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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-10 · Heft 28 (10.7.1841) · p. Seite 405

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 28 (10.7.1841)
Date
1841-07-10
Page
Seite 405 (sequence 9)
Language
German
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405 Als ehrwürdiger Repräsentant des alten Judenthums, fern von allem Zelotismus, ja sogar verschrien von ihm, steht immer noch-der hiesige Rabbinatsverwalter Oettinger da, ein Mann, der wahrlich nicht blind für Zeitbedürfnisse ist; aber, wer ihn kennt, sieht ein, er kann nicht anvers. Er ist zwischen zwei heftige Parteien gestellt, und sieht leider wie weit sie von einander abstehen, so daß er nicht an jene leichte Lösung durch die vielbesprochenen Kultusreformen glauben kann. „Wen nimmt und wem giebt man?" fragt der Mann mit Schmerz. „Es soll gar Eigensinn sein, aber Ihr gesteht doch, Ihr nehmt dem Frommen seine Andacht, und wem redet Ihr Euch ein, durch moderne Melodien was zu geben? Dem, der das ganze Jahr keinen Bissen nwr> ißt? der gar nicht in die Schule kommt, weil er rinw nicht aus dem Geschäft kam? — Wird er, wenn er in die Schule kommt, etwa andächtiger sagen ynstb bpnra irr» snrnm, weil man es schöner singt! Wollt Ihr denn das, was Ihr in geordnetem Gesang betet?— Wie! öbi» rirna, wo man sich «22 idiu gewesen für die nwi-rpn nnin, hat man es nicht gethan, und jetzt wollt Ihr, die Frommen sollen singen, wenn man die rinn aushebt, und doch lacht Ihr mich aus, weil ich sage, sie ist rrnwn yis, und das für Eure Kinder, die mer eben so gut auf einem sichern Fundament, wie der Alte, der streng Konservative, und wenn man z. B. die Streitschriften über den Hamburger Tempel durchmustert, so sieht der Parteilose, daß man ihm in sehr wenigen Punkten etwas Wesentliches entgegcnstellen konnte. Es soll hiermit über dieses Institut gar kein Urtheil gefällt sein, wir wollen diesen Punkt nur zum Bewußtsein bringen. Wenn übrigens der Vers, der Reform des Gottesdienstes eineip so unbedeutenden Einfluß zuschreibt: so geben wir ihm Recht, wenn von einer halben Reform, von einer Umänderung in gleichgültigen Nebendingen, überhaupt von der Halbheiit die Rede ist, denn davon haben wir allerdings wenigen Einfluß auf die Länge üben sehen. Wir müssen aber geradezu dem entgegentreten, wenn es sich um einen vollständigen, ganz charakter- und würdevollen Gottesdienst handelt. Dessen Wirkungen werden nicht ausbleiben, werden namentlich in der aufwachsenden Generation nicht ausbleiben, in der bas'Bedürfniß von Neuem zu wecken ist, was einmal durch den Gottesdienst in alter Form unmöglich geworden — ein Umstand, der nicht zu übersehen ist. D. Redakt. nur in den christlichen Schulen erfahren''), was darin steht?""") Sie sehen, wie offen der wunde Fleck liegt! Gegen solche Modusreformen, wo das Dasein noch in Frage steht, ist sogar die fromme Partei im moralischen Rechte. Der Gemeinde-Vorstand sgll den Kultus bilden, das ist schön gesagt! aber nicht so schnell ausgeführt. Mag es in der Provinz noch mit dem Gesang hingehen, hier nicht! hier kennt man die Schwächen zu genau; wie, und wenn gesungen und in den geordnetsten Chören gesungen wird, daß uns Gott nach Zion bringen möge, wo wir hier Böcke schlachten werden zu Dank, so erbaut es uns doch nicht mehr. Es ist keine Form-, es ist eine Daseinsfrage, und noch ist der Mann nicht aufgestanden, der diese löst, wie solch' eine wichtige Frage gelöst zu werden verdient, eine Frage, die fast so gewichtig wie der ganze übrige Theil des Juventhums in die Waage fällt, und die kein Gemeinde- Vorstand der Welt so schnell löst. Abgesehen davon, daß solch' ein Vorstand nur die Judenschaft, nicht das Judenthum vertritt, so ") Nun, und doch soll man anstrhen, dafür zu sorgen, daß sie es in jüdischen Schulen erfahren? D. Redakt. "") Wir verdenken dem Herrn, dem der Verf. diese Worte in den Mund legt, sie durchaus nicht, ja, wir sprechen sie zumeist mit ihm aus. Demungeachket dürfen wir nie vergessen, was nothwendig, was zur Nothwendigkeil geworden. Freilich! der Gesang allein thut es nicht. Wenn die besten Kräfte, die beste Zeit über eine so. nichtsnutzige Frage, wie über das Kleid des Chasan's, verloren gehen, wenn der Rabbine darüber schweigt, die Opposition befördert, und ihr Vorschub leistet in solchen Dingen — was laßt sich da weiter erwarten, und klingen dann solche Phrasen doch nur — nach Widerwillen. Die alten Zeiten sind nicht zurückzubringcn, sollen bei Leibe nicht zurückgebracht werden. Da gilt es ein männliches Erheben, da gilt es gerade vom orthodoxen Standpunkte zu retten, was zu retten ist, und nicht den verschossenen Saum festhalten, und das Kleid darüber sich aus den Händen reißen lassen. Die Verhältnisse sind gegeben. Da gilt es, was in den gegebenen Verhältnissen, die nicht von uns abhangen, für die wir persönlich nicht verantwortlich sind, zu thun sei — nicht aber sie mit Gewalt nach seinen Wünsche»-zurückcufen, zurückhalten wollen. Der Hirt, der der entlaufenen Heerde Stab und Steine nachwirft, zerstreut sie noch mehr. D. Redakt. 28"

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