wir die Herzen frei erheben können; ich gehöre auch nicht mehr der alten Theologie an; aber wollte Gott, wir hätten die Ehrlichkeit und Ehrwürdigkeit in den neuen Theologen zu verehren, die wir hochschätzen in denen, in deren Angesicht Dr. Zunz frohlockte. Welcher Ehrenhafte würde nicht anstehen, einem greisen Haupte gegenüber, aus das unsere, redlichen Bemühungen schon Schmerz und Kummer häufen, solche Worte auszusprechen, geschweige, daß sie unpassend sind im Munde dessen, dem Lorbeeren aus ganz anderm Felde als dem der Theologie liegen.— Wir können nicht mehr in ihrem Geiste beten; nicht mehr in ihrem Sinne hoffen, aber wir wollen den

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