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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-10 · Heft 28 (10.7.1841) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 28 (10.7.1841)
Date
1841-07-10
Page
Seite 406 (sequence 10)
Language
German
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406 ist doch die oft leicht aufgestellte Aufgabe: „Richtet deutschen Gottesdienst ein!" eine eben so schwierige wie nur eine; hier haben wir schon Muster, und gewiß erbauliche. Ich zweifle nicht, daß schöne Gesänge jedes empfängliche Gemüth zur Andacht erheben, doch abgesehen von allen andern Schwierigkeiten, seitdem ich die hiesige Schule am HS beim Gebet des tjpm gesehen, habe ich alle Gedanken an neu zu erfindende Erbauungsweisen aufgegeben. Wir wissen alle, daß es keines der erhabnern Gebete ist; aber das Schicksal des Dichters, der Gebrauch, das Alter und der einigermaßen erschütternde Inhalt hat es geheiligt, und im Volke den Glauben allgemein gemacht, daß der Allmächtige in dieser Stunde über Leben und Tod entscheidet; und wahrlich, wer diese Zerknirschung, Zerschlagenheit, diese Thränen gesehen, wird gestehen, daß man zwar läuternde, Gemüth und Geist aufrichtende Gebete an diese Stelle setzen könnte, um sie aber von solcher Wirkung zu machen, so müßte man sie in all' das Blut und die Thränen baden, die seit Abfassung jenes Gebetes geflossen. — Wer noch nie inne ward jenes gewaltigen Risses, das zwischen Geschlecht und Geschlecht im Judenthum geschehen, dem zeige man dieses alte Publikum und sage ihm, wie die Kinder der Weinenden und Zerknirschten lächeln über die Idee eines an einem bestimmten Tage richtenden Gottes, und wenn er dann noch an eine leichte allgemeine Einrichtung zur Erbauung beider Geschlechter denkt, dann sage man ihm auf Ehrenwort: er sei ein Narr! Man sieht nun wol, daß solche Aufgaben anders behandelt sein wollen, daß all dies Grundfragen sind, deren Lösung andere gelöste Fragen vorangehen müssen. Wir müssen erst eine zeitgemäße Religion haben, um zeitgemäßen religiösen Unterricht, erst die Idee des Gebetes im Judenthum selbst entwickelt haben, um Gebete und Gebetformen einrichten zu können. Daß dies letztere die Lehre von der Schuld, der Sünde, der Vergeltung, der Gnadenbezeugung, der Vergebung, der Lösung u. s. w. voraussetzt, versteht sich von selbst, und wer hat denn darin schon das entscheidende Wort gesprochen? Wer in nächster Zukunft wird es so schnell auszusprechen wagen? — „Die Rabbinate." Ich sehe diese Antwort schon auf den Lippen schweben: „neue Rabbinate." Da die Idee schon so alltäglich ist, so mag es wol Zeit sein, in klaren Worten auszusprechen, was man darunter strenge genommen meint. — Denjenigen gutmüthigen harmlosen Leutchen, die da glauben, man wolle zwar das alte Rabbinenthum, allein die Rabbinen sollen auch die Bildungsstufen unserer Zeit durchgemacht haben, damit unsere Geistlichen den christlichen nicht nachstehen in weltlicher Bildung; diesen möchte ich nicht gerne, was man so nennt, aus dem Traume helfen. Aus diesem Grunde und in diesen Absichten wählen hoffentlich zukünftig noch mehr fromme Gemeinden des Großherzogthums Posen neue Rabbinen. Im Eigentlichen wünscht man unter neue Rabbinen rationelle Theologen; da aber auch dieser Ausdruck Unbestimmtheiten zuläßt, so möchte ich mich etwas näher aussprechen. Wenn wir die Religion, wie sie uns von unfern Vätern übergeben worden ist, ansehen, so haben wir eine Quelle in der irs-nn, von welcher eigentlich alles ausgeht, und sodann das Ausgegangene, das, was das. allgemeine Publikum irrthümlich unter Talmud versteht. Angenommen, daß die Schrift bindend ist, so fragt es sich, ob ein gleiches bei den talmudischen Lehren stattfindet; in Beantwortung dieser Frage ist ein Streit entstanden. Die Frommen, die Alten behaupten, daß Gott in den vierzig Tagen, die Moses aus dem Sinai verweilte, ihm die Unterweisung in mündlicher Auslegung der schriftlichen Gesetze gab; diese Unterweisung vererbte sich bis auf die spätesten Zeiten, wo der Talmud abgefaßt wurde. Die Nichtfrommen behaupten, diese Auslegungen seien auf vernünftigem Wege entstanden, und zwar aus Unzulänglichkeit der Schrift für alle Fälle, die das Leben in späten Zeiten geboten. Ohne die Autorität der Schrift selbst anzutasten, auf ihre Entstehung sich einzulassen, nehmen sie die Existenz vorläufig als heilig an und sagen, unsere weisen Lehrer der Vorzeit haben in vorkommenden Lebensfällenj die Entscheidungen ihrer Vernunft in Einklang mit der Schrift zu bringen versucht; die Erfordernisse ihrer Zeit erkennend, war es ihnen Aufgabe, Geist und Wort der Schrift mit diesen in Einklang zu bringen. Damals waren die Gesetze also vernünftig, und wir ziehen demnach den Schluß, daß, wenn diese weisen Lehrer jetzt lebten, ihre Ueberzeugungen also andere, die Erfordernisse der Zeit andere wären, sie selber das Schriftwort dem jetzi-

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